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22.09.2016

07:54 Uhr

Honda HR-V im Handelsblatt-Test

Der macht erst „Sitz!“, dann „Platz!“

VonFrank G. Heide

Immer mehr Käufer möchten kompakte City-SUV, und die Hersteller liefern. Honda etwa belebt den HR-V neu. Und der bietet moderne Basismobilität, aber kaum Emotionen. Reicht das gegen die starke Konkurrenz?

DüsseldorfEs gibt Autos, die sind so vernünftig, und so wenig emotional, dass man sie glatt übersehen könnte. Wenn sie nicht so viele gute Eigenschaften für den Alltag hätten. Der Honda HR-V, kleiner Bruder des sehr erfolgreichen CR-V, und seit etwa einem Jahr im deutschen Handel, ist so ein Kandidat.

Der metallicblaue Testwagen in Form eines Kompakt-SUV fiel keinem Nachbarn auf, kein Passant drehte sich neugierig rum, kein Kollege fragte, ob er denn vielleicht auch mal fahren dürfe. Und doch bringt der kompakte Honda vieles mit, was man für einen pragmatischen, vielseitigen, sicheren und modernen Bestseller braucht. Vor allem die Sitze haben es in sich.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Alltagstauglich?

Definitiv. Ein idealer Begleiter für Stadt und Umland. Agil und sparsam.

Das schönste Detail?

Die typischen „magic seats“ von Honda: Hintere Sitzflächen einfach wie Kinogestühl hochklappen, so dass bei Bedarf Stauraum vom Fußraum des Fonds bis zum Dach entsteht. So transportiert man große Topfpflanzen! Und mit Umklapp-Lehne am Vordersitz passen sogar 2,45 Meter lange Gegenstände hinein.

Enttäuschend?

Die Optik des Armaturenbretts wird durch die integrierten Lüftungsklappen arg gestört, und das Touch-Display ist oft nur schlecht ablesbar.

Ist er`s wert?

Definitiv ein fairer Gegenwert zu einem sportlichen Preis. Der Honda liegt preislich etwas über der Konkurrenz, punktet aber mit guter Ausstattung. Dem Kaufinteressenten hilft da nur der genaue Vergleich.

Sound?

Der kleine Bruder des CR-V teilt sich die Basis mit dem Honda Jazz, ist also ein Kleinwagen, als SUV verkleidet. Und genau so klingt er auch. Für einen modernen Diesel aber zu laut.

Wie grün ist das Auto?

Ziemlich grün. Die von Honda für den 120-PS-Diesel angegebenen 4 Liter Normwert haben wir nicht geschafft, aber wir waren oft nah dran.

Vorbildlich?

Die Unauffälligkeit. Wer sachliche Autos ohne Emotionalität mag, ist hier genau richtig. Kein Nachbar wird neidisch gucken.

Was sagt der Nachbar?

Nichts.

Wer guckt?

Niemand.

Wie fährt er sich?

Unaufgeregt, leicht und wendig. Ein typisches Stadtauto, wie alle Mini-SUV.

Wo gehört er hin?

Eher nicht auf die lange Reiseroute oder die linke Autobahnspur. Er überrascht aber sogar positiv auf dem Baumarktparkplatz - siehe „Schönstes Detail“

Er tritt kein leichtes Erbe an, der HR-V, denn er hatte vor etwa zehn Jahren einen etwas glücklosen Vorgänger, der genauso hieß. Der war als hochbeiniger Van mit auffälliger Karosse zwar innovativ, aber kein echter Verkaufserfolg.

Diesmal tritt Honda direkt im zurzeit am stärksten boomenden Segment an: Kompakte SUV. Dort muss man dem Kunden allerdings schon was bieten, denn die Konkurrenz ist stark und wächst ständig. Zumindest von außen bietet der HR-V aber eher Schonkost, wird dem Honda-Claim „The Power of Dreams“ bei weitem nicht gerecht, denn das City-SUV ist optisch nicht gerade ein Traumwagen.

So beginnt der HR-V mit einem markanten SUV-Gesicht, bei dem die schmalen Scheinwerfer die Breite betonen. Schon von außen ahnt man die erhöhte Sitzposition. Doch die Dachform und das sich stark nach hinten verjüngende Fensterband prägen eine Silhouette, die man als gemäßigt dynamisch bezeichnen darf.

In die C-Säule eingelassenen hintere Türgriffe unterstreichen den Coupé-Eindruck; eine von vorne nach hinten ansteigende, stark ausgeprägte Sicke betont das sich verjüngende Heck. Die Dachlinie ist etwas coupéhaft hinten nach unten geneigt und endet in einem Mini-Dachspoiler.

Der sehr dezente martialische Eindruck wird durch die elegante Seitenlinienführung mit der leicht abfallenden Dachlinie abgeschwächt: Das Design vermittelt: Hier muss sich niemand fürchten, der will im Zweifelsfall nur spielen. Frank G. Heide

Er kommt mit leicht bulliger Front sowie wuchtigen Kotflügeln vorgefahren.

Der sehr dezente martialische Eindruck wird durch die elegante Seitenlinienführung mit der leicht abfallenden Dachlinie abgeschwächt: Das Design vermittelt: Hier muss sich niemand fürchten, der will im Zweifelsfall nur spielen.

Innen sitzt man in dem ausschließlich als Fünftürer und Fronttriebler erhältlichen Konkurrenten von Renault Captur, Opel Mokka, Mazda CX-3 und Fiat 500x leicht erhöht, auf eher gemütlichen als sportlichen Sitzen. Und genießt eine gute Übersicht über das gesamte Fahrzeug, blickt zudem auf einen aufgeräumten Arbeitsplatz. Der ist mit Multifunktions-Lederlenkrad, einigen Chromapplikationen, etwas schwarzem Klavierlack, und Lederausstattung gut ausgestattet und überzeugt mit guter Verarbeitung. Andererseits zeigt das Armaturenbrett oben eine große Kunststofffläche, vermittelt so den Eindruck „leicht abwaschbar“.

Wer in der unteren Ebene der Mittelkonsole etwas bewerkstelligen möchte, wird im Honda HR-V zu orthopädisch bedenklichen Posen gezwungen. Am besten vorher schon mal Finger und Handgelenke lockern, bevor man den USB-Stick einführt. Frank G. Heide

Viel Ablagefläche, aber nur schwer zu erreichen

Wer in der unteren Ebene der Mittelkonsole etwas bewerkstelligen möchte, wird im Honda HR-V zu orthopädisch bedenklichen Posen gezwungen. Am besten vorher schon mal Finger und Handgelenke lockern, bevor man den USB-Stick einführt.

Armaturentafel und Bedienelemente präsentieren ordentlich und zeitgemäß, allerdings sind recht viele Schalter und Taster rund ums griffig-dicke Lederlenkrad angeordnet. Sie sind leicht erreichbar, aber doch gewöhnungsbedürftig, weil man - wie in den meisten modernen Autos - erst mal lernen muss, sie ohne hinschauen zu bedienen. 

Wer sich mit den Funktionen des Interieurs näher beschäftigt, gewinnt rasch den Eindruck, der Wagen sei innen größer als außen. Es gibt zahlreiche praktische Ablageflächen und -fächer, eine große Mittelkonsole und nicht zuletzt die berühmten „magic seats“ in der zweiten Reihe, die ein Stauvolumen von bis zu 1060 Liter möglich machen. Wer Kombi fährt, wird diese Zahl niedlich finden, aber tatsächlich markiert sie in der Klasse der Kompakt-SUV einen der besten Werte.

Neu sind die magischen Sitze natürlich nicht, Honda baut sie seit Jahren in verschiedene Modelle ein, etwa in den Jazz, auf dessen Basis auch der HR-V steht: Man klappt zunächst die Sitzfläche der Fondssitze hoch und nach vorn, dann die Rückenlehne in die entstandene Lücke, schon ist der Ladeboden völlig eben.

Zudem lassen sich die Zaubersitze auch - fast wie im Kino - hochkant nach hinten klappen, so sind etwa ein Riesen-Plasma-TV oder eine Yuccapalme ohne Probleme aufrecht verstaubar. Möglich wird das Ganze, weil Honda den Tank ungewöhnlicherweise unter den Vordersitzen einbaut. Last but not least ist dank umlegbarer Beifahrersitzlehne auch das Verstauen sehr langer Gegenstände (bis 2,45 m) kein Problem.

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