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20.02.2014

11:07 Uhr

Honda Jazz Hybrid im Handelsblatt-Test

Er dröhnt, der Blümchensammler

VonFrank G. Heide

Der Honda Jazz ist ein fast ideales Alltagsauto für Fahrer mit Kind und Kegel. Die teure Hybridversion erzieht sogar spielerisch zum Spritsparen. Leider macht ihr Motor allzu schnell einen sehr gequälten Eindruck.

Mit diesem Auto kann man gut Blümchen sammeln: Im Display des Honda Jazz Hybrid gelten sie als Symbol für besonders sparsame Fahrweise. Wer die meisten schafft, wird Eco-Champion. Sebastian Schaal

Mit diesem Auto kann man gut Blümchen sammeln: Im Display des Honda Jazz Hybrid gelten sie als Symbol für besonders sparsame Fahrweise. Wer die meisten schafft, wird Eco-Champion.

DüsseldorfAls größer Motorenhersteller der Welt hat Honda längst bewiesen, dass man äußerst sparsame Dieselmotoren zu konstruieren weiß. Wie unlängst erst für den kompakten Civic passiert. Warum also für einen Kleinwagen wie den Jazz überhaupt einen Hybrid anbieten?

Ganz einfach: Deutschland ist nicht die Welt. Die hierzulande ausufernde Vorliebe für vermeintlich stinkige Selbstzünder wird international nicht geteilt. Eine moderne „grünere“ Antriebsalternative macht also Sinn mit Blick auf den Heimatmarkt Japan, wo Hybride der absolute Renner sind, und in puncto Weltmarkt.

Bisher setzte Honda aber allein auf das "Mild-Hybrid"-System, wobei ein Elektromotor den Verbrenner unterstützt, aber nicht selbst die Räder antreibt. In den kommenden Jahren sollen aber auch Modelle angeboten werden, bei denen zwei zusätzliche Elektromotoren die Räder antreiben. Erst dadurch kann ein "Vollhybrid"-System verwirklicht werden, bei dem kürzere Strecken rein elektrisch gefahren werden können.

Viel Sinn ergibt der von uns gefahrene Honda Jazz in erster Linie für Familien, die regelmäßig Kinder und Gepäck zu verstauen haben, denn das fast wie ein Minivan aussehende Fahrzeug ist innen tatsächlich viel größer als man von außen ahnt.

Bei nur 3,90 Meter Länge punktet ein großzügiges Platzangebot für vier Insassen und Gepäck vor allem mit Variabilität. Klappt man beispielsweise die Fondsitz-Rücklehne im Verhältnis 60:40 um, rutscht parallel die Sitzfläche nach unten. Es entsteht eine tiefe, fast ebene Ladefläche. Statt 303 passen dann maximal 1.320 Liter in den Jazz. Das ist Golf-Niveau.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Alltagstauglich?

Ja, vor allem in der City. Vier Türen, viel Laderaum, gute Übersicht, leichte Lenkung, mäßig sparsam im Verbrauch.

Das schönste Detail?

Das große Panorama-Glasdach, dass viel Licht hineinlässt.

Enttäuschend?

Leider sehen ausgerechnet die spaßig-erzieherischen Spritspar-Displays mit ihren grauen Grafiken und pixeligen Anzeigen noch immer aus, als wären Tamagochis gerade der letzte Schrei.

Ist er's wert?

22.000 Euro? Nein, aus zwei Gründen. Erstens: Der hohe Anschaffungspreis und der zu hohe Spritverbrauch im Alltag passen nicht recht zueinander. Aber, zweitens: Honda hat den Nachfolger bereits offiziell vorgestellt, man sollte also auf den neuen Hybrid warten, der angeblich ein echtes Drei-Liter-Auto sein soll.

Sound?

Wohltuend leise, wenn der Gasfuß sensibel und zurückhaltend ist. Viel zu laut, wenn Leistung abgerufen wird.

Wie grün ist das Auto?

Nicht so grün wie erhofft, sprich 104 Gramm CO2/km. Honda gibt einen offiziellen Normverbrauch von 4,5 Liter Super an. Wir haben im Alltagstest meist über 5 Liter und zeitweise über 6 Liter gelegen.

Vorbildlich?

Das Raumangebot und die vielen Beladungsvarianten sind erstklassig. Die Van-Form zahlt sich aus, wenn man was zu verstauen hat.

Was sagt der Nachbar?

„Da soll ein Fahrrad reinpassen? Das will ich sehen!“

Wer guckt?

Manche Fahrer anderer Honda Jazz. Sonst niemand. Wirklich niemand.

Wie fährt er sich?

Leicht und wendig, vor allem in der Stadt. Auf der Autobahn fehlt dem Hybrid etwas Power.

Wo gehört er hin?

In Familienhand, als (Zweit-)Wagen für Umweltbewusste mit Kind und Kegel. Und in die Stadt, nicht auf die Autobahn.

Zusätzlich lässt sich der Beifahrersitz umklappen, dann können bis zu 2,40 Meter lange Teile eingeladen werden. Und die Rücksitze können nicht nur flachgelegt, sondern auch komplett senkrecht hochgeklappt werden. Dann lassen sich, auch dank eines sehr flachen Mitteltunnels bis zu 1,30 Meter hohe Gegenstände quer hinter den Vordersitzen verstauen. "Magic Seats" nennt Honda das, und das ist für die Kompaktklasse sogar eine angemessene Bezeichnung.

Sind Kind und Kegel verstaut, soll es flott und sicher von A nach B gehen. In puncto Sicherheit liegt der Jazz (in der Vorgängerversion) beim europäischen Euro NCAP mit 5 Sternen gut im Wettbewerbsvergleich. Allerdings fiel er unlängst, wie viele Konkurrenten, den amerikanischen Testern des IIHS als unsicherer Kandidat auf. Nun unterscheiden sich beide Testverfahren, aber nicht wenige Experten halten den US-Aufpralltest mit seiner im Vergleich zum europäischen Pendant geringeren Karosserieüberschneidung für besonders realistisch.

Blümchen sammeln bis der Pokal winkt

In puncto „flott“ gilt: Die gefühlten Beschleunigungswerte in der Stadt sind gut, auf der Autobahn sind sie es nicht. Der kleine Japaner braucht nicht nur quälend lange 12 Sekunden um aus dem Stand auf 100 km/h zu kommen, er macht auch bei 175 km/h schon wieder Schluss. Wirklich zäh aber verlaufen Überholvorgänge und Geschwindigkeitszuschläge ab 120 km/h. Bitte nicht vergessen, den Econ-Modus zu deaktivieren und runterzuschalten, sonst lässt man es besser gleich ganz.

Auch die Lenkung ist auf die Stadt abgestimmt, sie ist in erster Linie leichtgängig, wird aber bei zunehmender Geschwindigkeit straffer. Das Lenkrad aus der mittleren der drei Ausstattungslinien ist hochwertig, und liegt gut in der Hand. Der gelochte Bezug aus schwarzem Leder lässt es sogar ein bisschen sportlich wirken, auch wenn das gar keine Stärke des kompakten Honda ist.

Was ist die eigentliche Herausforderung im Jazz Hybrid? Öko-Blümchen sammeln! Der im Display sichtbare Eco-Guide des Hybrid-Jazz macht das spielerischen Herausforderung für Fahrer mit sensiblem Gasfuß. Schematisch dargestellte Blumensymbole vermehren sich in der Anzeige, je sparsamer man fährt.

Zusätzlich unterstützt ein komplett grün oder blau beleuchteter Tacho den Fahrer: Leuchten die LED dunkelgrün, so liegt der Momentanverbrauch nahe Null. Beschleunigt man kräftig, verfärbt sich die Anzeige über hellgrün und hellblau bis dunkelblau.

Das ist quasi die virtuelle Sense, der die zarten Pflänzchen im Display zum Opfer fallen. Leider sehen diese Instrumente mit ihren grauen Grafiken und pixeligen Anzeigen aber noch immer aus wie in jenen Zeiten, als Tamagochis der letzte Schrei waren.

Vielfältige Anzeigemodi: Wer mit dem Hybrid-Jazz sehr sparsam unterwegs ist, wird Blümchensammler. Diese bestehen erst aus einem Stamm, dann kommen bis zu vier Blätter und eine Blüte hinzu. Wer fünf vollständige schafft, darf sich als Eco-Champion einen Pokal und einen Lorbeerkranz einbilden. Sebastian Schaal

Vielfältige Anzeigemodi: Wer mit dem Hybrid-Jazz sehr sparsam unterwegs ist, wird Blümchensammler. Diese bestehen erst aus einem Stamm, dann kommen bis zu vier Blätter und eine Blüte hinzu. Wer fünf vollständige schafft, darf sich als Eco-Champion einen Pokal und einen Lorbeerkranz einbilden.

Wenn mehrere Familienmitglieder den Jazz bewegen, treten sie praktisch in einem Spritspar-Wettbewerb gegeneinander an: So zeigt eine Verbrauchshistorie im Display als Balkengrafik den aktuellen Verbrauch im direkten Vergleich zu den letzten drei Fahrten. Und wem gefällt, wie die gesammelten Blümchen als Beweis für gute Öko-Fahrweise wachsen und sich vermehren, der kann sogar zum Eco-Champion werden. Dafür muss man aber ein sehr disziplinierter Spritsparer sein.

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