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10.10.2013

12:37 Uhr

Horex VR6 Classic

Good vibrations in der Mitte

Quelle:MID

Dieses 24.500 Euro teure Sechszylinder-Bike entsteht in Handarbeit in Augsburg. Die Horex VR6 transportiert die klassische Linie früherer Modelle aus der Wirtschaftswunder-Zeit stilvoll in die Gegenwart.

Sechszylinder-Bike Horex VR6 Classic MID

Sechszylinder-Bike Horex VR6 Classic

DüsseldorfViele erinnern sich mit leuchtenden Augen an das Motorrad des Vaters, des Kollegen oder sogar an die eigene Horex Regina, die von 1950 bis 1958 vom Band lief. Doch mit der Einzylinder-Maschine von damals hat die neue Horex nur die klassische Linie gemein. Als Antrieb kommt der erste VR6-Motor der Motorrad-Geschichte zum Einsatz. Diese ungewöhnliche Bauart verwendet im Automobilbereich beispielsweise VW.

Die Besonderheit sind zwei Zylinderbänke mit je drei Zylindern, die in einem sehr engen Winkel von 15 Grad gespreizt sind und nur einen Zylinderkopf benötigen. Hohen Bauaufwand verlangen die drei parallel angeordneten Nockenwellen für die Betätigung von drei Ventilen je Zylinder sowie die komplizierte Führung der Auslasskanäle und Ansaugtrakte.

Das Triebwerk ist bei knapp 43 Zentimeter Breite so kompakt wie ein vergleichbarer Reihenvierzylinder. Die Leistung von 126 PS bei 8.500 Umdrehungen schöpft der Motor aus 1.218 ccm Hubraum. Nach dem Druck auf den Anlasser braucht der Motor ein Weilchen, dann kommt aus den beiden Schalldämpfern der Sechs-in-zwei-Auspuffanlage ein besonderer Soundteppich: Die rauchige Mischung aus dem Fauchen eines Formel-Autos und dem Röhren eines V2-Sportmotorrades gibt es sonst nirgendwo.

Schon ab Standgasdrehzahl schiebt der VR6-Motor vorwärts. Zwischen 2.500 Touren und 4.000 Touren nimmt der Vortrieb mit der Drehzahl gleichförmig zu und drückt auch unaufhörlich weiter bis knapp an die Zehntausendermarke. Das bedeutet auf der Autobahn Geschwindigkeiten jenseits von 240 km/h.

Horex VR6 Classic MID

Horex VR6 Classic

Am meisten Spaß macht die VR6 Classic jedoch auf verschnörkelten Landstraßen. Zum sportiven Charakter passen sogar die Vibrationen ab der Drehzahlmitte, wohingegen abruptes Schließen des Gasgriffs beim Übergang in den Schiebebetrieb unangenehm heftiges Abbremsen zur Folge hat. Zu optimieren ist auch die bisweilen verzögerte Umsetzung der Gasgriffbefehle in die elektronische Steuerung der Ride-by-Wire-Technik. Hier müssen die Elektroniker die Programmierung der Zünd-Einspritzanlage überarbeiten.

Taschen und Tankrucksack sind als Extras erhältlich. MID

Taschen und Tankrucksack sind als Extras erhältlich.

Zur guten Landstraßen-Eignung tragen auch die klassische Ergonomie und das tadellose Fahrwerk bei. Die Ledersitzbank prangt zwar in 82 Zentimetern Höhe, doch die Kniewinkel sind dadurch lässig-entspannt. So lässt sich die Horex sehr gut über den Leichtmetall-Lenker dirigieren. Das Fahrwerk ist insgesamt eher straff abgestimmt. Die mächtige Upside-Down-Gabel des Feder-Spezialisten WP arbeitet sensibel und dämpft weitgehend alle Bodenunebenheiten.

Horex VR6 Classic MID

Horex VR6 Classic

Sehr gut ist den Horex-Entwicklern die Abstimmung der Brembo-Stopper gelungen: Die Vierkolben-Bremszangen agieren knackig und gut dosierbar. Das ABS greift im Bedarfsfalle sauber regelnd ein, ohne dass das Fahrwerk in Unruhe verfällt. Schick, aber zu kurz sind dagegen die Spiegelausleger. Auch die hohe, rangierunfreundliche Masse von 260 Kilo machen zusammen mit dem knappen Lenkeinschlag das Manövrieren schwer.

Clever ist dafür das vom linken Lenkerende aus einstellbare Cockpit-Display, das bei eingelegtem Leerlauf automatisch die Ganganzeige zeigt. Optional sind für die Maschine Taschen und Tankrucksack erhältlich. Mit 24 500 Euro ist die Horex VR6 Classic sicherlich kein Schnäppchen, doch für das Modell sprechen der besondere Sound und der Exklusivitäts-Bonus.

Die Leistung von 93 kW/126 PS bei 8.500 U/min schöpft der VR6-Motor aus 1.218 ccm Hubraum. MID

Die Leistung von 93 kW/126 PS bei 8.500 U/min schöpft der VR6-Motor aus 1.218 ccm Hubraum.

Technische Daten Horex VR6 Classic:

Straßenmotorrad mit flüssigkeitsgekühltem VR6-Viertakt-Motor; drei Ventile je Zylinder; drei obenliegende Nockenwellen; Hubraum: 1218 ccm; Bohrung x Hub: 68,0 x 55,0 mm; max. Leistung: 93 kW/126 PS bei 8 500/min; max. Drehmoment: 120 Nm bei 7 000/min; elektronische Kraftstoffeinspritzung; geregelter Katalysator; Sechsgang-Getriebe; Kettenantrieb; Leichtmetall-Brückenrahmen; Teleskopgabel vorne; Einarmschwinge mit angelenktem Zentralfederbein hinten; zwei Scheibenbremsen vorne, eine hinten; ABS; Reifen vorne: 120/70 ZR 17, hinten: 190/55 ZR 17; Sitzhöhe: 82 cm; Tankinhalt: 17,0 l; Leergewicht: 260 kg; zul. Gesamtgewicht: 450 kg; Preis: 24 500 Euro.

Kommentare (1)

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Schminktasche

13.10.2013, 19:03 Uhr

Die "Schminktäschchen" großen Satteltaschen passen aber irgendwie nicht. Es mag so etwas touriger aussehen und etwas Lust auf längere Touren machen, aber der praktische Nutzwert dürfte etwas sehr sparsam ausfallen.

Unterschwellig soll so aber mehr Abenteuer & Reisen "bedient" werden. Das gelingt, weil erst im zweiten und dritten Nachdenkgang, wird die Frage zum "Nutzwert" gestellt. Emotion vor Logik wird so bedient .... .

Aber abseits von der "Gepäckdimension" ist das ein wirklich tolles klassisch angelehntes Motorrad und es ist immer wieder schön, wenn historische Altmarken wieder beginnen zu leben.

Hoffentlich gelingt es auch mit der Rollermarke LAMBRETTA und kommen in der Außendarstellung wieder mehr Motorroller und weniger Juristen über die Markeneigentümerschaft zum Tragen.

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