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09.07.2014

11:23 Uhr

Hybridantrieb mit Druckspeicher

Geniales Konzept oder nur heiße Luft?

VonBenjamin Bessinger
Quelle:Spotpress

PSA pfeift auf Lithium-Ionen-Akkus, E-Maschinen und Hochvolt-Technik: Seit vier Jahren tüfteln die Franzosen mit Bosch an einem Hybridantrieb mit Druckspeicher. Jetzt fahren die ersten Prototypen.

Der Peugeot 2008 soll nur rund zwei Liter Kraftstoff benötigen Peugeot

Der Peugeot 2008 soll nur rund zwei Liter Kraftstoff benötigen

Akku-Antrieb, Plug-In-Hybrid, Brennstoffzelle – spätestens seit dem Siegeszug von Tesla wirkt die ganze Autowelt wie elektrisiert. Die ganze Autowelt? Nein! Ein kleiner und gerade nicht sonderlicher gesunder Konzern aus Frankreich pfeift auf Lithium-Ionen-Akkus, E-Maschinen und Hochvolt-Technik und geht seinen eigenen Weg. Um den CO2-Ausstoß auf breiter Front zu drücken und alternative Antriebe auch für preissensiblen Kleinwagen möglich zu machen, arbeiten die im PSA-Konzern vereinten Marken Peugeot und Citroen an einem Hybrid-Antrieb mit Druckspeichertechnik.

Zwar bieten beide pflichtschuldig auch ein bei Mitsubishi eingekauftes Elektroauto an und am oberen Ende ihrer Modellpalette stehen Diesel-Hybriden mit elektrisch angetriebener Hinterachse. „Doch die Zukunft unsere Volumensegmente sehen wir im HybridAir-Konzept“, sagt Karim Mokaddem. Er ist Projektleiter bei PSA und hat gemeinsam mit Bosch nun schon vier Jahre geforscht und getüftelt, wie man ein Auto mit Luft fahren lassen kann. Und wenn es nur ein paar Hundert Meter sind.

Dass Mokaddem so sehr an dieser Idee hängt, hat viele Gründe. Zu allererst nennen die Entwickler die Kosten, die bei vergleichbaren Stückzahlen so deutlich unter denen eines elektrischen Hybriden liegen, dass man damit auch bei Stadtautos wie dem Peugeot 2008 oder dem Citroen C3 noch Geld verdienen kann.

Außerdem sei das Handling eines Drucktanks viel leichter als eines Lithium-Ionen-Akkus, sagt Bosch-Projektleiter Christian Mecker: Egal ob bei Produktion, Reparatur oder Entsorgung.

Die Technik soll deutlich weniger kosten als bei einem konventionellen Hybrid PSA

Die Technik soll deutlich weniger kosten als bei einem konventionellen Hybrid

Und auch der Fahrer hat von der Luftnummer nur Vorteile: Zwar surrt ein HybridAir viel kürzer ohne Verbrenner als ein konventioneller Hybrid. Doch weil der Speicher mit der überschüssigen Bremsenergie schon nach zehn Sekunden und nicht erst nach mehreren Minuten wieder voll ist, hat der Benziner dafür viel öfter Pause: „Bis zu 80 Prozent der Fahrzeit im dichten Stadtverkehr schaffen wir so ohne Emissionen“, sagt Mokaddem und verspicht bis zu 45 Prozent weniger CO2-Ausstoß: „Damit wird das Zwei-Liter-Auto greifbar.“

Bislang waren das je nach Perspektive alles tolle Visionen oder jede Menge heißer Luft. Doch jetzt können Mokaddem und Mecker mit den ersten Prototypen bei einer Stadtfahrt durch Paris beweisen, dass sich die überschüssige Energie mit Pumpe und Hydrauliköl tatsächlich in einem Stickstofftank speichern und über einen Hydraulikmotor wieder anrufen und zum Fahren nutzen lässt.

Der Drucklufttank sitzt im Mitteltunnel PSA

Der Drucklufttank sitzt im Mitteltunnel

Das klingt zwar ein bisschen eigen, wenn man die Ohren spitzt und auf den ersten Metern ganz genau hinhört. Doch im Grundrauschen der Großstadt wird das dieses zwitschernde Geräusch schnell verschluckt und der umgerüstete Peugeot 2008 schwimmt ganz unauffällig im dichten Verkehr über die Avenue Foch – mal mit dem Verbrenner, mal nur mit dem Hydraulikantrieb und mal mit kombinierter Kraft.

Welcher Motor gerade läuft, das erkennt man nur beim Blick auf den Monitor in der Mittelkonsole, wo orange und blaue Pfeile übers Bild wandern und die blaue Druckblase im Mitteltunnel rasant größer oder kleiner wird. Und man merkt es beim Kavalierstart an der Ampel.

Zu den 82 PS des Dreizylinder-Benziners gesellen sich 41 PS aus der Hybrid-Maschine PSA

Zu den 82 PS des Dreizylinder-Benziners gesellen sich 41 PS aus der Hybrid-Maschine

Dann nämlich packen beide Motoren mit voller Kraft zu. Zu den 82 PS des Dreizylinder-Benziners gesellen sich 41 PS aus der Hybrid-Maschine, der Sprintwert fällt unter zehn Sekunden und wer mag, lässt dabei sogar die Reifen quietschen.

Da sind dann plötzlich sogar die gut zwei Zentner mehr Gewicht vergessen, die durch die Motor-Getriebeeinheit, den Drucktank und den Ausgleichsbehälter ins Auto kommen.

Zwar sind Bosch und die PSA-Marken mehr denn je überzeugt von ihrem Konzept und fühlen sich mit jedem Testkilometer im dichten Stadtverkehr von Paris ein bisschen mehr bestätigt. Schließlich ist der 2008 HybridAir jetzt auch auf dem Prüfstand schon mit einem Normschnitt von 2,9 Litern zufrieden. Doch ganz alleine gegen den Strom wollen sie dann doch nicht schwimmen.

Das Zentralinstrument sieht aus wie in vielen Hybridmodellen PSA

Das Zentralinstrument sieht aus wie in vielen Hybridmodellen

„Im Grunde ist die Technik soweit, dass wir damit in drei Jahren in Serie gehen können“, sagt Bosch-Mann Mecker. „Aber bevor wir die nächsten Entwicklungsschritte machen, müssen wir uns noch ein paar Mitstreiter bei der Konkurrenz suchen.“ Denn ohne den passenden Business-Case kann das große Sparen bei den kleinen Autos dann wohl doch nicht beginnen.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

09.07.2014, 12:23 Uhr

Welchen Siegeszug meinen Sie, wenn Sie von Tesla schreiben?!
Tesla ist eine Subventionsabzocker und Steuerersparnisgeschichte zu Gunsten der Käufer. In der realen Marktwirtschaft wäre Tesla schon längst von der Bildfläche verschwunden. Aber dank dieser politischen Grünen CO2-Vernichtung Ideologie wachsen ungehemmt die Subventionen und Steueranreizsparmodelle für eine angebliche wirtschafltich Nachfrage in den Himmel. Der Steuer- und dumme Abgabenzahler in Deutschland und Anderswo zahl ja gerne für diese CO2-Ökosubventions-Angstmärchen.
Hybrid bleibt Hybrid und ist zusammen mit ein reinen E-Fahrzeug im Wettbewerbsmarkt (Marktwirtschaft) einen Benziner bzw. Diesel weit unterlegen!

Herr F. Gessw.

09.07.2014, 13:41 Uhr

Eine lustige Erfahrung, habe erst den aggressiv-überheblichen Besserwisserton im Text gelesen und dann mal auf den Namen geguckt... Sie, hier, unglaublich, Sie scheinen ja wirklich alles blöd zu finden, was andere tun. Was tun Sie denn so außer meckern? Sind Sie ein bezahlter Troll? Was genau verstehen Sie unter der "realen Marktwirtschaft"? Glauben Sie noch an den Homo ökonomikus?
Ach ja, und glauben Sie, dass Benzin und Diesel unendlich vorhanden sind? Oder andere Ressourcen auf unserer kleinen blauen Kugel? Haben Sie Kinder? Oder irgendeine Form von Empathie für Ihre Mitbewohner dieses Planeten?
Halten Sie sich für besonders klug? Wenn ja, warum?

Sie haben noch Zeit, es ist nicht zu spät. Gehen Sie in eine Vorstellung von Volker Pispers, gucken Sie Neues aus der Anstalt oder die Wochenshow. Ach ja, und kaufen Sie bitte nichts mehr vom Springer Verlag. Man wird entspannter :). Beste Grüße

Herr Jörg Dürre

09.07.2014, 14:35 Uhr

Ein Barrel Mineralöl (159 Liter) enthält ca. 1590 Kilowattstunden und kostet heute 109$ also ca 80 Euro.
Mit einem Benzin oder Dieselmotor schaffen sie vielleicht 30% der Energie auf die Straße zu bringen. Für die 1590 kWh am Rad benötigen Sie also mindestens 260 Euro.
Nehmen Sie stattdessen Ökostrom mit aktuellen Vergütungen zwischen 9 und 13 Cent dann sind es 143 bis 207 Euro.
Das man nicht mit Rohöl fahren kann, und dass ein E-Motor auch 5- 10% Verlust hat lassen wir mal weg.
Merken Sie was? Rein marktwirtschaftlich gewinnt der Tesla, BMW i3 ...

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