Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.05.2014

09:06 Uhr

Hyundai i40 cw im Handelsblatt-Test

Eine schöne Alternative für den Alltag

VonFrank G. Heide

Man(n) muss nicht traurig sein, wenn man keinen Passat-Dienstwagen bekommen hat. Solange es ein Hyundai i40 geworden ist. Der Korea-Kombi punktet bei Design und Ausstattung. Doch Motor und Fahrwerk lassen Wünsche offen.

Der macht eine gute Figur: "cw" nennt Hyundai die Kombiversion des Mittelklassemodells i40. Der Basispreis liegt deutlich unter 30.000 Euro, mit all den Extras des Testwagens ist der Koreaner aber kein Schnäppchen. Sebastian Schaal

Der macht eine gute Figur: "cw" nennt Hyundai die Kombiversion des Mittelklassemodells i40. Der Basispreis liegt deutlich unter 30.000 Euro, mit all den Extras des Testwagens ist der Koreaner aber kein Schnäppchen.

DüsseldorfSchlechte Nachricht von Hyundai: „Sie dürfen mit Ihrem Testfahrzeug nicht auf die Rennstrecke“, heißt es, man bekommt das schriftlich. Die gute Nachricht: Man möchte das gar nicht. Der Wagen ist ein 4,77 Meter langer Kombi mit genügsamem 1,7-Liter Turbodiesel, vollgepackt mit Komfort-Extras. Wer würde damit rasen?

Härter getroffen hätte mich ein Besuchsverbot im örtlichen Bau-, Super- oder Getränkemarkt, wo der Hyundai i40 cw stets eine gute Figur macht. Das moderne, sehr eigenständige europäische Design des Koreaners spricht offenbar auch Fahrer von Konkurrenzmodellen namens Variant, Sports Tourer, und Turnier an, wie mir deren häufige und stets aufmerksame Seitenblicke verraten.

Zwar sorgt der mindestens 25.540 Euro teure Wagen mit seinen 1.719 Liter Ladevolumen nicht für Menschenaufläufe wegen seiner Optik. Aber er hebt sich doch deutlich aus der Masse der nützlichen Lademeister ab. Sein Design kommt mir so knusperfrisch vor wie die morgendlichen Brötchen vom Bäcker, obwohl er nun schon seit drei Jahren auf dem deutschen Markt unterwegs ist.

Was im Hyundai-Sprech Fluidic-Sculpture-Design heißt, meint: Die Silhouette ist nicht nur einfach langgestreckt, sie bekommt eine besondere Dynamik durch zwei auffällig ausgeprägte Sicken, die sich von der A- bis zur C-Säule erstrecken. Die obere steigt steiler an als das schmaler werdende Fensterband und geht sogar in die Heckleuchten über. Das Dach neigt sich zum Heck deutlich ab und mündet in einen schönen, weil nicht zu aufdringlichen Spoiler.

Die wichtigsten Fragen

Alltagstauglich?

Definitiv. Gutes Raumangebot auf allen Plätzen, viel Zuladungskapazität, sparsam im Verbrauch.

Das schönste Detail?

Die Seitenansicht. Modern und dynamisch, obwohl schon von 2011.

Enttäuschend?

Die Drehmomentschwäche des 136-PS-Diesel.

Ist er's wert?

Für den Basispreis mit der umfangreichen Serienausstattung: Ja. Nimmt man teure Extras dazu, wie sie im Testwagen verbaut waren, ist der i40 cw aber kein Schnäppchen mehr. Leider verliert er auch recht stark an (Rest)Wert – siehe Tabelle am Artikelende.

Sound?

Glänzt durch Abwesenheit. Der Diesel nagelt nur kalt ein bisschen. Im Alltag glänzt der Kombi durch gute Geräuschdämpfung.

Wie grün ist das Auto?

Das kommt auf die Motorisierung an, die man kauft, und da gibt es reichlich Auswahl. Im Normverbrauch kommt der mindestens 1,5 Tonnen schwere 1.7 CRDi Commonrail-Turbodiesel auf 4,7 Liter. In der Praxis werden es je nach Fahrweise zwischen 5,7 und 6,5 Liter. Das ist sparsam.

Vorbildlich?

Die umfangreiche Serienausstattung und die Fünf-Jahres-Garantie.

Was sagt der Nachbar?

„Den hatte ich mal als Leihwagen. Das ist ein Guter.“

Wer guckt?

Kombifahrer aller Marken. BMW, Audi und Mercedes natürlich ausgenommen.

Wie fährt er sich?

Am liebsten entspannt, Eile mit Weile ist sein Motto. Übersicht beim rückwärts einparken ist nicht seine Stärke. Der Innenraum versöhnt den Vielfahrer, der keinen Passat abbekommen hat.

Wo gehört er hin?

Auf der Autobahn ist er nicht der Schnellste, aber einer der Genügsamen. Auf dem Ikea-Parkplatz punktet er nicht nur mit viel Ladefläche sondern macht eine wirklich gute Figur.

Auffällig außerdem für einen Kombi: Wie besonders flach und stämmig das ganze Fahrzeug auf den Breitreifen sitzt, das wirkt schon im Stand richtig sportlich. Beim metallicblauen Testwagen werten ein riesiges, schwarzes Panorama-Glas-Schiebedach und die sehr dunkel getönte Privacy-Verglasung die dynamische Optik weiter auf.

Wer diesen Kombi zum ersten Mal bewusst im Detail betrachtet, wird wohl um ein leise erstauntes „Wow!“ nicht herumkommen, das als Lob natürlich Peter Schreyer gebührt, dem Deutschen, der das Design der koreanischen Marken Hyundai und Kia verantwortet, und nach eigenen Worten „Autos für die ganze Welt entwirft“.

Die erfreulichen Anblicke setzen sich innen fort: Frontpassagiere empfängt eine weit ausladende Armaturenbrettlandschaft mit enormer Bautiefe. Sie lässt die nach vorn abfallende Motorhaube ganz aus dem Blick des Fahrers verschwinden, der erste Eindruck ist: großzügige Geräumigkeit. Das Lenkrad scheint auffallend tief zu sitzen, aber Sitzposition und Verstellmöglichkeiten sind stimmig.

Den guten Eindruck unterstützen wertige Materialien, viel sauber verarbeitetes, schwarzes Leder und angenehme Softtouch-Kunsttoffe. Dazu kommt eine sehr umfassende Serienausstattung, mit der die Importmarke schon seit vielen Jahren ebenso erfolgreich wirbt, wie mit ihrer 5-Jahres-Garantie.

Die Botschaft ist klar: Wer Vergleichbares bei einem deutschen Hersteller erwerben möchte, wird enorme Aufschläge auf den Basispreis hinnehmen müssen. So finden sich im Hyundai-Kombi beispielsweise dreistufig regulierbare Sitzkühlungen als Ergänzung der Popoheizung für die Vordersitze. Das bieten sogar viele andere in der Oberklasse nicht an.

Im Stand wäre somit geklärt: Das Fahrzeug braucht sich hinter der wirklich starken Konkurrenz auf keinen Fall zu verstecken, dieser „Laster“ mit reichlich Raum auf allen fünf Plätzen bietet Lifestyle auch ohne Premium-Aufschlag. Und der in 2012 und 2013 in seiner Klasse zum Firmenauto des Jahres gewählte Wagen eilt vielen Wettbewerbern optisch weit voraus.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

30.05.2014, 09:11 Uhr

Ich habe mal für unseren Mercedes-Club exakt dieses Auto mit einem 230TE von 1982 verglichen - weil die beiden von den Leistungsdaten und den Ausmaßen bis auf den Zentimeter identisch sind. Kriterien waren Wartungsfreundlichkeit, Ladevolumen, Übersichtlichkeit. Bis auf den Verbrauch (10 Liter Benzin zu ca. 7 Liter Diesel) war der 230TE in allen Punkten besser, obwohl ich auch noch damals teure Sonderausstattungen wie ABS dazugerechnet habe. Gar nicht einrechnen darf man Ersatzteilpreise oder Reifen - da würde der Hyundai noch mehr ins Hintertreffen geraten.
Angesichts dessen muß man sich fragen, wo über 30 Jahre (!) automobiler "Fortschritt" geblieben sind. Wer sich dafür interessiert, kann an den VfW123 schreiben...
Wenn die Tester des Handelsblatts was wären, würden sie diesen Test mal nachstellen - ohne die bei mir sicherlich gefärbte Alt-Benz-Brille. Ich wäre gespannt, was dabei rauskäme.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×