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05.09.2011

10:43 Uhr

IAA-Vorschau

Die SUV-Welle ist nicht zu stoppen

Quelle:mid

Seit Jahren verkaufen sich die Geländewagen für die Großstadt wie geschnitten Brot - und die Automobilhersteller bringen immer mehr Modelle auf den Markt. Die Frankfurter Autoshow zeigt die neuesten Trends.

Wie der Nachfolger der Off-Road Ikone Defender aussehen könnte, zeigt Land Rover mit dem DC 100, der von Tata in Indien gebaut wird.

Wie der Nachfolger der Off-Road Ikone Defender aussehen könnte, zeigt Land Rover mit dem DC 100, der von Tata in Indien gebaut wird.

Frankfurt/DüsseldorfInsbesondere die Sport-Utility-Vehicle (kurz: SUV) liegen auf der IAA 2011 (15. bis 25. September) voll im Trend. Weltweit gibt es derzeit kein anderes Segment, was derart nachhaltig wächst. Längst kann man schon von keinem Trend mehr sprechen – zu viele Jahre drücken die zunehmend urbaner werdenden Geländewagen der Automobilindustrie ihren Stempel auf. Kaum ein Autohersteller kann es sich noch erlauben, auf diese Fahrzeugklasse zu verzichten. Starteten Hersteller und Importeure Ender der Neunzigerjahre in den oberen Klassen noch zaghaft mit einem einzigen Modell, so bieten Premiumfirmen wie Audi oder BMW mittlerweile ebenso mehrere Modellreihen mit Geländegenen an, wie Volumenhersteller wie Renault-Nissan oder Mitsubishi.

Selbst Porsche, weltweit führende Sportwagenmarke, hat ihr finanzielles Seelenheil nicht zuletzt der Erfindung des Luxus-SUV namens Cayenne zu verdanken. Der entsteht seit Jahren auf einer Linie mit den Schwestermodellen Audi Q7 und VW Touareg. Die Verkäufe laufen bestens – die Wartezeiten sind gigantisch. In den Klassen darunter sieht es kaum anders aus. "Wir haben bei unserem Kia Sportage derzeit einen Bearbeitungsstand von 60.000 Fahrzeugen", erklärt Benny Oeyen, oberster Produktplaner von Kia, "die arbeiten wir erst einmal ab. Unsere Händler müssen lernen, mit solchen Wartezeiten umzugehen."

Kia Sportage Pressefoto

Kia Sportage

So wie bei Kia sieht es derzeit auch bei vielen anderen Firmen aus. BMW hat von den drei deutschen Premiumherstellern bei den Crossovern die Nase vorn. Mit BMW X3 und X1 sind gleich zwei Modelle unter den Besten der SUV-Zulassungsstatistik vertreten. Audi wird mit dem neuen Q3 bald aufholen, der dann den ebenfalls prächtig positionierten Q5 unterstützt. In den letzten beiden Jahren haben immer mehr Hersteller in der Mittelklasse ein SUV positioniert.

Über der Masse thronen

Familien, die früher überzeugt in einem Van oder Kombi unterwegs waren, entscheiden sich längst für einen Crossover. Die hohe Sitzposition, das gute Platzangebot und der (optionale) Allradantrieb sind dabei die am häufigsten genannten Kaufgründe. Ein weiterer, oft ungenannter, ist der Wunsch, sich von der breiten Masse abheben zu wollen. Kein Wunder, dass BMW die aktuellen Modelle X1, X3, X5 und X6 nicht genug sein lassen will und an einem besonders sportlichen BMW X4 werkelt. Das wäre Modell Nummer fünf – ohne Mini.

So ähnlich könnte ein BMW X4 aussehen, den die Münchener bereits planen. Pressefoto

So ähnlich könnte ein BMW X4 aussehen, den die Münchener bereits planen.

Doch sich von der Masse abzuheben, ist mit einem SUV in den letzten Jahren zunehmend schwerer geworden. Wer auf die Straße blickt, sieht mittlerweile SUV jeder Größe und fast jeder Marke. Wer sich hier in Szene setzen will, muss etwas mehr Gehirnschmalz verwenden oder sich in die gut unterrichteten Arme eines Autoverkäufers begeben. Denn insbesondere ein Fahrzeug wie der anfangs mit Kopfschütteln bedachte BMW X6 zeigt, dass es beim Kauf eines SUV längst nicht um Praktikabilität gehen muss. Der BMW X6 bietet weit weniger Nutzen als sein Bruder X5 – doch er ist mit seinem Coupédesign einfach anders. Das kommt an. Kein Wunder, dass Mini im nächsten Jahr eine zweitürige Version des Countryman nachlegt und auch bei Mercedes und Audi kräftig an einer Symbiose aus luxuriösem Crossover und Coupé getüftelt wird.

Mazda CX-7 Pressefoto

Mazda CX-7

Der deutsche Markt ist dabei ein Spiegelbild internationaler Trends. Weit über 50 SUV-Modelle gibt es hierzulande und das von fast jedem Hersteller. Der Marktanteil liegt in manchen Monaten um die 15 Prozent – Tendenz steigend. Daran haben auch Schadstoff- und Benzinkostendiskussionen nichts geändert. Wenn ein Sportwagenhersteller wie Porsche so erfolgreich den Cayenne verkaufen kann und bald einen kleineren Cajun nachlegt, dann sind sowieso alle Dämme gebrochen.

Selbst Maserati bringt auf Basis des Jeep Grand Cherokee bald ein luxuriöses SUV auf den Markt. Auch bei Bentley gibt es ähnliche Überlegungen und mit Fokus auf die Märkte in China, Indien, USA und Südamerika wären Hersteller wie Rolls-Royce oder Lamborghini abseits aller Realitäten, wenn ein SUV nicht auch hier Bestandteil von visionären Gedankenspielen wäre. Schließlich ist das Segment – egal in welcher Klasse – bekanntermaßen ertragreich. Die Kunden geben gerne ein paar Euro mehr für Motorisierung und Ausstattung aus.

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