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16.08.2012

07:48 Uhr

Infiniti FX 30d S

Der schönste Karpfen im Haifischbecken

VonFrank G. Heide

Dem FX von Infiniti steht seine große Schnauze nach einem Facelift so gut, dass er der bestaussehendste Crossover-SUV ist. Aber der Beau unter den dicken Brummern leistet sich im Test auch ein paar Schönheitsfehler.

Um den Verkaufserfolg ihres Bestsellers FX weiter zu forcieren, hat Infiniti sein SUV für das aktuelle Modelljahr aufgewertet. Die Luxusmarke von Nissan bietet den Wagen mit drei Motoren und in vier Ausstattungsvarianten ab 57.500 Euro an. Sebastian Schaal

Um den Verkaufserfolg ihres Bestsellers FX weiter zu forcieren, hat Infiniti sein SUV für das aktuelle Modelljahr aufgewertet. Die Luxusmarke von Nissan bietet den Wagen mit drei Motoren und in vier Ausstattungsvarianten ab 57.500 Euro an.

DüsseldorfBei Nissan, und der Nobeltochter des Konzerns namens Infiniti ist zurzeit viel los. Man baut ein aufregendes Kleinserien-Crossover mit Unterstützung von Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel, man wirbt bei Audi in den USA einen Top-Manager ab, um die schwächelnden Verkäufe in Europa anzukurbeln, man will demnächst die Submarke Datsun wieder zu beleben. Und man hat kürzlich das SUV Crossover, dass es für Europa endlich mit einem großen und durchzugsstarken Dieselmotor gibt, optisch gründlich überarbeitet.

Und mit genau dieser Mischung aus Coupe und SUV verhält es sich so wie früher bei einer Stereo-Kompaktanlage. Selbst die guten (wie die von Braun oder Loewe) stellten einen doch nie wirklich zufrieden. Denn es gab immer wieder Tests oder Freunde, die unbarmherzig bewiesen, dass es man mit wesentlich preiswerteren Einzelbausteinen besseren Klang oder mehr Leistung erzielten konnte.

Auch beim FX gilt das Kompaktanlagen-Prinzip. Einzelelemente des Fahrzeugmix stammen aus ganz verschiedenen Gattungen Aber wie gut passen sie zusammen und sind sauber aufeinander abgestimmt? Es war schließlich genug Zeit für Modellpflege, denn den FX gibt es schon seit 2003, und an seiner Form sowie den riesenhaften Abmessungen ist deutlich abzulesen, dass er für den amerikanischen Markt entwickelt wurde

Große Klappe, viel dahinter: Die bullige Schnauze des riesigen Crossover-SUV macht gewaltig Eindruck. Auch wenn mit die Nissan-Luxusmarke Infiniti erst wenige in Deutschland kennen. Sebastian Schaal

Große Klappe, viel dahinter: Die bullige Schnauze des riesigen Crossover-SUV macht gewaltig Eindruck. Auch wenn mit die Nissan-Luxusmarke Infiniti erst wenige in Deutschland kennen.

Seit 2009 wird das Modell, dass es zunächst nur mit großen V6- und V8-Benzinmotoren gab, auch in Europa angeboten. Seit 2010 ist ein 3,0-Liter V6-Diesel im Programm mit 238 PS (175 kw), 2012 schließlich folgte ein umfassender Facelift, der u.a. einen neuen Kühlergrill und geänderte Stoßstangen umfasste.

Zunächst ein Riesen-Lob an die Designer: Die neue Optik ist wirklich gut gelungen, das Auto ist wiedererkennbar, und der Look mit der langen Schnauze, den auffälligen Rundungen auf der Haube sowie dem coupeartig nach hinten abfallenden Dach sehr individuell.

Wirklich sparsam ist er nicht, der Dreiliter-V6-Diesel mit 238 PS. Aber sein Drehmoment bereitet viel Freude und macht das schwere Gerät auch auf der Autobahn richtig flott. Sebastian Schaal

Wirklich sparsam ist er nicht, der Dreiliter-V6-Diesel mit 238 PS. Aber sein Drehmoment bereitet viel Freude und macht das schwere Gerät auch auf der Autobahn richtig flott.

Klar, über Geschmack lässt sich streiten, und längst nicht jedem wird der Infiniti von außen gefallen. Für mich ist er aber mit Abstand der schönste und wirklich großen Dinos. Eben kein Kastenwagen, sondern mit schönen Rundungen an den richtigen Stellen. Und für das Ego des Fahrers ist er auch gut: Taucht die riesige Karpfen-Schnauze im Rückspiegel anderer Autos auf, so wurde während des 14tägigen Tests meist zügig die Überholspur freigegeben.

Der Innenraum glänzt mit guter Verarbeitung, und gelungenen Metall- und Holzeinlagen in edler Optik. Leider zeigt aber das riesige Armaturenbrett in der hell-beigen Ausführung etwas zu viel Kunststoffoptik. Es ist zwar weich anzufassen, aber in der Preisklasse über 60.000 Euro wäre mehr Leder(optik) wünschenswert.

Die wichtigsten (Fahr)erfahrungen mit dem Infiniti FX 30d

Aussehen

Volltreffer! Alle Nachbarn haben ihn bemerkt, als er den ersten Tag vor der Haustür stand. Ist ja auch unübersehbar groß, der FX. Aber eben auch besonders schön mit der langen Schnauze, dem großen Maul, der wunderbar fallenden Coupe-Dachlinie, den schwarz getönten hinteren Scheiben, dem sportlichen Doppelauspuff, der überflüssigen Dachreling – und den wahrhaft riesigen 21-Zoll-Rädern.

Innere Werte

Hell-beiges Leder spiegelt sich etwas zu stark in der Frontscheibe wider, schwarz wäre wohl erste Wahl. Tolle Sitze mit Heizung – und Kühlung! Gerade im Sommer fantastisch. Sehr wertige Metall-Knöpfe und Drücker. Am Armaturenbrett zu viel Kunststoff und zu wenig Leder.

Was sagt die Regierung?

Meine Frau meint, Sitzkühlung wäre überflüssig, das sei auch nicht gut für die Blase. Die Motorhaube findet sie zu hoch aufgeworfen und „bucklig“, das macht den Wagen vorne und in der Breite unübersichtlich. Automatischer Kofferraumdeckel, hohe Ladekante und vor allem das riesige Glas-Schiebedach kommen sehr gut an.

Bedienung

Kompaktes und griffiges Lenkrad mit allen wesentlichen Kontrollen. Beleuchtung am Gang-Wahlhebel zu schwach. Navi- und Multimediasystem ohne Fehl und Tadel. Nur einige Knöpfe, z.B. für Bordcomputer und Tageskilometerzähler, oben rechts hinterm Lenkrad und unten links vor dem Knie sind nicht so gut erreichbar.

Die ersten Kilometer

Schreck lass nach, die Verbrauchsanzeige. Der Wagen ist im Stadtverkehr ein echter Schluckspecht. Die hohe, SUV-typische Sitzposition ist toll, man hat sehr viel Übersicht. Nach einer kleinen Anfahrschwäche zeigt der FX sattes Drehmoment. Zuviel für die Stadt, jetzt schnell ab auf die Autobahn ...

Einparken

Das reine Vergnügen. Der Infiniti hat so viele Kameras bzw. Sensoren, dass das im Display aus den verschiedenen Winkeln zusammengesetzte Bild perfekt wirkt. Und es lässt sich damit zentimetergenau steuern. Da kommen nie Zweifel auf, ob es an einer bestimmten Ecke zu knapp wird. Vorbildlich!

Extras

Wenn das Radio spielt, kommt der Klang aus Bose-Lautsprechern. Und das ist nur das viertbeste Extra des FX. Das rund 3.500 Euro teure Multimediasystem wird noch geschlagen von den superben Sitzen, dem großen Glas-Hebeschiebedach und dem Surround-View-System mit 26 Kameras und Sensoren. Allerdings muss man auch zugeben, dass mache Konkurrenz-Modelle noch mehr Extras anbieten.

Was nervt?

Dass die Parkplätze zu eng und die Straßen zu schmal sind. Und dass die anderen immer so nah vor einem her fahren. Wer einmal im Infiniti sitzt und genügend Schwung hat, den nervt sonst nichts mehr. Außer vielleicht BMW X6-Fahrer. Die glauben ja, sie hätten schöne Autos.

Was sagt der Nachbar?

„Der kostet doch mindestens 70.000 Euro. Ist aber was für Angeber“, findet er, der einen sehr gepflegten 13 Jahre alten Renault Twingo steuert. Nach einer gemeinsamen Probefahrt will er aber gar nicht mehr ausssteigen. „Sind schon toll, die Sitze. Und auch die PS.“

Die letzten Kilometer

Am letzten Tag: Volltanken ist angesagt. 95,60 Euro, und der Tank war noch nicht mal ganz leer. Da fällt der Abschied nicht ganz so schwer. Im Stadtverkehr lag der Testverbrauch bei etwas über elf Litern, beim Mix aus 90% Autobahn und 10% Stadt waren es im günstigsten Fall 8,2 Liter Diesel auf 100 km.

Gut in der Hand liegt das überraschend kompakte Lenkrad, in das geschmackvolle und sinnvoll angeordnete Bedienelemente integriert wurden. Der Look aus hellem Leder und mattem Alu wirkt wertig. Auch die Bedienelemente in der Mittelkonsole sowie rund ums großformatige Navi und Multimediasystem sind alle gut zu erreichen.

Unterwegs auf Stadt- und Landstraßen zeigt sich der in Kooperation von Nissan und Renault entwickelte V6-Diesel agil, nachdem er eine kleine Automatik-typische Anfahrschwäche überwunden hat. Das Triebwerk ist ein bisschen brummig und scheint vom Geräusch her ein wenig unwillig hochzudrehen, dafür sind aber 550 Newtonmeter Drehmoment sehr überzeugend, wenn die 2.150 Kilo schwere Fuhre erst mal unterwegs ist. Zumal der gewaltige Schub vor allem bei sehr niedrigen Diesel-Drehzahlen abzurufen ist. Anders ausgedrückt: Beim Ampelstart genügt schon ein sachter Druck aufs Gaspedal, um auf den ersten Metern die Nase vorn zu haben.

Tolle Optik mit vielen hochwertigen Details und einer Flut von Extras. Der Infiniti zeigt auch innen, dass er in der Oberklasse der SUV mitfahren möchte. Sebastian Schaal

Tolle Optik mit vielen hochwertigen Details und einer Flut von Extras. Der Infiniti zeigt auch innen, dass er in der Oberklasse der SUV mitfahren möchte.

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