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22.11.2012

10:22 Uhr

Infiniti M35h im Handelsblatt-Autotest

Der große Unbekannte

VonSebastian Schaal

Audi, Mercedes und BMW haben in Deutschland den Markt für große Limousinen unter sich verteilt. Einer stößt dazwischen. Der Infiniti M35h will die deutsche Übermacht an ihrer Schwachstelle angreifen: dem Hybrid.

Vergangenheit und Zukunft. Der Hochofen in Dortmund-Hörde hat seine Zeit hinter sich, der Hybrid des M35h hat sie noch vor sich. Eines haben sie gemeinsam: Sie sind selten in Deutschland anzutreffen. Sebastian Schaal

Vergangenheit und Zukunft. Der Hochofen in Dortmund-Hörde hat seine Zeit hinter sich, der Hybrid des M35h hat sie noch vor sich. Eines haben sie gemeinsam: Sie sind selten in Deutschland anzutreffen.

Düsseldorf„Und, welches Auto testest du im Moment?“, fragt mich eine Freundin. „Einen Infiniti“, sage ich. Doch diese Antwort bringt offensichtlich mehr Verwirrung als Klarheit: „Aha, und von welcher Marke ist der?“

Dieser kurze Dialog bringt die Lage von Infiniti auf den Punkt. Hätte ich mit „Ich fahre einen M35h“ geantwortet, ihre Reaktion wäre wohl kaum anders gewesen. „Ich fahre einen 5er BMW“ versteht hingegen jeder.

Das Problem als großer Unbekannter unter den Chef-Limousinen der oberen Mittelklasse lässt sich einfach mit Zahlen belegen. Laut Kraftfahrtbundesamt entfielen im vergangenen Jahr 95,1 Prozent der Neuzulassungen in diesem Segment auf Audi A6, BMW 5er und die Mercedes E-Klasse. In dem kleinen Rest des Marktes kämpfen Modelle wie der Škoda Superb, Volvo S80, Lancia Thema und Lexus GS um die Gunst der Kunden. Und eben Infiniti mit der M-Baureihe.

Dabei setzt der japanische Nobel-Ableger von Nissan wie bereits Lexus auf den Hybridantrieb. Doch nicht ausschließlich: Infiniti bietet auf den europäischen Märkten in einigen Modellen auch einen V6-Diesel an, wie zum Beispiel in dem SUV FX.

Die entscheidenden Fragen und Antworten zum Infiniti M35h

Alltagstauglich?

Jein. Der Kofferraum ist für ein Auto dieser Größe zu klein, das Auto für die Stadt zu groß. Wer aber viel auf der Langstrecke fährt, wird den Infiniti lieben.

Das schönste Detail?

Jeder, der in den Testwagen eingestiegen ist, hat sofort die Uhr gesehen. In einem so voll digitalisierten Auto ist eine klassische Analoguhr ein echter Hingucker – zumal sie wirklich gut aussieht.

Enttäuschend?

Der Kofferraum. Hinter den Rücksitzen stehen aufrecht die Hybrid-Batterien. Die kosten nicht nur richtig Stauraum, wegen ihnen können auch die Rücksitze nicht umgeklappt werden. Fünf Meter Außenlänge hin oder her, der Infiniti scheitert bereits an kleinem, aber langem Gepäck. Das Problem haben der reine Benziner oder der Diesel nicht.

Ist er's wert?

Die Hybrid-Limousine von Infiniti gibt es ab 55.490 Euro. In der Premium-Ausstattung mit Metallic-Lackierung kostet der M35h 62.540 Euro – teurer kann er auch nicht werden. Zu diesem Preis fängt ein vergleichbar motorisierter BMW ActiveHybrid5 gerade erst an. Bis dieser auf einem ähnlichen Ausstattungsniveau wie der Infiniti ist, gehen locker weitere 20.000 Euro nach München. Das ist der Premium-Aufschlag, der für das gewisse Etwas einer deutschen Nobelkarosse gezahlt werden muss. Wer darauf verzichten kann, bekommt mit dem Infiniti ähnliche Fahrleistungen zum günstigen Preis.

Sound?

Der Sechszylinder hat bei Vollgas einen satten Klang, bei niedrigeren Drehzahlen ist er angenehm zurückhaltend. Und es stört keineswegs, wenn der Benziner auf der Autobahn bei 120 km/h plötzlich ausgeht. Die Stille – und auch die fehlenden Vibrationen des V6 – unterstreichen den entspannten Charakter.

Wie grün ist das Auto?

Wohl grüner als jede andere Luxuslimousine mit einem Benziner in dieser Leistungsklasse. Das rein elektrische Fahren in der Stadt überzeugt, könnte aber auf etwas längeren Strecken möglich sein. In der Summe dürfte ein moderner Diesel grüner sein, weil auch die elektrische Energie der Batterie anderswo vom Benzinmotor abgezweigt wird – und damit nicht CO2-neutral ist.

Vorbildlich?

Der Blick in die Aufpreisliste. Neben der üppigen Basisausstattung gibt es ein Premium-Paket und eine Metallic-Lackierung als Option. Das schränkt zwar die Individualisierungsmöglichkeiten der Kunden ein, senkt aber effektiv die Produktionskosten.

Was sagt der Nachbar?

Ist positiv angetan vom frischen Design, das den Infiniti von der deutschen Konkurrenz abhebt. Die Sitzprobe überzeugt ihn aber nicht ganz, da habe er von mir "schon Autos mit besseren Innenräumen erlebt". Sein Urteil: Gut, aber nicht gut genug, um den Deutschen Audi, Mercedes und BMW abzugewöhnen.

Wer guckt?

In Düsseldorf so einige, bei einer Fahrt durch das von Daimler und Porsche geprägte Remstal in Baden-Württemberg kaum einer. Wobei in Düsseldorf auch eher die von Infiniti angepeilte Zielgruppe zu Hause sein dürfte als im Schwabenland.

Wie fährt er sich?

Dem M35h fehlt ein auf Knopfdruck einstellbares Fahrwerk. Seine Stärke ist ganz klar der Komfort, wegen seiner sportlichen Ambitionen sind die Dämpfer aber stellenweise zu hart. Diesen Kompromiss umgeht ein "Fahrerlebnisschalter" à la BMW oder "drive select" von Audi. So bleibt die Abstimmung "amerikanisch": Schnell und komfortabel geradeaus, in Kurven ein Graus.

Wo gehört er hin?

Auf's Land und auf die Autobahn, allerhöchstens in den Speckgürtel einer Großstadt. Mit seinen annähernd fünf Metern macht der M35h in der Stadt keinen Spaß mehr.

Doch zurück zu unserem Testwagen. Bereits beim Design will sich der M mit seiner tief heruntergezogenen Frontpartie, dem großen Kühlergrill und üppig ausgestellten Radkästen von der Konkurrenz abheben. Die schwungvolle Linienführung kann aber auch nicht kaschieren, dass hier eine Limousine mit 4,94 Metern länge und zwei Metern Breite vor uns steht. Glauben Sie mir, die Parkplatzsuche macht damit keinen Spaß.

Nur an den orangefarbenen Kabeln wird klar, dass es sich um einen Hybrid handelt. Matthis Dierkes

Nur an den orangefarbenen Kabeln wird klar, dass es sich um einen Hybrid handelt.

Kommentare (6)

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aruba

22.11.2012, 11:49 Uhr

Guten Tag,... Infiniti hat ein Cabrio hier im Casino zur Schau gestellt. Ein sehr schoenes Auto mit 320 Ps. Ich habe mich aber fuer den SL entschieden,... nicht weil er besser oder prestigetraechtiger sei... Nein... versuchen Sie mal den Infiniti in einigen Jahren zu verkaufen. Auch Lexus ist Mercedes ebenbuertig. Gleichwohl das Problem bleibt das selbe. Besten Dank

Bengel01

22.11.2012, 12:07 Uhr

Armseliges Design, Qualität nicht ansatzweise Premium, japanischer Schrott eben. Braucht hierzulande kein Mensch...

Plagiarism

22.11.2012, 12:41 Uhr

Vergleiche ich immer mit Uhren:

eine Schweizer Armbanduhr zeigt die Zeit auch nicht genauer an als eine Japanische, aber immer wesentlich eleganter.

Ein Rolls-Royce ist technisch auch nicht besser als ein 7er BMW - aber es ist ein Rolls-Royce - vom Imagefaktor her für BMW unerreichbar.

Stil, Image und Prestige, das sind die Dinge, die hat man oder eben nicht.

Entweder man hat Schlag bei den Frauen oder eben nicht. Da kann Mann auch machen, was er will.

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