Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.05.2014

10:21 Uhr

Infiniti Q50 im Handelsblatt Autotest

Was wollt ihr denn noch?

VonLukas Bay

Mit dem Q50 hat die Nissan-Nobeltochter Infiniti einen extravaganten Konkurrenten für BMW, Audi und Mercedes auf den Markt gebracht. Warum wird der von den Deutschen eigentlich so konsequent ignoriert?

Der Q50 ist in der Premiumklasse ein echtes Schnäppchen. Sebastian Schaal

Der Q50 ist in der Premiumklasse ein echtes Schnäppchen.

DüsseldorfWürde man in einer deutschen Fußgängerzone per Zufall Passanten auswählen und sie fragen, woran sie beim Wort „Infiniti“ denken, würde wohl mehr die Mehrheit an ein Deo oder Eis am Stiel denken. Obwohl der deutsche Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel seit Jahren mit einem Infiniti-Logo auf dem Rennwagen seine Runden dreht, erreicht die Nobelmarke von Nissan hierzulande immer noch Bekanntheitswerte wie der vorletzte Gewinner von „Deutschland sucht den Superstar“.

Mit dem Q50 haben die Japaner nun ein Mittelklassemodell aufgelegt, das mit einem Einstiegspreis von 34.490 Euro dem 3er von BMW und der C-Klasse von Mercedes Konkurrenz machen soll. Der Preis des Testwagens, in dem die meisten verfügbaren Extras verbaut sind, klingt mit 50.570 Euro zwar zunächst selbstbewusst – ist im Vergleich mit vollausgestatteten deutschen Premiummodellen aber noch günstig.  

Äußerlich wirkt die Linienführung der Limousine extravagant. Ich muss auf den ersten Blick unweigerlich an eine Kreuzung aus BMW und Lexus denken. Er ist kein kleines Auto, sondern mit 4,79 Meter etwa 17 Zentimeter länger als ein 3er BMW.

Wichtige Fragen und Antworten

Alltagstauglich?

Auf jeden Fall. Der Infiniti ist sparsam, komfortabel und nicht allzu klein. Vielleicht taugt er nicht zur Familienkutsche, doch für Vertreter und andere Langstreckenfahrer ist er eine gelungene Alternative, mit etwas exotischem Status.

Das schönste Detail?

Andere Autotests bemängeln die zwei Touchscreens in der Mittelkonsole. Doch im Alltag ist das durchaus sinnvoll und praktisch. Wären da nur nicht die vielen Fingerabdrücke.

Enttäuschend?

Die Start-Stopp-Automatik. Sie präsentiert sich wählerisch, bzw. scheint willkürlich zu agieren. Oft schaltete der Motor an der Ampel gar nicht ab. Tat er es doch, sprang er nicht immer gleich an, wenn es weitergehen sollte. Hier hat Infiniti Nachholbedarf.

Ist er's wert?

Ja. Der Einstiegspreis der getesteten Sport-Variante liegt bei 41.480 Euro. Mit allen Extras kommt der Testwagen auf 50.720 Euro. Klingt viel, ist im Vergleich mit der deutschen Premiumkonkurrenz aber vertretbar.

Sound?

Der Diesel spielt sich für ein so elegantes Auto ein wenig aufdringlich akustisch in den Vordergrund. Vor allem im Sport-Modus. Wer klug ist, schaltet auf den Sound der Bose-Anlage. Der ist hervorragend.

Wie grün ist das Auto?

Mit einem Durchschnitt von nur 6,0 Litern Diesel ist der Testverbrauch moderat. Ein Ökomobil ist der Infiniti nicht, aber auch kein Spritfresser.

Vorbildlich?

Die vollelektronische Lenkung. Steer by wire heißt, dass Sensoren die Bewegungen von Lenkrad und Rädern permanent messen, und kleine Elektromotoren Lenkbefehle umsetzen. Für den Fall der (Aus-)Fälle hat Infiniti die gute alte Lenkstange aber mit an Bord gelassen.

Was sagt der Nachbar?

„Was ist das denn für eine Marke?“

Wer guckt?

Eines muss man dem Infiniti lassen: er fällt auf. Prägendes Erlebnis im Test: 10 Minuten neben einem Taxistand warten. Danach hat man viele neue Bekannte gewonnen, die sich den Wagen mal aus der Nähe ansehen wollen.

Wie fährt er sich?

Unspektakulär, komfortabel. Der Q50 ist auch als "Sport" kein Sprinter, sondern ein Langstreckenprofi. Das macht er elegant und kompetent.

Wo gehört er hin?

In die Garage eines Vielfahrers mit Hang zur Exotik.

Und in den kleinen Details hebt sich der Infiniti ebenso dezent wie individuell von der automobilen Masse ab: Ovale Auspuffendrohre und die flach bauenden, etwas aggressiv dreinblickenden Scheinwerfer verleihen ihm diese gewisse Eleganz, die sich absolut mit der deutschen Premiumkonkurrenz messen kann. Das gilt insbesondere für die getestete „Sport“-Variante.

Im Inneren erwartet den Fahrer ein angenehmer Material-Mix aus gebürstetem Aluminium, Leder und Kunststoff mit Softtouch-Haptik. In puncto Lack gibt es eine extravagante Besonderheit: Während der Q50 im Autohaus noch in schlichtem Schwarz daherkommt, glänzt er im Sonnenschein auf der Straße mit einem dezenten metallic-violett Ton. Ganz klar: Ein echter Hingucker, aber erst auf den zweiten Blick.

Aber auch ein Blickfang mit Fragezeichen, weil die Marke von der Masse der Betrachter nicht sofort erkannt wird. Der erste Blick von Passanten fällt daher immer etwas fragend auf den Kühlergrill, an dem das Infiniti-Logo prangt.

Der 2,2-Liter-Dieselmotor, ein Reihenvierzylinder, den Infiniti von Mercedes geliefert bekommt, wirkt ein wenig brummig für ein so elegantes Auto, fällt aber nicht übermäßig unangenehm auf. Er ist, außer der Benzin-Hybrid-Variante mit 364 PS starkem V6, das einzige Aggregat, das man bestellen kann.

Die erste Ausfahrt auf der Autobahn liefert überzeugende Ergebnisse. Das satte Drehmoment von 400 Newtonmeter schiebt ganz dieseltypisch schon bei 1.600 Touren mit sanfter Gewalt an. Die volle Leistung von 170 Pferdestärken gibt es aber vom Triebwerk erst bei 3.750 Kurbelwellen-Umdrehungen.

Manuell lässt sich der Q50 leicht schalten und ohne Mühe auf eine Spitzengeschwindigkeit von 230 Stundenkilometern.

Bei der Lenkung hebt sich der Q50 sogar von der deutschen Konkurrenz ab, denn die funktioniert vollelektronisch. Steer by wire lautet das Stichwort auf neudeutsch. Statt die Lenkbewegungen großteils mechanisch bzw. hydraulisch weiterzugeben, wird die Bewegung des Lenkrads per Sensor an Elektromotoren übertragen, die wiederum die Räder bewegen.

Auch der Lenkwiderstand im Volant wird elektronisch simuliert. Wer seine individuelle Abstimmung finden will, kann zwischen 96 Einstellungsvarianten wählen – von weich bis sportlich. Sebastian Vettel lässt grüßen.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

15.05.2014, 14:02 Uhr

Zu Ihrer Frage „Warum wird der (Q50 von Infiniti) von den Deutschen eigentlich so konsequent ignoriert?“ hier ein paar Vorschläge für die Beantwortung:
1.) Herdentrieb (kennt keiner, ich also erstmal auch nicht). Außerdem lässt sich mit unbekannten Marken schlecht angeben.
2.) Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.
Was er nicht kennt, das kauft er nicht. Solange es sich nicht um etwas Noch-nie-Dagewesenes handelt, gilt: keine Experimente.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×