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28.05.2014

14:22 Uhr

Jaguar XFR-S im Fahrbericht

Die Katze lässt das Sausen nicht

VonPeter Maahn
Quelle:Spotpress

Zur AMI in Leipzig bringt Jaguar einen Kombi mit 550 PS, der 300 km/h schnell sein darf. Der XFR-S tritt gegen gleichstarke Fünftürer von Mercedes-AMG und Audi an, wird aber eine ebenso seltene Erscheinung bleiben.

Der XFR-S tritt gegen gleichstarke Fünftürer von Mercedes-AMG und Audi an, wird aber ebenso wie seine deutschen Rivalen eine seltene Erscheinung bleiben Jaguar

Der XFR-S tritt gegen gleichstarke Fünftürer von Mercedes-AMG und Audi an, wird aber ebenso wie seine deutschen Rivalen eine seltene Erscheinung bleiben

Jaguar und Kombi, das passte das lange Zeit nicht wirklich zusammen. Vor allem, seit die damals zu Ford gehörende Traditionsfirma vor einem guten Dutzend Jahren mit einer kastigen Version des X-Types ihre Fans verschreckt hatte. Der wurde auch deshalb zum Ladenhüter, weil er nicht anderes als ein verkleideter Ford Mondeo war.

Nach acht Jahren verschwand er aus den Schaufenstern. Der zweite Anlauf einer Last-Katze klappte vor zwei Jahren dann ungleich besser, der geräumige XF Sportbrake macht mittlerweile gut die Hälfte alle Verkäufe des Jaguar-Bestsellers aus. Er fand mancherorts sogar Platz auf den reservierten Parkplätzen von Dienstwagen und stellte sich dort keck neben ähnlich edle Kombis aus Süddeutschland.

Bei der Spitzenversion des fast fünf Meter langen Fünftürers, die nächste Woche auf der Leipziger AMI ihre Premiere erlebt, werden die Fuhrparkmanager wohl zusammenzucken. Schon die Eckwerte des XFR-S klingen ebenso aufregend wie beängstigend: Fünfliter-Achtzylinder mit Kompressor, 405 kW/550 PS, 4,8 Sekunden auf Tempo 100, glatte 300 km/h Spitze,  680 Newtonmeter und das alles für 110.450 Euro. Ein Auto, das die Welt zwar nicht wirklich braucht, das aber vielleicht die Herzen von waghalsigen Freiberuflern mit prallem Bankkonto höher schlagen lässt.

Der Gepard unter den Jaguars ist die englische Antwort auf zwei deutsche Kraft-Kombis: den 557 PS starken E 63 AMG von Mercedes und den nochmal drei PS potenteren Audi RS 6 Avant. Wenn es um Unvernunft und zur Schau getragenen Überfluss geht, steht Jaguar also nicht alleine da. Im Gegensatz zu den Rivalen muss der Brite allerdings auf Allradantrieb verzichten.

Sein Grundpreis liegt bei 110.450 Euro. Jaguar

Sein Grundpreis liegt bei 110.450 Euro.

Schon die Formensprache des Schnell-Transporters offenbart, dass hier kein braver Familienkombi unterwegs ist. Die acht Zylinder werden durch gleich vier edel vergitterte Fronteinlässe mit der nötigen Atemluft versorgt, die dem XFR-S in ihrer Summe schon optisch den Vorrang auf der linken Spur der Autobahn sichern sollen.

Zwei weitere Öffnungen schmücken die langgestreckte Motorhaube. An den Flanken zieht sich ein U-förmiger, nach vorne offener Blechfalz von einem Radhaus zum anderen. Erkennungsmerkmale am Heck sind der Dachspoiler und der farblich abgesetzte sogenannte Diffusor, der für eine bessere Luftströmung unter dem Fahrzeugboden sorgen soll.

Das Herzstück ist natürlich der Kompressor-Motor, der schon in mehreren Jaguar-Modellen eingesetzt wird. Wobei es durchaus überrascht, dass Jaguar ihn nun auch im Kombi anbietet. Denn der Fünftürer der XF-Reihe wird nur in Europa offeriert und bisher auch nur mit Dieseltriebwerken. Kombi und Diesel – da bekommen sowohl die US-Amerikaner als auch die Chinesen das Grausen. Und gerade in diese beiden Länder verkauft Jaguar die meisten seiner Autos.

Die ersten Testkilometer auf dem Nürburgring und den kurvigen Straßen rundherum bestätigen den Verdacht, dass es Jaguar beim Projekt „Kombi im 300er-Club“ vor allem ums Prestige ging. Ein Auto mit dem Leistungsvermögen eines zweisitzigen Sportwagen, das einen fast zwei Meter langen Laderaum zu bieten hat, in den bis zu 1.675 Liter passen.

Das Herzstück ist natürlich der Kompressor-Motor, der schon in mehreren Jaguar-Modellen eingesetzt wird. Jaguar

Das Herzstück ist natürlich der Kompressor-Motor, der schon in mehreren Jaguar-Modellen eingesetzt wird.

Die Antwort auf eine Frage, die eigentlich niemand ernsthaft gestellt hat. Aber zugegeben: Gerade diese schräge Kombination hat ihren Reiz - das Brüllen der Zylinder im Sportmodus, das per Knopfdruck noch verstärkt werden kann, die blitzschnellen Gangwechsel der Achtgang-Automatik, die gewaltig zupackenden Bremsen, die für normale Zeitgenossen geradezu atemberaubende Beschleunigung. Das alles macht den XFR-S aus, wenn man mal die Nüchternheit in den Hinterkopf verbannt.

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