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21.06.2012

10:34 Uhr

Jeep Grand Cherokee Overland 3.0 CRD

Captain Ahab trifft Moby Jeep

VonFlorian Brückner

Der Jeep Grand Cherokee ist ein wahrer Riese unter den Geländewagen. Handelsblatt Online hat sich mit dem voluminösen SUV in die engen Kampfzonen der City gewagt - und dabei fast alles riskiert.

Vor rund 70 Jahren erfanden Jeep und Overland mit dem Willys den ersten Jeep fürs US-Militär. Von diesen Wurzeln hat man sich inzwischen weit entfernt. Sebastian Schaal

Vor rund 70 Jahren erfanden Jeep und Overland mit dem Willys den ersten Jeep fürs US-Militär. Von diesen Wurzeln hat man sich inzwischen weit entfernt.

Düsseldorf/KölnTief empfundener Zorn und absolutes Unverständnis sind der jungen Frau ins Gesicht geschrieben. Ihr Blick wird streng, die feinen Gesichtszüge unter der blonden Haarsträhne verhärten sich. Entschlossen braust sie mit ihrem weinroten Damenfahrrad in letzter Minute über den Zebrastreifen - mit einem hektischen Piepsen, einer wild aufblinkenden Abstandswarnung des Bordcomputers und einem Ruck kommt der Jeep Grand Cherokee Overland 3.0 CRD  zum Stehen. Wieder einmal.

Nach einer Irrfahrt durch die Kölner Innenstadt steht fest: Auf junge, vorzugsweise Rad fahrende Frauen Mitte 20 hat der große weiße Jeep mit dem massiven Chromgrill den gleichen Effekt, als wenn Captain Ahab den Riesenwal Moby Dick am Horizont sichten würde. Frei nach Hermann Melville: “Wal, da bläst er!” gibt es angesichts des voluminösen SUVs kein Halten mehr. Ein großer Geländewagen in der Stadt? Das geht offenbar gar nicht, böse Blicke sind garantiert.

Doch genauso wie in Melvilles Roman gilt: So viel Ärger hat “Moby Jeep”, also der Grand Cherokee eigentlich nicht verdient.

Gut: Hier, tief im Stadtviertel Deutz, eingekeilt zwischen Kinderwägen, Radfahrern und Lieferwagen ist sicherlich nicht der angestammte Lebensraum des Riesen-SUV. Wenn der Jeep mit seinen 2,3 Tonnen Leergewicht  auf seinen 20-Zoll-Felgen durch enge Einbahnstraßen rollt und der Fahrer am Lenkrad kurbelt, erinnert der Cherokee tatsächlich eher an einen Wal, der sich mühsam durch eine Lagune schleppt.

Notizen aus dem Fahrtenbuch

Erster Eintrag

Passt der Jeep Grand Cherokee in die Tiefgarage? Banger Blick zum Deckenhimmel. Am Ende geht alles gut. Aber viel Luft nach oben ist nicht mehr.

Zweiter Eintrag

Die Idee, dem Stau mit einem Querfeldeinfahrt über den Acker zu entkommen, ist immer wieder genauso charmant wie großartig.

Dritter Eintrag

Warum man sich bei einem so großen Auto an der Heckklappe überhaupt den Kopf stoßen kann, sorgt für Kopfschütteln. Die Klappe geht einfach nicht weit genug auf.

Vierter Eintrag

Die dicke Mittelarmlehne will man so schnell nicht mehr missen. Bequemes Händchenhalten beim Autofahren ist beim Jeep kein Problem.

Fünfter Eintrag

Kurzer Schreck nach dem Verlassen des Parkhauses: Haben wir alle Kinder mitgenommen?

Wobei sich im Cockpit dann auch noch eine unnötige Hektik breit macht, wenn die Abstandwarner an allen Ecken und Enden des Jeeps zu piepsen, fiepen und tröten beginnen. Da Jeep bei der Bemessung der Sicherheitsabstände für den Cherokee jedoch ausgesprochen großzügig war, ist der ganze elektronische Alarmismus genauso voreilig wie nervtötend - ganz besonders deshalb, weil der Bordcomputer leider nicht anzeigt, wie weit man denn nun vom Ziel tatsächlich entfernt ist. Doch wie gesagt, eigentlich ist die Sensorik überflüssig.

In den Innenstädten wird es immer enger, Parkraum wird knapper. Besonders große SUV wie der Jeep Grand Cherokee sind daher in der City nicht besonders beliebt. Um es mal freundlich auszudrücken. Sebastian Schaal

In den Innenstädten wird es immer enger, Parkraum wird knapper. Besonders große SUV wie der Jeep Grand Cherokee sind daher in der City nicht besonders beliebt. Um es mal freundlich auszudrücken.

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