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10.03.2006

10:15 Uhr

„Drilling“ auf Solopfaden von Toyota  dpa

Der Aygo teilt die Plattform mit Citroën C1 und Peugeot 107. (Bild: To./dpa/gms)

HB SAARBRÜCKEN. Beim Begriff „Plattformstrategie“ wird mancher Autofahrer eine schlichte Blechplatte vor dem geistigen Auge haben: Oben die Karosserie, unten die Räder. Tatsächlich verbirgt sich aber hinter dem Begriff Plattform im Autobau viel mehr.

Einige Stücke Bodenblech bilden zwar das Zentrum, doch damit ist erst der Anfang gemacht. „Früher hat es gegen die Plattformstrategie gelegentlich Vorbehalte gegeben“, erinnert sich Gert Schleichert vom Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart. Auslöser dafür waren Beispiele wie die Vans VW Sharan und Ford Galaxy, die sich nur durch Details und das Markenemblem unterschieden. Neu war das nicht - schon in den siebziger Jahren rollten die erste Generation des VW Polo und der Audi 50 nahezu identisch von den Bändern.

Tatsächlich verfolgen die Hersteller mit der Plattformstrategie nicht das Ziel, identische Autos unter mehreren Marken feilzubieten. Vielmehr ist den Fahrzeugen ihr oft gleiches Inneres kaum anzusehen. „Die Plattform ist eine technische Basis, an der unterschiedliche Anbauteile montiert werden können“, sagt Helmut Klein vom Adac-Technikzentrum in Landsberg (Bayern). So kann es sein, dass auf einer Plattform Fahrzeuge mit verschiedenen Radständen entstehen.

Bei einer Plattform kann es aber keine unendlichen Freiheiten geben: „Es muss zum Beispiel vorab geklärt sein, welche Motoren verwendet werden sollen, ob sie längs oder quer eingebaut werden“, sagt Klein. Auch welche Fahrwerksvarianten möglich sein sollen, muss feststehen. Was dann darüber entsteht, kann unterschiedlich sein.

Vor allem komme es darauf an, möglichst viele Teile zwischen einzelnen Modellen zu teilen, sagt Gordian Heindrichs, Sprecher von Peugeot in Saarbrücken. Dazu zählen dann eben auch Motoren und Getriebe, Fahrwerkskomponenten oder Kabelbäume. Gert Schleichert listet noch mehr auf, was zu einer Plattform gehören kann: Lenkung, Fußhebelwerk, Benzintank, Abgasanlage, Sitzgestelle und Bremsanlage.

„Bei Fahrzeugen auf einer Plattform kommen wir auf einen Anteil von etwa 60 Prozent an Gleichteilen“, erklärt Heindrichs. Davon wird der Kunde allerdings kaum etwas merken. Als Beispiel für verschiedene Erscheinungsbilder nennt Heindrichs die auf einer Plattform im französischen PSA-Konzern basierenden Modelle Peugeot 307 und Citroën C4, die zu mehr als 60 Prozent aus gleichen Teilen bestehen.

Mittlerweile wird das Plattformprinzip auch konzernübergreifend genutzt. „Ein sehr gutes Beispiel dafür sind der C1 von Citroën, der Peugeot 107 und der Toyota Aygo“, sagt Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics in Limburg. Die Konzerne PSA und Toyota haben hier eine gemeinsame Kleinwagen-Plattform entwickelt, die trotzdem individuelle Erscheinungsbilder der Einzelmarken zulässt.

Dass die Plattformstrategie nicht mit Gleichmacherei einher geht, zeigt sich oft auch in Details. So entstehen Peugeot 407 und Citroën C5 zwar auf einer Plattform, sie bekommen aber andere Fahrwerksteile. „Ein Peugeot fährt sich traditionell straffer als ein Citroën“, so Gordian Heindrichs. „Die individuelle Ausprägung einer Marke muss erlaubt sein.“ Dem Kunden ist es laut Margetts meist ohnehin eher egal, ob sein Auto sich Komponenten mit anderen Modellen teilt - so lange es nicht so sichtbar ist, dass er ständig daran erinnert wird.

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