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21.02.2013

09:41 Uhr

Kia Cee’d im Handelsblatt-Test

Mit bösem Blick auf Golf-Jagd

VonAlexander Möthe

Der Golf bekommt mal wieder Konkurrenz. Kia greift mit dem Cee’d an und der Koreaner weiß nicht nur mit seinem Äußeren zu glänzen. Punkten will er auch mit einer deutschen Tugend – Zuverlässigkeit.

Der Kia mit dem bösen Blick: Cee'd und Testwagenfahrer Alexander Möthe sehen gefährlicher aus, als sie sind. Sebastian Schaal

Der Kia mit dem bösen Blick: Cee'd und Testwagenfahrer Alexander Möthe sehen gefährlicher aus, als sie sind.

DüsseldorfWer dem deutschen Massengeschmack entkommen möchte, muss sich in puncto Auto eine wichtige Frage stellen: Warum keinen Golf kaufen, wenn man doch eigentlich einen haben will? In Korea hat sich Kia ernsthafte Gedanken über diese schwierige Aufgabe gemacht. Und eine ernstzunehmende Antwort geliefert - den Cee’d.

Der startet als Fünftürer derzeit ab 12.999 Euro, beim Golf geht es ab 16.975 Euro los. Von der Differenz kann eine ganze Familie einen Jahresurlaub bestreiten. Auch der Knackpunkt Qualität wird beim Cee’d offensiv angegangen: sieben Jahre Garantie und fünf Jahre Wartung bei Neukauf, an den Wagen gebunden, nicht den Käufer. Das lässt auch für den Wiederverkaufswert das Beste hoffen.

Bei beiden Modellen ist dann natürlich noch nicht die ganze Bandbreite an Extras ausgereizt, aber Kia setzt ohnehin auf die bewährte Taktik der asiatischen Autobauer, immer ein paar Sonderleistungen mehr ins Paket zu schnüren. Nach oben hin ist die Preisskala diesbezüglich in beiden Fällen deutlich flexibler. Aber der Preisvorsprung zieht sich bis in die Luxusausstattung. Und die hat Kia mit dem Cee’d 1,6 GDI Spirit dem Handelsblatt direkt auf den Hof gestellt. Neupreis: satte 21.290 Euro.

Beheizbare Außenspiegel, Sitzheizung, Einpark-Assistent, Parksensoren hinten und vorne, Rückfahrkamera,  Ledersitze, beheizbares Lederlenkrad, Tempomat mit Cruise Control, Navigationssystem, Hi-Fi-Anlage, elektrische Sitzeinstellung, LED-Tagfahrlicht, Bordcomputer, Touch-Display, digitale Anzeige - allein die Extras im Innenraum aufzuzählen dauert. Und das macht es zunächst schwer, das Auto hinter dem Bling-Bling zu sehen.

Der erste Eindruck: Hilfe. Was macht gerade welches Geräusch? Warum blinkt das? Und wird mein Beifahrer durchs Dach geschleudert, wenn dieser Knopf gedrückt wird? Wäre da nicht der verbissene Stolz des erfahrenen Fahrers, wäre der Griff zur Anleitung an dieser Stelle die beste Wahl. Stattdessen: einsteigen, Auto abwürgen, noch einmal probieren. Der Zustand der Überforderung legt sich erst nach etwa zwei Stunden Fahrzeit und unzähligen Try-And-Error-Episoden.

Die entscheidenden Fragen und Antworten zum Testwagen

Alltagstauglich?

Wenn nicht er, wer dann? Eines dieser perfekten Stadtautos ohne besondere Eigenschaften. Jeder kann ihn fahren, jeder. Und die meisten dürften auch noch ein gutes Gefühl dabei haben. Für Familien bis drei Personen auch auf Reisen ein treuer Begleiter.

Das schönste Detail?

Der automatisch abblendende Rückspiegel. Das ist nicht so sexy wie der Blick, so geschmeidig wie die Sitze, so ulkig wie das Gefühl, mit dem Sitz in Position gebracht zu werden. Aber nützlich und zwar ungemein. Blendet es von hinten, ermattet der Spiegel, ohne die Sicht nach hinten einzuschränken. Ja, ich will.

Enttäuschend?

Der Verbrauch. Gut, die Spitzenmotorisierung ist auch eigentlich unnötig. Aber es steht „Eco“ hinten drauf und das zu erreichen ist ein hartes Stück Arbeit. Selbst die stattlichen 6,1 Litern im kombinierten Verbrauch werden kaum erreicht. Sonst sind die schlimmsten Eigenschaften zumindest „erwartbar“ und damit nicht wirklich schlimm.

Ist er`s wert?

Das Spitzenmodell mit Luxusausstattung? Lässt sich nicht pauschal beantworten, muss jeder für sich selbst wissen. Aber von der grundsätzlichen Verarbeitung, den Fahreigenschaften und den sieben Jahren Garantie – auf jeden Fall.

Sound?

Serienauspuff, 130 PS – wenn man ihn hört, will man das nicht. Wird im Innenraum auf der Bahn etwas dröhnender, als erwartet. Ansonsten tut der Kia alles, akustisch unter dem Radar zu bleiben.

Wie grün ist das Auto?

Laut Papieren ziemlich, zumindest mit den kleineren Motoren. Der 1,4 Liter Diesel soll einen kombinierten Verbrauch von 4,3 Litern erreichen, die CO2-Emissionen lägen dann bei 114 g/km. Geht besser, geht schlechter.

Vorbildlich?

In der Tat! Gut, der Cee'd ist ein Konsensauto durch und durch. Er will ein wenig Sportler sein, ganz viel Familienauto, hat seine Stärken in der Stadt, aber auch außerorts, ist nicht zu groß und nicht zu klein. Er fährt sich entspannt und mackenlos und lässt sich bis zum Exitus aufrüsten. Wer Golf-Jäger sein will, kann sich daran ein Beispiel nehmen.

Was sagt der Nachbar?

Steht beim Rauchen vor seinem kleinen Laden. „Wat kann der?“, fragt er und bleibt mit dem Blick an den Kurven kleben. Ich erkläre es ihm, aber er fährt ohnehin T5. Die Mitfahrer mochten ihn größtenteils.

Wer guckt?

Solange man den Cee'd nicht gerade auf einem Parkplatz für das Fotoshooting durch den Schnee jagt, eigentlich nur, wer auch einem Seat oder VW hinterher gucken würde.

Wie fährt er sich?

Gut. Solide. Angenehm. In der Stadt zügig und kontrolliert, ohne das Gefühl, ein Monster zähmen zu müssen. Auf dem Land und der Bahn mit genügend Reserven, um nicht als Verkehrshindernis aufzufallen. Und immer zuverlässig. Immer.

Wo gehört er hin?

Da, wo der Golf hingehört, aber es eben kein Golf sein soll. Die Kombination aus niedrigem Anschaffungspreis und langer Garantiezeit spricht für junge Paare und Familien. Stadt, Land, Fluss – geht alles.

Ohne an dieser Stelle weiter groß auf Details einzugehen: Der Cee’d ist nicht intuitiv, aber belohnt für die Arbeit, die in ihn investiert wird. Er macht aber auch klar: ohne meine Zustimmung läuft hier nichts. Bestes Beispiel ist die Tatsache, dass die elektrische Handbremse sich nur lösen lässt, wenn der Fahrer den Gurt angelegt hat. Die vorhandenen Fahrassistenten sind zahlreich, lassen sich aber größtenteils über das Menu abschalten. Sie alle haben aber das Potenzial, einen an den Rand des Wahnsinns zu treiben.

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