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12.06.2014

08:36 Uhr

Kia pro_cee´d GT im Test

Sports-Kanönchen mit hübscher Tiger-Nase

VonFrank G. Heide

Wer hätte das gedacht? Kia, die sachliche und preisbewusste Hyundai-Tochter wird plötzlich emotional, grell geschminkt und ein bisschen laut. Ist es die Pubertät? Den Jungs gefällt es jedenfalls.

Das ist sie, die fürs Kia-Design so typische kleine Tigernase. Beim GT ist sie hübsch in Chrom gerahmt und schwarz glanzlackiert. Sieht gut aus. Sebastian Schaal

Das ist sie, die fürs Kia-Design so typische kleine Tigernase. Beim GT ist sie hübsch in Chrom gerahmt und schwarz glanzlackiert. Sieht gut aus.

DüsseldorfWow, dieses Auto hat das Kia-Team um den ehemaligen VW-Designer Peter Schreyer aber wirklich gut hinbekommen: Aggressiv und dynamisch präsentiert sich der sportlichste Kompakte, den Kia im Programm hat. Scharfe Linien und schwungvoll geformte Scheinwerfer streben nach hinten und verleihen dem pro_cee´d GT dadurch einen richtig angriffslustigen Blick.

Der schwarze „Tigernasen“-Frontgrill und der Frontspoiler machen einen auf klassische GTI-Optik, und als Highlight gibt es bei der 204 Turbo-PS starken Sport-Variante des cee´d ja noch die „Ice Cubes“. So heißen die zum Quadrat gebündelten jeweils vier LED-Spots ganz unten in der Frontschürze. Die können sich schon deshalb sehen lassen, weil sie die gleiche Lightshow veranstalten wie ein Porsche Panamera Turbo S.

Optisch nah dran an den Wolfsburger GTI-Modellen, an denen sich in dieser Klasse alles messen lassen muss, ist die Außenoptik mit den auffällig lackierten Bremssätteln hinter den schwarzen 18-Zoll-Sportreifen und den kleinen Seitenschwellern sowie den dicken Lufteinlässen in der Frontschürze. Sie zeigen, warum braucht die Hyundai-Tochter das Modell überhaupt im Programm hat: Ein Kompaktsportler ist immer ein wenig unvernünftig, sprich emotional – und damit besser fürs Image als vernünftige Brot-und-Butter-Wagen.

Das schneeweiße und flach auf die Breitreifen geduckte Korea-Coupé erinnert an den Scirocco und den Volvo C30. Auch die haben ganz typische und weit ausgestellte hintere Radläufe, die dem Heck eine unverwechselbare, muskulöse Optik verleihen.

Bei unserem GT kommt noch ein großflächiges Panorama-Glasdach hinzu, dass die von roten Zierlinien umrahmte weiß-schwarze Gesamtoptik enorm aufwertet. Hinten rundet ein gut integrierter Dach-Spoiler das Kraftpaket ab.

Die Annäherung an den einladend sportlichen Testwagen fällt leicht, genauso wie die erste Sitzprobe in den eng geschnittenen Recaros. Die sind nur eines von zahlreichen Highlights im komplett schwarzen Cockpit und halten jedermann seitlich gut fest. Wie sich später auf Langstrecke zeigt, sind sie aber auch Teil des Vorwurfs, dass der „GT“ einen falschen Namen zur Schau stellt.

Die wichtigsten Fragen

Alltagstauglich?

Überraschenderweise: Ja. Der Kofferraum bietet maximal über 1.200 Liter Volumen, und sogar hinten können sitzen zwei Erwachsene gut sitzen. Das Fahrwerk ist aber hart und herzlich, das geht zu Lasten des Komforts.

Das schönste Detail?

Die sogenannten „Icecubes“ in der Frontschürze. Vier im Quadrat gebündelte LED-Tagfahrlicht-Spots, das sieht man sonst nur in der Lightshow teurer Porsche-Modelle.

Enttäuschend?

Das Turboloch nervt auf Dauer. Ist es überwunden, zieht der Fronttriebler aber temperamentvoll durch. Etwas mehr Sport-Sound würde dem GT auch gut tun.

Ist er's wert?

Im Konkurrenzvergleich: Ja. 24.490 Euro für eine sehr umfassende Ausstattung, dieser Preis ist eine Kampfansage an den Wettbewerb. Allerdings bleibt nach vier Jahren nur deutlich weniger als die Hälfte vom Wert übrig. So ist das nun mal bei Fun-Mobilen.

Sound?

Glänzt durch An- und Abwesenheit. Innen macht die Audio-Anlage ordentlich Druck, außen verzichtet der Kia auf sportlichen Auspuff-Krawall. Schade.

Wie grün ist das Auto?

Wer sich bewusst ein sportliches, sprich emotionales Auto kauft, schaut erst in zweiter Linie auf die Vernunft-Kategorien Normverbrauch, CO2-Ausstoß und Energieeffizienklasse. Hier kann der Kia kaum Punkte sammeln. Der Normverbrauch liegt bei 7,4 Liter Super, im Test kamen wir auf rund 10 Liter. Und hatten Spaß dabei.

Vorbildlich?

Die umfassende Ausstattung mit vielen guten und einigen ungewöhnlichen Extras. Und die Optik a la GTI. Schon im Stand sagt dieser Coupé-Dynamiker: „Wo bleibt der Startschuss?“

Was sagt der Nachbar?

„Kia Pro-was? Wie heißt der?

Wer guckt?

Fans von Mittelklasse-Kompaktsportlern. Also zu 99 Prozent junge Männer.

Wie fährt er sich?

Der pro_cee´d trägt weder zur Entspannung bei, noch eignet er sich für Verkehrserzieher. Er geht knackig ums Eck und ein bisschen ungestüm in jeden Sprint. Das Fahrwerk federt nur das Gröbste ab, gibt kernige Rückmeldung vom Asphalt. Für lange Reisen gibts bessere Alternativen.

Wo gehört er hin?

Auf die kurvige Landstraße, und die linke Autobahnspur. Auch wenn sich das noch nicht herumgesprochen hat.

Denn durch die angedeutete Form einer Renn-Sitzschale ragt die Kopfstütze auffällig weit nach vorn, zu weit. Was auf kurzen Strecken tolerierbar ist, wird auf Autobahn-Etappen zur Zumutung. Ich fahre Düsseldorf- Hamburg-Düsseldorf an einem Wochenende, und muss mir prompt den steifen Nacken wegmassieren lassen.

Ein Zugeständnis an den Preis, der deutlich unter 30.000 Euro liegt, findet sich ebenfalls am Gestühl: Lediglich der Fahrersitz war im Testfahrzeug komplett elektrisch verstellbar, der Beifahrer musste noch selber Hand anlegen.

Der Kia pro_cee´d GT startet mit einem Preis von 24.490 Euro zum Beispiel gegen den VW Scirocco 2.0 TSI, und den Opel Astra Coupé GTC, die mehrere tausend Euro teurer sind. In 7,7 Sekunden kommt der Korea-Renner aus dem Stand auf 100 km/h und erreicht einen Top-Speed von 230 km/h. Der Normverbrauch beträgt 7,4 Liter Benzin. Sebastian Schaal

Der Kia pro_cee´d GT startet mit einem Preis von 24.490 Euro zum Beispiel gegen den VW Scirocco 2.0 TSI, und den Opel Astra Coupé GTC, die mehrere tausend Euro teurer sind. In 7,7 Sekunden kommt der Korea-Renner aus dem Stand auf 100 km/h und erreicht einen Top-Speed von 230 km/h. Der Normverbrauch beträgt 7,4 Liter Benzin.

Bis auf diese Kleinigkeit macht der Sport-Kia aber lange wie und kurze Ausfahrten zum Vergnügen. Er ist leicht, kompakt, und tritt stets agil zum Zwischenspurt an. Ein potenter, Turbo GDi genannter, Vierzylinder-Benziner mit 1,6 Liter Hubraum bekommt als Direkteinspritzer durch einen Twin-Scroll-Turbo richtig Druck. 265 Newtonmeter Drehmoment liegen bei 1.750 bis 4.500 Touren an, das ist zwar leicht unter Golf-GTI-Niveau, reicht aber aus, um den Spurt aus dem Stand auf 100 km/h in 7,7 Sekunden zu bewältigen.

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