Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.07.2016

13:43 Uhr

Klein und flott

Mini-Segways erobern Deutschland

Quelle:dpa

Ein Trittbrett, ein Elektromotor, eine Balanceregelung, zwei Räder - und kein Griff zum Festhalten: E-Boards und Self Balance Scooter sind bei der Jugend schwer angesagt. Doch es gibt einen kleinen Haken.

Antoine (13) erledigt seine Einkäufe mit dem Self Balance Scooter. Foto: Andreas Arnold dpa

Self Balance Scooter

Antoine (13) erledigt seine Einkäufe mit dem Self Balance Scooter. Foto: Andreas Arnold

Auf den ersten Blick scheint Antoine elegant in weiten Kurven auf einem Gehsteig im Rheingau bei Wiesbaden zu schweben. Bei Nähertreten wird klar: Der 13-Jährige fährt auf einem kleinen Vehikel, das sich in Deutschland erst seit Kurzem verbreitet.

Ein Trittbrett, ein Elektromotor, eine Balanceregelung, zwei Räder und kein Griff zum Festhalten: Antoine steuert das Gefährt nur mit Gewichtsverlagerung. Es hat mehrere Namen: Mini-Segway, E-Board, Self Balance Scooter, Oxboard - oder auch Hoverboard. Das allerdings ist irreführend, denn es bezeichnet das schwebende Skateboard ohne Räder in den Filmen „Zurück in die Zukunft” (II und III).

Alexander betreibt das kommerzielle Internet-Vergleichsportal www.self-balance-scooter.de - und schätzt, dass inzwischen vielleicht 10.000 Mini-Segways in Deutschland herumkurven. „In Amerika gibt es sie schon etwas länger, das sind es noch mehr. Da haben sie auch Promis wie (der Schauspieler) Jamie Foxx und (der Sänger) Justin Bieber bekannt gemacht”, sagt der Experte, der seinen Nachnamen nicht nennen will. „Die meisten Käufer von Self Balance Scooters sind jung. Sie finden den Trend cool und wollen oft Aufmerksamkeit erregen.”

Kleiner Haken: Mini-Segways dürfen in Deutschland in der Regel nur auf privatem Gelände gefahren werden, am besten mit Schutzkleidung wie beim Skaten. Mit ihrem Tempo von bis zu 20 Kilometern pro Stunde sind sie für Gehsteige und Fußgängerzonen zu rasant. Für Straßen haben sie keine Zulassung.

Julie (11) versucht gemeinsam mit Bruder Antoine (13) auf dem Self Balance Scooter am zu fahren. Foto: Andreas Arnold dpa

Self Balance Scooter

Julie (11) versucht gemeinsam mit Bruder Antoine (13) auf dem Self Balance Scooter am zu fahren. Foto: Andreas Arnold

Dennoch sagt etwa der zwölfjährige E-Board-Fahrer Merdijan in der Mainzer Fußgängerzone: „Ich habe noch nie Probleme mit der Polizei gehabt. Die hat nur komisch geguckt.” Für viele Polizisten scheinen die Vehikel noch zu neu zu sein, um binnen Sekunden rechtlich genau Bescheid zu wissen.

Doch später können interne Recherchen folgen wie etwa im Polizeipräsidium Westpfalz in Kaiserslautern. Die werden im Kollegenkreis weitergegeben, wie eine Sprecherin berichtet. Und dann können Mini-Segways auf Gehsteigen schon mal vorübergehend einkassiert werden. Hohe Geldbußen sind allerdings eher nicht bekanntgeworden. Der Koblenzer Oberstaatsanwalt Rolf Wissen spricht von „juristischem Neuland”.

Durch Gewichtsverlagerung nach vorne, hinten oder zur Seite wird die Geschwindigkeit und die Fahrtrichtung kontrolliert. Foto: Andreas Arnold dpa

Julie (11) auf dem Self Balance Scooter

Durch Gewichtsverlagerung nach vorne, hinten oder zur Seite wird die Geschwindigkeit und die Fahrtrichtung kontrolliert. Foto: Andreas Arnold

Antoines Schwester Julie hat das dunkelblaue kleine Gefährt der Familie mit blinkenden Lichtern und einem Bluetooth-Lautsprecher zum Musikhören vom Weihnachtsmann bekommen. „Ich habe es auf Youtube gesehen und mir gewünscht”, erzählt das elfjährige Mädchen.

Ihre Mutter Michaela, die ebenfalls nicht ihren Nachnamen nennen will, war vorher zunächst nicht begeistert gewesen: In den USA und Großbritannien wurde von Fällen berichtet, bei denen die Akkus in Brand gerieten. „In Deutschland habe ich davon noch nie gehört”, versichert der Vergleichsportal-Betreiber Alexander. „Wichtig ist es, einen Self Balance Scooter nicht für weniger als 200 Euro und ohne Zertifizierung zu kaufen.”

Michaela sagt, sie sei inzwischen beruhigt und fahre auch mal selbst mit dem Vehikel mit Sicherheitszertifikat. „Wir laden den Akku vorsichtshalber auch immer nur in unserer Anwesenheit auf.” Zwei bis drei Stunden dauere das.

Antoine sagt: „Ich hole mit dem Scooter auch unsere Brötchen. Das macht gleich mehr Spaß.”

Das Self Balancing Board auch Elektro Scooter oder Mini Segway genannt ist ein akkubetriebenes Fortbewegungsmittel das je nach Ausführung eine Reichweite von bis zu 20 km hat und Geschwindigkeiten von 20km/h erreichen kann. Foto: Andreas Arnold dpa

Self Balance Scooter

Das Self Balancing Board auch Elektro Scooter oder Mini Segway genannt ist ein akkubetriebenes Fortbewegungsmittel das je nach Ausführung eine Reichweite von bis zu 20 km hat und Geschwindigkeiten von 20km/h erreichen kann. Foto: Andreas Arnold

Manchmal fährt er mit seiner Schwester auch eng aneinander gelehnt zu zweit auf dem zehn Kilo schweren Board durch die Wohnung - oder baut dort einen Parcours mit Wasserplastikflaschen auf. Wer ist schneller?

Mama Michaela stoppt die Zeit, jeder gewinnt einmal. Die Geschwister sind geschickt. Alles können aber auch sie noch nicht. Julie sagt bewundernd: „Auf Youtube habe ich einen gesehen, der ist im Handstand damit gefahren.”

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Sören Nenndorf

25.07.2016, 10:34 Uhr

Hallo liebe redaktion!

Danke für einen tollen Artikel. Ich wurde gleich am vergangegen Sonntag von einer Gruppe der Segway-Fahrer fast überfahren gewesen :-D Mir stellt sich die Frage, welche Versicherung wird so ein Unfall abdecken? Ich habe auf vielen Vergleichsportalen recherchiert, u.a finanzvergleich100.de . Als Haftpflichtversicherung oder als KfZ? Ohne Witz, gilt das Ding schon als ein Fahrzeug?? Es hat doch ein Motor ...

VG Sören

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×