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10.09.2013

10:14 Uhr

Kommentar

Grenzwerte der Ablenkung definieren

VonKlaus-Michael Schaal

Die Grenzen der Ablenkung des Fahrers im Auto durch Bedien- und Infotainmentsysteme müssen festgelegt werden, fordert der Auto Club Europa, der die Gefahren solcher Systeme regelmäßig testet.

Zum dritten Mal hat der Auto Club Europa in einem großen Test die Ablenkung von Autofahrern durch Bedien- und Infotainmentsysteme getestet. Und es besteht für die Hersteller noch viel Handlungsbedarf. Konstantin Tschovikov

Zum dritten Mal hat der Auto Club Europa in einem großen Test die Ablenkung von Autofahrern durch Bedien- und Infotainmentsysteme getestet. Und es besteht für die Hersteller noch viel Handlungsbedarf.

Schizophren ist wohl der passende Ausdruck, um zu beschreiben, was derzeit im Bereich der Verkehrssicherheit abläuft. Unsere Autos werden mit optimiertem Crash- und tadellosem Fahrverhalten immer sicherer. Statt dank dieser Entwicklung der „Vision Zero“ – dem Traum vom Straßenverkehr ohne Tote und Schwerverletzte – einen entscheidenden Schritt näher zu kommen, lassen wir jedoch zu, dass sich ein neues Gefahrenpotential quasi über die Mittelkonsole einschleicht: Jeder vierte Unfall wird inzwischen durch Ablenkung verursacht – Tendenz steigend.

Wie riskant die Bedienung moderner Infotainment-Systeme beim Fahren ist, haben inzwischen drei aufwändige Praxistests, die "ACE Lenkrad" mit wissenschaftlicher Unterstützung der Universität Salzburg durchgeführt hat, gezeigt. Die aktuellen Ergebnisse unterstreichen den dringenden Handlungsbedarf: Hinsichtlich Blickabweichung und Dauer der einzelnen Aufgaben müssen endlich Grenzen definiert und Richtlinien festgeschrieben werden.

"ACE Lenkrad"-Chefredakteur Klaus-Michael Schaal ACE

"ACE Lenkrad"-Chefredakteur Klaus-Michael Schaal

Natürlich prüfen auch die Autohersteller ihre Bediensysteme auf Herz und Nieren: Keines der komplexen Multimedia-Systeme würde ein Freigabe erhalten, ohne dass zuvor in umfangreichen Testserien sichergestellt wird, dass hinsichtlich der Ablenkung international anerkannte Standards eingehalten werden. Doch diese Standards sind erstens zahlreich und zweitens stets in der wissenschaftlichen Diskussion und Fortschreibung.

Und jeder Autohersteller entscheidet selbst, welche Standards, welche Messmethoden und Grenzwerte er zugrunde legt. Hinzu kommt, dass die Autoindustrie diese Fahrtests meist in Simulatoren durchführt, die die Fahrrealität auf Straßen nur bedingt abbilden können.

Infotainment im Auto: Gefahr aus der Mittelkonsole

Infotainment im Auto

Gefahr aus der Mittelkonsole

Facebook bei voller Fahrt, telefonieren am Tempolimit: Auf der IAA werben die Hersteller wieder mit mehr Infotainment und Multimedia im Auto. Doch dadurch steigen Ablenkungsgefahr und Unfallrisiko. Neue Testergebnisse.

Der Auto Club Europa plädiert gemeinsam mit den Experten der Universität Salzburg für reproduzierbare Tests unter Realbedingungen, sprich auf einem definierten Testgelände. Eine Expertenrunde muss ins Leben gerufen werden, die Grenzwerte der Ablenkung definiert und standardisierte Messverfahren festlegt.

Gefordert sind hier nicht nur die Autohersteller selbst, sondern auch die EU-Kommission: Wenn Empfehlungen nicht ausreichen, sprich wenn sie von den Herstellern nicht als verbindlich anerkannt und umgesetzt werden, sind gesetzliche Vorgaben unabdingbar.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

10.09.2013, 10:56 Uhr

Interessanter Artikel! Und sehr beunruhigend. Da besteht ganz klar Handlungsbedarf, schließlich sterben auf Deutschlands Straßen jährlich zwischen 3000 und 4000 Menschen!

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