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08.10.2014

09:25 Uhr

Lamborghini Huracan-Fahrbericht

Adrenalinausschüttung in Wannenbädern

VonRufus Kowalski
Quelle:Spotpress

Ein „Einstiegsmodell“ bezeichnet bei vielen Herstellern kleine, kompakte Autos, die behutsamen Umgang mit Ressourcen, Kosten und Verkehrsraum pflegen. Heißt der Hersteller aber Lamborghini, gelten andere Regeln.

Bei den Maya war Huracan als Gott für Sturm und Wind zuständig und repräsentierte die Naturgewalten Rufus Kowalski/SP-X/

4,46 Meter lange Keilform: Bei den Maya war Huracan als Gott für Sturm und Wind zuständig und repräsentierte die Naturgewalten.

Während die Anbieter automobiler Massenware die Zyklen ihrer Modellpflege gemeinhin an denen von Fußballweltmeisterschaften oder olympischen Spielen orientieren, vergeht bei der Volkswagentochter aus dem norditalienischen St. Agatha Bolognese schon einmal ein ganzes Jahrzehnt, bis eine Wachablösung im Modellprogramm ansteht. Seit Anfang des Jahres vertreibt Lamborghini den Huracan. Der 4,56 Meter lange Mittelmotorbolide löste den Gallardo ab.

Bei den Maya war Huracan als Gott für Sturm und Wind zuständig und repräsentierte die Naturgewalten. Das passt für den Supersportwagen, der 1,92 Meter breit und 1,17 Meter hoch förmlich auf dem Asphalt kauert. 5,2 Liter Hubraum, 449 kW/610 PS, 325 km/h Höchstgeschwindigkeit und 201.705 Euro Grundpreis lauten die weiteren Eckdaten. Ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein des Kunden ist keine zwingende Voraussetzung für den Kauf. Aber hilfreich, denn die gefühlte Klickrate von Handykameras, die den Huracan durch den Stadtverkehr begleitet, geht auf jedem Kilometer in die Hunderte.

Die tiefe Sitzposition und der breite Schweller stellen beim Ein- und Ausstieg erhöhte Anforderungen an die Gelenkigkeit der Passagiere. Die Sitze selbst fallen sportlich straff aus und bieten perfekten Seitenhalt. Die elektrischen Einstellmöglichkeiten stellen zudem sicher, dass sich auch Reisende über 1,85 Meter Körpergröße nicht diskriminiert fühlen.

Der Innenraum führt konsequent die Linie der Ecken und Kanten fort. Das Layout der Knöpfe und Bedienelemente erinnert an Audi. Die Lufthoheit der Ingolstädter bei Lamborghini wirkt sich sichtbar segensreich auf Fertigungsqualität und Anmutung aus. Wären da nicht die beiden mittleren Luftdüsen, die auf dem mit Alcantara bespannten Armaturenträger hocken und den haptischen Wert von Bade-Enten aus nordkoreanischer Produktion verströmen, wäre der knapp geschnittene Innenraum perfekt. Kritik verdient das zentrale Display, das schlicht zu klein geraten ist. Aktiviert der Fahrer das Navi, erscheint die Kartendarstellung in einem viel zu kleinen Format.

Als problematisch im Alltag erweist sich auch die marginale Tempoangabe des digitalen Tachos. Eigentlich müsste das aktuelle Tempo stets formatfüllend via Head-up-Display in die extrem flache Windschutzscheibe erscheinen. Wenn der Schutzschalter über dem Startknopf in der Mittelkonsole nach oben schnappt und der Finger mit kurzem Druck den V10 augenblicklich zum Leben erweckt, ist der Huracan eigentlich schon im Stand zu schnell.

Die ersten Kilometer sollten dem Warmfahren der 7,5 Liter Schmieröl im Trockensumpf gewidmet sein. Hat der Schmierstoff seine Betriebstemperatur erreicht und die Strecke ist frei, reicht ein leichtes Antippen des Gaspedals um ein Inferno zu entfesseln. Der Zehnzylinder jagt mit einer derartigen Vehemenz durchs Drehzahlband, dass die Rechte am Schaltpaddel hinter dem Lenkrad kaum nachkommt, die nächste Gangstufe einzulegen, wenn das Drehzahllimit von 8.250 U/min erreicht ist.

Die tiefe Sitzposition und der breite Schweller stellen beim Ein- und Ausstieg erhöhte Anforderungen an die Gelenkigkeit der Passagiere Rufus Kowalski/SP-X/

Die tiefe Sitzposition und der breite Schweller stellen beim Ein- und Ausstieg erhöhte Anforderungen an die Gelenkigkeit der Passagiere

Dabei stellt der serienmäßige Allradantrieb sicher, dass nicht eine der 610 Pferdestärken wegen Schlupfs strauchelt. Die 3,2 Sekunden, die vergehen, bis die 1.545 Kilo schwere Fuhre aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigt, reichen dem Verstand nicht einmal im Ansatz, die Sinneseindrücke dieser Prozedur zu verarbeiten. Schon gar nicht die akustischen.

Nach 9,6 Sekunden liegt Tempo 200 an. In der Sprache der Straßenverkehrsordnung heißt das auf einer Landstraße: 600 Euro Strafe, zwei Punkte und drei Monate Führerscheinentzug.

Zum Ausloten des fahrdynamischen Potentials haben kluge Menschen schon vor mehr als 90 Jahren die Nordschleife des Nürburgrings in die bergige Waldlandschaft der Eifel gestanzt. Auf der kurvenreichen Rennstrecke erweist sich jeder Aspekt der Fahrt als atemberaubend.

Die 20-Zöller krallen sich regelrecht in den Asphalt und ermöglichen Querkräfte am Rande der Vorstellungskraft. Die 2.856 Euro für ein adaptives Fahrwerk sind gut investiert. Die Einstellungsmöglichkeiten erlauben einen achtbaren Komfort auf langen Strecken ebenso wie knochentrockenes Beachten von Unebenheiten auf der Piste.

Ein sanft einsetzendes ESP kommt dem Normalfahrer entgegen. Es kündigt rechtzeitig das Nahen des Grenzbereichs mit leichtem Untersteuern an. Die Bremsanlage mit riesigen keramischen Scheiben zeigt auch bei härtester Belastung keine Ermüdungserscheinungen.

Kommentare (3)

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Carl Icahn Jr.

08.10.2014, 11:51 Uhr

Fahre selber zwei R8 V10-Raketen (1 Spyder und 1 V10-Plus). Die Basis bildet der Lambo-Gallardo, allerdings mit Doppelkupplungsgetriebe. Und war auch bei der Vorstellung des Huracán hier in der Stadt eingeladen.

Mein Fazit: Der Huracán V10 ist noch bissiger und noch giftiger als der R8. Warum auch immer. (...)


Grüße aus Downtown-Mainhattan. Der schönsten Stadt Deutschlands. And the heartbeat of financial €urope and HQ of Super-Mario.

Carl Icahn Jr.
- selbst. Börsenhändler -
Algo- und System-Trading


Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Cord Hose

08.10.2014, 15:01 Uhr

Ist das Ihr Ernst, Mr. Börsenhändler? Sie haben keine Erklärung dafür, warum ein preislich höher angesiedeltes Fahrzeug als Ihr Neuzeit-Manta einen "giftigeren" Motor zur Verfügung hat?
Denken Sie doch noch einmal scharf nach.

Herr x y

08.10.2014, 16:55 Uhr

"Faster horses, younger women, older whiskey and more money" frei nach Tom T. Hall ist ein unausrottbares Lebensmotto. Gott sei Dank!

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