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07.08.2014

07:13 Uhr

Land Rover Discovery im Handelsblatt-Test

Allrad-Star ohne jegliche Allüren

VonSebastian Schaal

Seit 25 Jahren schwimmt der naturverbundene Land Rover Discovery gegen den Modetrend zum SUV. Der knorrige Allradler hat als waschechter Offroader im Gelände mehr zu bieten, als die meisten Fahrer sich trauen.

Das muss das Auto abkönnen: Bei einem Land Rover Discovery gehört Auslauf im rauen Gelände und Schmutz zur artgerechten Haltung. Er ist ein Geländewagen, kein SUV. Und taugt doch für lange Reisen. Sebastian Schaal

Das muss das Auto abkönnen: Bei einem Land Rover Discovery gehört Auslauf im rauen Gelände und Schmutz zur artgerechten Haltung. Er ist ein Geländewagen, kein SUV. Und taugt doch für lange Reisen.

DüsseldorfEr ist seit Jahren so etwas wie die graue Maus im Modellangebot von Land Rover. Zwischen dem glamourösen Range Rover samt dynamischem Sport-Ableger und dem Verkaufsschlager Evoque wirkt der Discovery ein wenig aus der Zeit gefallen. Vermutlich, weil es sich über inzwischen 25 Jahre treu geblieben ist. Als Geländewagen, nicht als modischer SUV.

Wo sich so manch SUV mit seinem adaptiven Sportfahrwerk brüstet oder andere vollends im automobilen Luxus schwelgen, winkt der kantige Allrad-Klassiker jeweils ab. Er stellt inzwischen eine Art eigenes Genre dar: Ein komfortables Reiseauto, gepaart mit einem expeditionstauglichen Allradantrieb und viel Nutzwert.

Es mag kleine und leichte Offroader à la Suzuki Jimny geben, die im Gelände aufgrund ihrer Wendigkeit besser sind. Es mag große Reise-SUVs vom Schlage eines Mercedes GL geben, die noch mehr Komfort und Luxus bieten.

Aber auch große Geländewagen wie den Toyota Land Cruiser, die einen ebenbürtigen Allradantrieb haben. Aber die Kombination aus Geländefähigkeiten, Komfort und einem ansprechenden Innenraum bietet sonst kaum einer.

Dieser Nutzwert-Anspruch wird bereits von außen deutlich: Beim kantigen Aufbau wurde kein Zentimeter für eine dynamische Optik verschenkt. Mit der Dachrehling ragt der Discovery je nach Einstellung der Luftfederung bis zu 1,97 Meter in die Höhe. Zusammen mit der Breite von 2,20 Metern inklusive Außenspiegel und einer Länge von 4,83 Metern ergibt das eine mächtige Erscheinung.

Abgerundet wird der imposante Auftritt im Rückspiegel durch den neuen Kühlergrill und die an den großen Range angelehnten Tagfahr-LEDs, die der Discovery bei der aktuellen Modellpflege in diesem Frühjahr erhalten hat. Da unser Testwagen allerdings mit dem optionalen „Black Pack“ ausgerüstet war, wirkte der schwarz lackierte Kühlergrill etwas dezenter als die Alu-Standardausführung.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Alltagstauglich?

Wenn man viel Platz im Auto braucht und um das Auto herum viel Platz hat: ja: Wer nur hoch sitzen will und eigentlich ausschließlich in Innenstädten unterwegs ist: nein.

Das schönste Detail?

Da wir auch in die Handelsblatt-Tiefgarage mussten, geht diese Wertung an den Schalter für die Luftfederung. Beruhigend, wenn der Discovery vor der niedrigen Einfahrt fünf Zentimeter in die Knie geht.

Enttäuschend?

Bei all den Kameras in Außenspiegeln oder Heckklappe war offenbar keine mehr für die Motorhaube übrig. Deren Ende ist vom Fahrerplatz aus nur schwer einzusehen, ein Kamerabild könnte Abhilfe schaffen.

Ist er`s wert?

Vermutlich ist auch der Basis-Discovery mit Stahlfedern für 44.600 Euro ein guter Geländewagen. Für den hier beschriebenen Spagat zwischen Gelände und Straße ist aber die Luftfederung unerlässlich. Letzlich würde es auch der schwächere der beiden Diesel tun. Und verglichen mit einem Mercedes G-Modell ist der Discovery ein wahres Schnäppchen.

Sound?

Was den Motor angeht: Es ist und bleibt ein V6-Diesel. Was den Innenraum angeht: Herrlich leise, wenn auch nicht auf dem Niveau eines Range Rovers.

Wie grün ist das Auto?

Als Diesel für diese Größe und Nutzlast in Ordnung, wenn auch kein Sparwunder. Der Benziner dürfte da ein deutlich größeres Loch in das Budget reißen.

Vorbildlich?
Wer guckt?

Nach dem Ausflug in den Steinbruch ist Schlamm am Auto. Städter schauen irritiert – weil man mit einem Geländewagen das gemacht hat, wozu ein Geländewagen gebaut ist.

Wie fährt er sich?

Ohne jeden Tadel im Gelände, wahnsinnig komfortabel auf der Straße. Dank seiner guten Übersicht und der weichen Luftfederung gehört der Discovery wohl zu den angenehmsten Langstreckenautos. Nur Kurven mag er nicht.

Wo gehört er hin?

Raus aus der Stadt, ab auf’s Land!

Ebenfalls optional ist die dritte Sitzreihe, die den Discovery für 1.570 Euro zu einem Siebensitzer macht. Hier kommt wieder die kantige Form zum Tragen: Selbst auf den im Kofferraumboden versenkbaren Klappsitzen können zwei Erwachsene relativ bequem Platz nehmen – Freiraum an Beinen und Kopf gibt es mehr als genug.

Auch der Einstieg ist recht komfortabel. Da die beiden Sitze wegen der Radkästen etwas nach innen versetzt sind, könnte man sich an der Schulter etwas näher kommen.

Deutlich luftiger geht es in den ersten beiden Sitzreihen zu. Hier spielt der Discovery eine seiner Stärken aus: das luftgefederte Reisemobil. Sanft bügelt das Fahrwerk die meisten Unebenheiten im Asphalt aus und gibt nur wenig an die Insassen weiter.

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