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30.07.2015

08:40 Uhr

Land Rover Discovery Sport im Handelsblatt-Test

Kommst Du mit in den Großraum-Disco?

VonFlorian Hückelheim, Alexander Möthe

Land Rover mottet seinen Freelander ein und fährt stattdessen den Discovery Sport vor. Der neue „Disco“ lässt Parkhäuser schrumpfen und lädt zur Entdeckungsreise ein. Mit bis zu sieben Personen und in aller Ruhe.

Von außen unübersehbar, von innen eine Lounge in weißem Leder: Der neue „Disco“ ist mehr als nur ein weiteres Kompakt-SUV. Er hat echte Offroad-Fähigkeiten und rückt optisch näher an die edlen Range-Rover-Modelle heran. Das hat natürlich seinen Preis. Florian Hückelheim

Der Land Rover, der den Freelander ablöst

Von außen unübersehbar, von innen eine Lounge in weißem Leder: Der neue „Disco“ ist mehr als nur ein weiteres Kompakt-SUV. Er hat echte Offroad-Fähigkeiten und rückt optisch näher an die edlen Range-Rover-Modelle heran. Das hat natürlich seinen Preis.

DüsseldorfDer weiße Riese ist einfach riesig, lehrte uns einst die Werbung. Manchmal findet sich so ein Riese aber nicht im Waschzuber, sondern auf der Straße. In unserem Fall hört er auf den Namen Land Rover Discovery Sport, kurz „Disco“. Und dieser weiße Riese ist auch ein bisschen schwarz und tatsächlich sehr groß, stellen wir fest. Parkhäuser der Welt seht euch vor, der breite Brite rollt an.

Er rollt bereits seit 1989, der Discovery. Er war lange Zeit das Einstiegsmodell im Haus Landrover, zwischen dem rustikalen Maultier Defender und dem luxuriösen Range Rover postiert. Mit wechselnden Eigentümern wechselte auch die Modelpalette. Im SUV-Mutterkonzern wurde der 1998 Freelander zum kleinere, erschwinglicheren Einstiegsmodell. Aus jenem Freelander ist nun der Discovery Sport geworden.

Verwirrend? Finden wir auch. Zumal Discovery und Discovery Sport mit Verschwinden des Defender zum Jahresende erst einmal die einzigen Land Rover-Marken sein werden. Verwirrend auch, dass der Discovery Sport optisch kaum etwas mit dem Discovery gemeinsam hat.

Stattdessen rückt er in der Außenansicht nah an die Range-Rover-Serien Sport und Evoque heran. Nach etwas innerer Einkehr über die Modellpolitik steht für die Tester auf jeden Fall fest – er sieht gut aus, der Discovery Sport. Einladung zur Entdeckungsreise.

Auch wenn er einen größeren Eindruck macht als die Freelander, die Maße sind fast gleich. Und so spannt sich die markante Linienführung von der Schnauze an über 1,9 Metern Breite und über 4,5 Metern Länge. Mit den Notsitzen im Laderaum passen bis zu sieben Personen in den wie immer voll geländetauglichen SUV. Im Normalfall reicht es locker für vier Insassen nebst Gepäck. Im Zweifel auch beim Offroad-Adventure durch die georgische Steppe. Während der Testfahrten verschlug es den Landy aber nicht in die Wildnis. Das Höchstmaß an Abenteuer bot ein Tagesausflug nach Maastricht. Und da soll er ja auch hin, der Discovery Sport. Nicht nach Maastricht, aber in den Alltag.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Alltagstauglich?

Ein entschiedenes Jein: In engen Innenstädten erfordern seine Ausmaße ein wachsames Auge. Auf der Autobahn schiebt und gleitet er dank langem Radstand souverän. Platz für genügend Gepäck oder Mitfahrer ist ausreichend vorhanden. Und wer will, kann auch steile Hänge befahren.

Das schönste Detail?

Das Entdeckerdach. Einfach mal die Aussicht genießen.

Enttäuschend?

Der Bordcomputer. Wirklich, die Touchscreen-Multimedia-Systeme sind seit Jahren ein Ärgernis.

Ist er`s wert?

Gut 48.000 Euro kostet unser Testwagen in der Ausstattungslinie HSE. Für ein üppig ausgestattetes Schlachtschiff mit genügend Fahrkomfort für lange Strecken ist das nicht zu viel.

Sound?

Nur sanft dringt das Nageln des Diesels während der Fahrt ans Ohr. Die 2,2-Liter-Maschine ist ein unaufdringlicher Selbstzünder.

Wie grün ist das Auto?

Wer wirklich will, fährt den Discovery Sport im Eco-Modus mit etwa 6 Litern auf der Autobahn. Im Stadtverkehr ist das Doppelte realistisch. Ein Punktesystem und eine in Echtzeit wechselnde Farbskala im Bordcomputer geben Auskunft über die Umweltfreundlichkeit des eigenen Fahrstils. Unter 162 Gramm CO2/km kommen aber selbst Gaspedalstreichler nicht.

Vorbildlich?

Im Gelände kann er mehr als die meisten anderen seiner auf Lifestyle getrimmten Wettbewerber. Das Meridian-Soundsystem und das Platzangebot sind über jeden Zweifel erhaben.

Was sagt der Nachbar?

Sofern man den Nachbarn am Rande des Wagens noch erkennt: „Lassen Sie bitte den Gartenzaun stehen, wenn Sie wieder rausfahren!“

Wer guckt?

An der Ampel schauen alle – zum Fahrer auf. Nur wenige Modelle bieten eine so hohe Sitzposition. Außerdem macht sich der neue Discovery Sport rar auf deutschen Straßen. Zwischen März und Juni registrierte das KBA 895 Neuzulassungen. Zum Vergleich: Allein im Juni wurden 839 Audi Q7 zugelassen.

Wie fährt er sich?

Zügig, komfortabel, und gutmütig im Grenzbereich. Der Antritt ist kraftvoll und wird allein durch die Schaltpausen unterbrochen. Trotz hohem Schwerpunkt lehnt sich die Karosserie nicht übermäßig zum Kurvenäußeren – sehr gut!

Wo gehört er hin?

Wenn er fährt: auf breite Straßen. Wenn er steht: Alleine in eine Doppelgarage. Wenn er dreckig werden soll: in Wasserlöcher mit bis zu 60 Zentimetern Tiefe.

Und das führt uns zurück ins Parkhaus. Verwinkelte und verbaute Stellplatzspender in deutschen Innenstädten zeigen schnell – aber wenig überraschend –, dass das Viermetersechzig-SUV nicht so übersichtlich ist wie ein Smart. Wie zwei Smart vielleicht. Aber auch das nur dank der eingebauten elektronischen Helfer, namentlich Abstandssensoren und einer Rückfahrkamera.

Dass beides wirklich nötig ist, fällt erst dann wirklich auf, wenn der Blick durch die großzügig bemessenen Seitenspiegel oder den Innenspiegel geht. Eine vernünftige Rundumsicht ist in der Ferne möglich; die ersten drei Meter direkt hinter dem Fahrzeug sieht aber allein die Kamera zuverlässig ein. Wirklich, dicht auffahrende Zeitgenossen verschwinden im Bermuda-Dreieck, sprich Heck. Das Unternehmen nennt es Kompakt-SUV. Wir nennen es trotzdem einigermaßen groß.

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