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12.07.2012

09:23 Uhr

Lexus CT 200h im Test

Kompakt-Herausforderer zwischen den Welten

VonSebastian Schaal

Optisch will der Lexus CT 200h F-Sport den GTI jagen. Er soll aber auch sparsam wie ein Prius und gleichzeitig luxuriös wie ein Audi sein. Handelsblatt Online klärt, wie der Hybride die Herausforderungen meistert.

Die F-Sport-Ausstattung zeichnet sich vor allem durch auffällige Spoiler aus. Sebastian Schaal

Die F-Sport-Ausstattung zeichnet sich vor allem durch auffällige Spoiler aus.

DüsseldorfLexus, der Nobel-Ableger von Toyota, ist auf dem japanischen Heimatmarkt und in den USA längst etabliert. In Europa haben die Luxus-Japaner zwar mit ihren großen Hybrid-Limousinen und SUVs Schlagzeilen gemacht, in der deutschen Zulassungsstatistik fristet Lexus aber ein Schattendasein. Zu groß scheint die Übermacht von Audi, Mercedes und BMW im Premium-Segment. Das sollte sich 2010 ändern, als Lexus mit dem CT 200h ein Modell in der volumenstarken Kompaktklasse vorstellte. Doch auch hier blieb der Erfolg - in Zulassungen gemessen - vorerst aus. Gerade einmal 1.800 CT fanden bis Anfang 2012 in Deutschland Käufer.

Mit der Ausstattungslinie F-Sport haben die Japaner jetzt nachgelegt. Und damit sieht der mit bewährter Prius-Technik motorisierte Kompakt-Lexus gar nicht mehr nach einem biederen Sparmobil aus. Metallic-graue 17-Zoll-Felgen, ein größerer Frontspoiler und ein angedeuteter Diffusor am Heck vermitteln den Eindruck, der CT 200h blase zum Angriff auf Golf GTI, Astra OPC und Ford Focus ST.

Doch ganz so rasant wie es die sportliche Optik verspricht, geht es dann auf der Straße doch nicht zu. Dafür ist aber weniger das Fahrwerk als der Antrieb verantwortlich. Der CT 200h liegt gut in den Kurven, das satt in der Hand liegende Lenkrad vermittelt ein sportliches Fahrgefühl.

Doch sobald es geradeaus geht, ist es mit der Fahrdynamik vorbei. Die Kombination aus dem 99 PS starken Benziner, dem 82-PS-Elektromotor und dem stufenlosen Automatikgetriebe ist auf Sprit sparen getrimmt, nicht auf Kurvenhatz.

Nimmt man es mit dem CT auf der Landstraße oder der Autobahn zu sportlich, jagt der Benziner die Drehzahl auf über 5.000 Umdrehungen - und hält das Niveau konstant. Die Geschwindigkeit wird dann nur in dem stufenlosen Getriebe geregelt. Das ist soweit nicht schlimm, wenn nur das angestrengt klingende Motorheulen nicht wäre.

Die entscheidenden Fragen und Antworten zum Lexus CT 200h

Alltagstauglich?

Für zwei Erwachsene absolut. Hinten wird es für ausgewachsene Menschen auf der Langstrecke eng, Kinder finden bequem auf der Rückbank Platz. Der Kofferraum steht Modellen ohne Hybrid und zugehörige Batterie nichts nach.

Das schönste Detail?

Die je nach Fahrmodus wechselnde Hintergrundbeleuchtung der Instrumententafel. Ich hätte nie gedacht, wie beruhigen ein blaues Licht da wirken kann - und wie aggressiv ein rotes, auch wenn da gar keine Aggressivität ist.

Enttäuschend?

Nach wie vor das stufenlose Getriebe. 5.000 Umdrehungen bei etwas Gas sind nicht sparsam - und erst recht nicht komfortabel.

Ist er’s wert?

29.200 Euro für einen Kompaktwagen sind schon viel Geld. 34.430 Euro für einen Kompaktwagen mit Sport-Optik sind noch mehr - Hybrid hin oder her.

Sound?

Wenn man Gas gibt, klingt der Lexus - wie auch der Prius - immer etwas nach schleifender Kupplung. Die Motordrehzahl schnellt in die Höhe, ohne das man wirklich schneller wird. Wie das dann klingt (5.000 Umdrehungen bei einem Vierzylinder-Benziner) können Sie sich ja vorstellen.

Und wie grün ist das Auto?

Nicht ganz so grün wie ein Prius, der bleibt mit seiner aerodynamischen Form vorne. Näher kommt man diesem Ergebnis mit einer konventionellen Karosserie wohl nicht. Dafür bietet der Lexus Details wie abgedichtete Fugen - alles für den Spritverbrauch.

Vorbildlich?

In der Endausführung nicht unbedingt. Von der Hybridtechnik und dem elektrischen Fahrerlebnis können andere Hersteller noch lernen. Aber bitte nicht das Getriebe kopieren.

Was sagt der Nachbar?

Er registriert, dass wieder ein neues Auto auf dem Parkplatz steht. Ein Gesprächsthema ist es für ihn aber nicht. Der Lexus ist ein seltener, aber kein auffälliger Wagen.

Wer guckt?

Kaum jemand. Der Prius wird dank seiner charakteristischen Form sofort als Sparmobil erkannt. Der CT 200h ist da unauffälliger und geht in der Modellvielfalt der Kompaktklasse fast etwas unter.

Wie fährt er sich?

In der Stadt sehr angenehm, auch in Kurven. Nur die Geraden zwischen den Kurven sind nicht die Stärke des CT 200h.

Wo gehört er hin?

In die Vorstädte dieser Welt. Auf dem täglichen Pendelweg kann der Hybrid seine Stärken am besten ausspielen. Auf der Langstrecke ist er nicht die erste Wahl.

Daran ändert auch der Sport-Modus nichts, in dem die Abstimmung auf maximale Leistung statt maximale Sparsamkeit ausgelegt ist. Und auch die Eco-Anzeige im Cockpit, die sich im Sport-Modus zu einem rot beleuchteten Drehzahlmesser wandelt, bestätigt nur, was man bereits hört: Die Drehzahl ist viel zu hoch.

Viel wohler fühlt sich der kompakte Hybrid in der Stadt. Das lautlose Anfahren, die rein elektrische gefahrene Parkplatzsuche im Wohngebiet (maximal zwei Kilometer), das in dem Hybridantrieb tadellos funktionierende Start-Stopp-System. Für den Stadtverkehr braucht man auch den Sport-Modus nicht, mit der Eco-Abstimmung spielt der Lexus hier die Stärken seines Antriebs voll aus.

In unserem Test begnügte er sich mit 5,4 Litern im Schnitt. Damit verbraucht er etwas mehr als das aerodynamisch geformte Schwestermodell von Toyota, liegt aber auf einem Niveau mit vergleichbaren Diesel-Modellen.

Unter der Haube schlagen zwei Herzen: Links der Benziner (99 PS), rechts an den orangefarbenen Kabeln erkennbar der Elektromotor mit 82 PS. Da sich die Drehzahlbereiche der jeweiligen Höchstleistungen nicht überschneiden, addiert sich die Gesamtleistung nur auf 136 PS. Sebastian Schaal

Unter der Haube schlagen zwei Herzen: Links der Benziner (99 PS), rechts an den orangefarbenen Kabeln erkennbar der Elektromotor mit 82 PS. Da sich die Drehzahlbereiche der jeweiligen Höchstleistungen nicht überschneiden, addiert sich die Gesamtleistung nur auf 136 PS.

Kommentare (2)

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Autokenner

12.07.2012, 13:39 Uhr

Ich kann die Negativpunkte aus dem Test bestätigen. Ich habe den Wagen mehrmals als Mietwagen über meine Firma für Dienstreisen bekommen. Besonders die genannte Abstimmung der Motoreneinheit war mehr als einmal Anlaß für Kopfschütteln: nervige Lautstärke in Verbindung mit Temperamentlosigkeit.

Negativ aufgefallen (hier im Bericht nicht genannt) ist ebenfalls die Beengtheit im Inneren. Das Auto ist eine Sardinendose! Zusätzlich sind die Sitzflächen für einen Durchschnittsmenschen zu klein. Lästig sind (wie bei vielen anderen modernen Autos auch) die dicken und genau an der linken Augenbraue auf Fingerbreite entfernten A-Säulen. Ich bin 1,82 m groß und bei niedrigster Sitzeinstellung wird die Kopffreiheit bereits knapp wenn man die Lehne nicht etwas neigt.

Auch dieses Auto hat ein von mir immer "Leberwurst" genanntes Lenkrad. Dick wie besagte Wurst und dadurch unangenehm zu greifen.

Der Gepäckraum ist eine Frechheit.

Durch die ungewöhnlich plazierten und nicht immer einleuchtend gestalteten Bedienelemente muß man sich erst mal zurechtfinden. Das verursacht im Verkehr Ablenkung und die ist gefährlich.

Ebenfalls eine Frechheit ist das ungenaue und extrem blöd zu bedienende Navigationssystem.

Fazit:
Nerviges, lahmes und unbequemes Auto!
Kein Wunder, daß der sich nicht verkauft!

A-B-M

12.07.2012, 16:12 Uhr

@Autokenner
Haben Sie den Wagen überhaupt aus der Nähe gesehen?
Ihr Text liest sich wie die meisten negativen deutschen Auto-Presseberichte über japanische Autos:

Ich kann Ihre Negativpunkte überhaupt nicht nachvollziehen.
Bin zwar nur mitgefahren, aber der Wagen ist bei weitem nicht so schlecht wie Sie es schildern.
Die verwendeten Materialien im Innenraum und die Verarbeitung würde ich hochwertiger schätzen als beim 1er BMW, aber mindestens gleichwertig.
Der Kofferraum ist eine Frechheit?
Das grenzt an Verleumdung. Der Lexus (375 L) hat einen größeren Kofferraum als der Golf (350 L), und das trotz des Hybridantriebs.
Der Motor wird zwar ab 100 km/h und Vollgas lauter aber nicht aufdringlich. Mein 5er Golf ist bei dem Tempo viel lauter.
Das kommt daher, weil der Wagen unter 100km/h sehr leise ist, und ein "hochdrehen" des Antriebs bei Vollgas auffällt.

Ich persönlich würde den Lexus jederzeit gegenüber einem Diesel vorziehen. Warum?
- Verbrauch 4-5 Liter
- Steuerlich günstig wegen dem extrem niedrigen CO2-Ausstoss
- keine krebserregenden Abgase
- geringere verschleißanfälligere Teile: Anlasser, Lichtmaschine, Kupplung fehlen, kein Bremsenverschleiß durch die Bremsrekuperation (Energierückgewinnung beim Bremsen)
Beim Diesel dagegen sind die Injektoren, Krafstoffpumpen, Turbolader, Rußpartikelfilter extrem anfällig. Die im Falle eines Defekts so viel kosten wie ein neuer Dacia.
Langzeitqualität ist beim Lexus erheblich besser.
Wenn Sie mir nicht glauben, fragen Sie mal einen Taxifahrer der einen Prius fährt!
Dass Lexus nicht viele Autos verkauft kommt daher, dass er weitgehend in Deutschland unbekannt ist. Auch ich hielt Lexus bis vor kurzem für ein amerikanisches Auto.
Qualitativ ist die Marke besser wie die deutschen Premium-Anbieter.
Siehe die amerikanische J.D.Power-Studie über Fahrzeugqualität!
Lexus gewann diese prestigeträchtige Studie schon 14mal als Gesamtmarke. Wo stehen die "A-B-Ms"? Nur im Mittelfeld!

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