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14.11.2013

10:07 Uhr

Lexus IS 300h im Autotest

Das Schaf im Wolfspelz

VonSebastian Schaal

Mehr Schein als Sein? Optisch trägt der Lexus IS mit seiner fast schon aggressiven Front dick auf – ganz anders als bisherige Lexus-Modelle. Doch ist der Wagen auch so sportlich, wie es die Fassade verspricht?

Hybrid-Limousine mit aggressivem Auftritt: Ist der Lexus IS 300h wirklich so sportlich, wie er aussieht? Sebastian Schaal

Hybrid-Limousine mit aggressivem Auftritt: Ist der Lexus IS 300h wirklich so sportlich, wie er aussieht?

Es war immer dasselbe mit Lexus: Egal ob mit SUVs, kleinen oder großen Limousinen oder einem Kompaktwagen: In dem Premium-Markt, der von den deutschen Herstellern dominiert wird, hatte die Edel-Marke des Toyota-Konzerns wenig zu lachen.

Die Autos waren stets gut, keine Frage. Bei der Verarbeitung mussten sich die Japaner selten vor den deutschen Premium-Wagen verstecken, und zuverlässig waren sie auch, wie die meisten Kundenzufriedenheits-Barometer zeigen. Nur eines waren die Lexus-Modelle oft – bieder. Kurzum: Wer einen Lexus gefahren ist, fiel im Straßenbild nicht auf.

Und jetzt steht der neue Lexus IS in unserer Garage. Mit seinem weit aufgerissenen Maul - in PR-Texten ist an dieser Stelle vom Diabolo-Kühlergrill zu lesen - sieht die Mittelklasse-Limousine bereits im Stand so aus, als wolle sie einen BMW M3 oder Audi RS4 auf der Stelle verschlingen. Die dynamisch-gepfeilten LED-Tagfahrlichter und die zerklüfteten Lufteinlässe rund um die Nebelscheinwerfer tragen das Ihre zum aggressiven Auftritt des IS bei. Wow, diese Front ist ein echtes Statement.

Die entscheidenden Fragen und Antworten zum Lexus IS 300h

Alltagstauglich?

Das Platzangebot im Innenraum ist mehr als ausreichend, der Kofferraum des Hybrids fasst alltagstaugliche 450 Liter. Auch der Verbrauch ist im Rahmen, ein echtes Sparmobil ist der IS 300h aber nicht.

Das schönste Detail?

Man glaubt es kaum: Das schönste Detail ist ein profaner Schaltsack. Lexus hat sich endlich von der unschönen offenen Schaltkulisse seiner Automatik-Wählhebel verabschiedet und dem IS ein kleines bisschen mehr Leder spendiert als zum Beispiel dem größeren GS. Sieht gut aus.

Enttäuschend?

Wie schnell dann doch immer wieder der Benziner anspringt. Wer rein elektrisch auf Stadt-Tempo beschleunigen will, wird zum Verkehrshindernis. Und das kann in einem Auto mit 223 PS nicht der Anspruch sein.

Ist er's wert?

Den IS 300h gibt es ab 36.700 Euro. Das ist für dieses Auto sicher ein fairer Tarif. Um aber in den Genuss aller hier beschriebenen Extras zu kommen, werden es mehr als 45.000 Euro. Da dürfte der ein oder andere Autokäufer wieder ins Grübeln kommen, ob er doch nicht einen deutschen Wagen nimmt.

Sound?

Lexus muss dem Vierzylinder im „Sport“-Modus mit künstlichen Motorgeräuschen aus den Lautsprechern unter die Arme greifen. Sagt alles.

Wie grün ist das Auto?

Die Verbräuche liegen egal ob mit zurückhaltender oder sportlicher Fahrweise auf dem Niveau eines vergleichbaren Dieselmotors. Der Aha-Effekt des lautlosen Anfahrens ist zu kurz, um nachhaltig als Öko-Mobil zu überzeugen. Da müsste dann schon ein Plugin mit deutlich höherer Elektro-Reichweite folgen.

Vorbildlich?

Die Verarbeitung im Innenraum. Ja, hier wird Audi meist als Maß der Dinge herangezogen. Aber der IS muss sich in diesem Punkt nicht mehr verstecken.

Was sagt der Nachbar?

Ihm fällt die aggressive Front auf – negativ. Dennoch lässt er sich auf eine kleine Führung durch den Innenraum ein. Sein Fazit: Der IS hätte das Potenzial, seine C-Klasse zu ersetzen. Für ihn ist die Optik aber zu viel – ein KO-Kriterium.

Wer guckt?

Das Design an der Front polarisiert. Mir gefällt es, dem Nachbarn nicht. Aber es fällt auf. Deshalb drehen sich in der Stadt und auch auf der Autobahn einige nach dem unbekannten Gesicht um.

Wie fährt er sich?

Deutlich gemütlicher, als es die Optik vermuten lässt. Mit seinem entspannten Antrieb und gediegenem Innenraum würde der Lexus ganz ordentlich als Rentnerauto taugen – nur dafür ist er etwas zu auffällig gestylt.

Wo gehört er hin?

Der IS ist eine Mittelklasse-Limousine – und taugt damit genauso wie A4, 3er oder C-Klasse sowohl für die Langstrecke als auch den Stadtverkehr.

Auch am Heck sind die Lexus-Designer ihrer flotten Linie treu geblieben, langweilig sieht anders aus. Müssen sich die Power-Ableger von Audi, Mercedes und BMW etwa warm anziehen? Vorerst noch nicht, denn fette Auspuffrohre suchen Sie beim Lexus vergebens. Stattdessen weist der kleine Buchstabe am Ende des Schriftzuges auf etwas ganz anderes hin: Der IS 300h hat keinen leistungsstarken Sechs- oder Achtzylinder, wie es die Optik vermuten lässt. Unter seiner Haube schlagen zwei Herzen: Ein Vierzylinder-Benziner mit 181 PS und ein Elektromotor, der nochmals 143 PS beisteuert.

Nach dem Druck auf den Startknopf bleibt der Verbrenner hybrid-typisch stumm, der IS 300h rollt rein elektrisch aus der Parklücke. Doch schon bei der Ausfahrt aus unserer Tiefgarage springt der Benziner an: Die Rampe an der Schranke ist zu steil, der Benziner greift dem Elektromotor unter die Arme.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

14.11.2013, 12:02 Uhr

Ausstattungsbereinigt wird der Preisunterschied noch drastischer.

Qualität und Zuverlässigkeit von Lexus liegt allgemein (klassenbezogen) über den deutschen Premiummarken. Außerdem: Hierzulande liegen Mittel- und Oberklasse der deutschen Premiummarken überwiegend und fest in der Hand der Dienstwagenfahrer, also Leasingflotten.
Das sieht z.B. in Nordamerika völlig anders aus.

Neutrum

14.11.2013, 15:38 Uhr

Der Auto hat - wie große Teile der deutschen Presse - offensichtlich nicht verstanden, worum es beim Hybrid-System geht. Möglichst lange elektrisch zu fahren ist NICHT der Sinn. Die Idee dahinter ist, den Verbrenner durch die elektrische Antriebseinheit in den kritischen Bereichen (Anfahren, Rollen im Leerlauf, Stop and Go) zu unterstützen.

"...mit künstlichen Motorgeräuschen aus den Lautsprechern unter die Arme greifen. Sagt alles."
Den Soundgenerator kann ja auch abschaltet werden und soll wohl denjenigen "helfen", die mit dem durch das Planetengetriebe gleichbleibenden Motorgeräusch Probleme haben. Im Übrigen, der M550d und der M5 (!) haben ebenfalls einen Soundgenerator - sagt das auch alles?

Es wäre schön, wenn die deutsche Presse für inländische wie ausländische Fabrikate dieselben Maßstäbe ansetzen würde.

Realpremiumfan

14.11.2013, 19:42 Uhr

Man muss erst verstehen dass diese Autos nichts für die Put the Pedal to the Metal Dieseltreckervertreterfraktion gedacht sind. Diese Klientel wird hervorragend von den deutschen Premiumhersteller bedient. Jedem das Seine.

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