Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.04.2006

11:00 Uhr

Lotus Exige

Beinharter Briten-Bolide

VonChristoph Hus

Der Lotus Exige, den Kohlsaat heute für das Weekend Journal testet, mutet an wie ein minimalistischer Spielzeug-Rennwagen. Easyjet-Deutschlandchef John Kohlsaat testet den Lotus Exige. Und entdeckt lauter Parallelen zu seiner Billig-Fluglinie.

Mehr Spaß, weniger Kofferraum: Lotus Exige Baujahr 2006. Foto: ap

Mehr Spaß, weniger Kofferraum: Lotus Exige Baujahr 2006. Foto: ap

KÖLN. Seinen kleinen schwarzen Rollkoffer hätte John Kohlsaat besser zu Hause gelassen. Doch heute Morgen hat der Deutschland-Chef der Fluggesellschaft Easyjet offenbar keinen Gedanken daran verschwendet, dass es Gepäckfächer geben könnte, die noch kleiner sind als die in seinen Flugzeugen.

Nun steht Kohlsaat vor dem Dortmunder Flughafen und schaut etwas ratlos unter die Heckklappe des Lotus Exige, der dort parkt: nichts als ein kleines Loch von etwa vierzig mal zwanzig Zentimetern.

Dieses Spaßauto ist nicht einmal dafür vorgesehen, mit kleinem Gepäck zu verreisen – geschweige denn mit großem. Doch Kohlsaats Koffer muss mit. Schließlich will der Easyjet-Manager später in Köln seinen Flug nach Hause bekommen. Also quetscht der 41-Jährige das Gepäck unter Einsatz seines ganzen Körpergewichts in die Koffermulde, bis das Dichtungsgummi mit einem widerwilligen Quietschen nachgibt.

Jetzt wird es auch für Kohlsaat eng. Mit einer Verrenkung zwängt er sich durch die enge Fahrerluke, lässt sich auf den steinharten Sitz plumpsen und zieht mit beiden Händen sein linkes Bein nach.

Kaum hat er den Lotus unter lautem Motorengetöse an staunenden Passagieren vorbei vom Flughafengelände gesteuert, wagt der Manager schon ein erstes Urteil: „Dieses Auto ist reduziert auf das absolut Notwendige – ein ähnliches Konzept wie das von Easyjet. Und es ist sehr direkt.“

Der Lotus Exige, den Kohlsaat heute für das Weekend Journal testet, mutet an wie ein minimalistischer Spielzeug-Rennwagen. Die steil ansteigende Front mit den Comic-Augen-Schweinwerfern und das pummelige, spoilergekrönte Heck lassen den Briten-Boliden fast albern aussehen. Wer drinsitzt, stört sich nicht mehr daran. Denn dank seiner Leichtbauweise wiegt das Auto nur 875 Kilogramm – und ist entsprechend flink und spritzig.

Auf der Autobahn Richtung Köln lässt Kohlsaat es erst einmal ruhig angehen, denn der Verkehr ist einfach zu dicht. Doch kaum tut sich auf der Überholspur eine Lücke auf, tritt der Manager bei 170 Sachen und 7 000 Umdrehungen im vierten Gang noch einmal kräftig aufs Gas. Der Turbo katapultiert den Lotus nach vorn, der Motor brüllt.

Und Kohlsaat ist glücklich: „Diesen Wagen muss man hochtourig fahren“, gluckst er. Und dann lobt er die Qualitäten des Exige: jung, britisch, schnell, laut und farbig. „Insgesamt ein angenehm jugendlicher Auftritt.“

Der gebürtige Hamburger ist seit einem Jahr Deutschland-Chef des britischen Billigfliegers Easyjet. Die Fluglinie mit dem orangefarbenen Logo ist hinter Ryanair die Nummer zwei der Tiefstpreis-Branche.

Das Geschäftsmodell ist einfach: Flugzeuge müssen nach der Landung schnell wieder in der Luft sein. „In Liverpool schaffen wir das innerhalb von zwölf Minuten“, berichtet Kohlsaat.

Bei der Konkurrenz von Lufthansa oder British Airways ist ein Flugzeug im Durchschnitt acht Stunden pro Tag in der Luft. Anders bei Easyjet: „Bei uns fliegt ein Flugzeug etwa zwölf Stunden täglich“, sagt Kohlsaat. So beträgt der Durchschnittspreis pro Strecke und Passagier bei Easyjet nur 60 Euro. Dafür können Reisende die Sitze in den Flugzeugen nicht mehr nach hinten kippen. Und müssen für Kaffee bezahlen.

Während sich die A1 durch das Bergische Land schlängelt, hat sich Kohlsaat endgültig in den Lotus verliebt: „Ist es nicht schön, wenn man bei Tempo 160 noch zwei Gänge übrig hat?“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×