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15.11.2012

09:27 Uhr

Maserati Gran Turismo Sport

„Riecht wie im Schuhladen“

VonOliver Stock

Der Maserati Gran Turismo Sport polarisiert, nicht nur wegen der blauen Farbe. Die italienische Luxuskarosse begeistert die Damen mit ihrer Ausstattung. Herren hören genauer hin und erleben eine Kathedrale des Sounds.

Kaffee gefällig? Kaouter Rifai ist Restaurantfachfrau beim Nobel-Italiener und Expertin für alles Italienische. Aus diesem Auto will sie nicht mehr aussteigen, sondern lässt sich zur Abwechslung einmal von Autotester Oliver Stock bedienen.

Kaffee gefällig? Kaouter Rifai ist Restaurantfachfrau beim Nobel-Italiener und Expertin für alles Italienische. Aus diesem Auto will sie nicht mehr aussteigen, sondern lässt sich zur Abwechslung einmal von Autotester Oliver Stock bedienen.

DüsseldorfBlau. Warum ist dieser Bolide leuchtend blau? Gut  -  Rot trägt die italienische Konkurrenz von Ferrari bis Alfa. Aber Schwarz oder ein elegantes Grau stünde diesem Maserati Gran Turismo Sport garantiert besser. Dieses Blau springt ins Auge, wie ein Tintenfleck auf der weißen Hose, denn der Wagen ist auffällig genug: Die tiefgezogene Schürze mit dem geöffneten Haifischmaul und dem Maserati Dreizack vorne erträgt keiner lang in seinem Rückspiegel. Von hier sind es 4,88 Meter bis zu den Dioden-Rückleuchten.

Das Coupé dazwischen ist elegant, harmonisch und mit geschwungener Linie gezeichnet. Aston Martin und der moderne Jaguar E-Type lassen grüßen. Understatement allerdings sieht anders aus. Wer die Modelle aus Bologna aus den neunziger Jahren kennt, erinnert sich an unauffällige Typen, die innere Werte besaßen. Ein Maserati protzte nicht, sondern ein Maserati beeindruckte die, die ihn chauffierten und die, die seine Rücklichter sahen. Und jetzt dieses Geschoss in Blau.

Ich setze mich hinein. Es duftet nach Leder, unweigerlich möchte ich mit meiner Hand die hellen Sitze befühlen. Dieses Cockpit ist kein Schlafzimmer und kein Arbeitsraum – es ist die gute Stube. Hier haben die Hausherren alles zur Schau gestellt, was sie zu bieten haben: Ein Lenkrad aus kaltem Karbon, das oben in der Mitte einen silbernen Streifen trägt. Später wird mir ein Mann vom Fach erklären, dass Rennfahrzeuge diesen Streifen tragen, falls sie ins Fliegen kommen. Dann muss der Pilot darauf achten, die Markierung genau in der Mitte zu halten, damit beim Aufsetzen die Räder geradeaus fahren.

In der Mitte sind Radio, Navi und Belüftung untergebracht. Sie bestätigen im Laufe der Testwoche den ersten Eindruck: Die Bedienung ist nur mit Handbuch möglich. Und wer liest schon Handbücher, wenn er gerade von null auf hundert in 4,8 Sekunden beschleunigt? Über der Bedientafel tickt dafür eine brave, ovale, silberne Uhr. Eine Homage an frühere Modelle. Die Uhr hat sich nie verändert und ist wie Omas heilige Keksdose in der Wohnzimmervitrine drapiert.

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Alltagstauglich?

Bedingt. Der Maserati hat großen Durst, was Fahrern mit entsprechenden Geldbeutel gleichgültig sein mag. Tanken müssen sie allerdings trotzdem. Als Sportwagen liegt das Auto so tief auf der Straße, dass die vordere Schürze schnell aufsetzt. Entweder beim Abwärtsfahren und unten Ankommen im Parkhaus. Oder schlicht an der Bordsteinkante.

Das schönste Detail?

Der silberne Ring oben im Lenkrad. Er sagt mir: Halt mich stets oben in der Mitte, wenn Du abhebst. Du fährst dann schnurgeradeaus, wenn Du wieder aufsetzt.

Enttäuschend?

Entlüftungsgitter in den vorderen Kotflügeln, die nur Attrappen sind. Warum hat es so ein Supersportwagen nötig auf Fassade zu setzen? Ich komme mir verulkt vor.

Ist er's wert?

Ein Auto, dass mich von A nach B bringt, lenkt und bremst, gibt es neu für 8500 Euro. Nach fünf Jahren ist es knapp die Hälfte wert. Alles andere ist Luxus. Luxus ist schön und nach oben unbegrenzt. Wer 120 000 Euro ausgeben will, bekommt dafür vor allem die Gewissheit geboten, zu exklusiven Kreis derjenigen zu gehören, denen das Vergnügen dieses Geld wert ist.

Sound?

Genial. Fantastisch. Markerschütternd. Betörend. Kraftstrotzend. Unvergesslich. Hungrig. Brutal.

Wie grün ist das Auto?

Falsche Frage. Aber gut, wenn es sein muss: Überhaupt nicht. 24 Liter Verbrauch im Stadtverkehr und immerhin noch 15,5 Liter im Durchschnitt - und das nach Herstellerangaben, ist kein diskutabler Wert. Ein CO2-Ausstoß von 360 Gramm pro Kilometer auch nicht.

Vorbildlich?

Die Abstimmung von Motor, Getriebe und Fahrwerk ist hervorragend. Der Wagen liegt satt auf der Strasse, er bleibt trotz seiner Größe extrem handlich und das Getriebe schaltet vor allem in der Sporteinstellung wunderbar.

Was sagt der Nachbar?

Ein echter Hingucker. Die Nachbarn freuen sich mit mir. Und die Nachbarin erst! Aber gut - wir sind in Düsseldorf. Rheinischer Kapitalismus gepaart mit karnevalistischem Gemüt hat für dieses Auto echt etwas übrig. Auf einem Berliner Radweg würde ich dagegen lieber nicht parken.

Wer guckt?

Der, der Autos mag. Der, der echte Leckerbissen von denen unterscheiden kann, die nur so zurecht gemacht sind. Die anderen gucken zwar auch, aber die gucken immer. Und tatsächlich lässt das Auto nicht nur Männer-, sondern auch Frauenherzen höher schlagen. Jedenfalls manchmal.

Wie fährt er sich?

Entspannt, jedenfalls dann, wenn der Fahrer nicht dauernd versucht, in Grenzbereiche vorzudringen. Da sie so weit entfernt liegen, steigt der Reiz zu erfahren, wo sie denn tatsächlich beginnen. Das ist aber keine gute Idee. Schon aufgrund der Straßenverkehrsordnung.

Wo gehört er hin?

Auf die Autobahn. Für eine schnelle, weite Reise - ideal. Und vor's Café bei Sonne. Der Fahrer selbst sitzt etwas abseits am Tischchen und genießt die Blicke, die sein Gefährt auf sich zieht.

Schwarzes Karbon auf den Innenverkleidungen der Türen zeichnen diese „S-Klasse“ aus. Mein Eindruck: Der Innenraum ist schön, aber etwas weniger wäre mehr gewesen. Auch wenn ich in einem Gran Turismo sitze, überwiegt der Sportwagencharakter des Wagens und ich mag es puristischer. Der Porsche Panamera, in dem ich neulich saß, kommt mit gefühlt weniger Knöpfen daher, obwohl bei ihm die beiden hinteren Sitze einzeln verstellbar sind. Dieser Maserati wildert mit einem Grundpreis von 112.000 Euro im gleichen Revier. Den Vergleich muss er aushalten.

Ich stecke den Schlüssel ins Schloss. Ein leichter Druck – und was nun passiert, ist großes Kino. Oder besser großes Konzert: Es sind die Bläser, die sich nicht erst langsam mit dem Gaspedal zum Crescendo steigernd emporarbeiten, sondern die unmittelbar, als würde ein Trompetenventil unter dem angestauten Druck nachgeben, einen ohrenbetäubende Fanfarenstoß von sich geben.

Die Sport-Variante trägt das Carbon an Außenspiegeln, Türgriffen und Heckspoiler offen zur Schau. Sebastian Schaal

Die Sport-Variante trägt das Carbon an Außenspiegeln, Türgriffen und Heckspoiler offen zur Schau.

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