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01.05.2014

07:43 Uhr

Mazda 3 Stufenheck im Handelsblatt-Test

Früher war doch nicht alles besser

VonFrank G. Heide

Es muss nicht immer Golf sein. Wer kompakt, aber bewusst anders fahren will, hat viele Alternativen. Der neue Mazda 3 ist eine der dynamischsten und eigenständigsten. Und er zeigt, wie weit die Japaner gekommen sind.

Der Nachbar ist Rentner, und sagt, er braucht keinen Neuwagen. Nicht, dass ihm der neue Mazda 3 nicht gefallen würde. Aber der alte 323 von 1989 funktioniert tadellos. Ein großes Lob für den Hersteller, ein schlechtes Argument für Autoverkäufer. Frank G. Heide

Der Nachbar ist Rentner, und sagt, er braucht keinen Neuwagen. Nicht, dass ihm der neue Mazda 3 nicht gefallen würde. Aber der alte 323 von 1989 funktioniert tadellos. Ein großes Lob für den Hersteller, ein schlechtes Argument für Autoverkäufer.

DüsseldorfSeit stolzen 24 Jahren fährt mein Nachbar einen Mazda 323. Dem freundlichen Rentner gefällt aber auch der neue Mazda 3, mein aktueller Testwagen. Beide Modelle sind viertürige Stufenheck-Limousinen. Und sie kämpfen heute, wie schon damals, in der schwersten Klasse am deutschen Automarkt: Im Kompaktsegment. Wir haben die Fahrzeuge mal gegenübergestellt.

Was sich in der so genannten Golf-Klasse getan hat, lässt sich am besten an dem betagten 1988er Stufenheck ablesen (oben rechts im Bild), das aus zweiter Hand erworben wurde. Es hat einen Kat. Und ein nachgerüstetes Radio, mit Kassettendeck. Weitere Extras sind nicht bekannt. Am Kofferraum hat der Erstbesitzer einen Spoiler angeschraubt, der mittlerweile etwas ausgeblichen, so wie die Stoffsitzbezüge. Ansonsten steht der Garagenwagen, der stets anstandslos über den TÜV kam, da wie eine Eins. Aber auch wie die pure Langeweile aus Blech.

Fast alle Extras inklusive

Um gegen den Golf II, respektive Jetta anzutreten reichte die spartanische Ausstattung damals, der Wettbewerb lief über den Preis. Das ist zwar heute noch immer so, doch die Japaner fahren nun ganz andere Geschütze auf. Um mitzuhalten, hat der aktuelle Mazda 3-Testwagen mit der Bezeichnung Skyactiv-G 120 Limousine unter anderem ein Head-up-Display an Bord, Stabilitäts- und Traktionskontrolle, Berganfahrassistent, Reifendruckkontrolle, Start-Stop-Automatik, schlüsselloses Zugangs-und Startsystem, Zweizonen-Klimaautomatik, Bi-Xenon-Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht, Bose-Hifi-System, Einparkhilfe, Spurwechselassistent, Licht- und Regensensor, dreistufige Sitzheizungen und ein City-Notbremssystem, um nur einige Extras zu nennen, die alle in der Sports Line-Ausstattung (23.990 Euro) bereits enthalten sind. So eine Art All-inclusive-Auto also.

Und wie findet der Nachbar das? Auch er denkt zunächst an den Preis: Für 7.500 D-Mark hat er seinen treuen 323 damals aus erster Hand bekommen. Der Preis des Testwagens liegt mit einigen zusätzlichen Extras bei 28.470 Euro. Und da der Rentner noch immer in D-Mark umrechnet relativiert sich für ihn der Sinn der ganzen Extras doch sehr stark. 

Nach eingehender Begutachtung steht für den Nachbarn fest: „Ein dolles Ding, der Neue.“ Was die heute alles in die Autos einbauen, staunt er. Aber das mit dem Head-up-Display (HUD) kommt ihm ein bisschen wie im Kampfjet vor.

Aus aktueller Sicht ist aber vor allem das HUD ein echter Kracher. Klar, das ist nur eine hochgeklappte kleine Plastikscheibe mit türkisfarbenen Zahlen und Symbolen drauf, doch sie leistet hervorragende Dienste, und muss auch gar nicht hochwertiger sein.

Ohne den Blick vom Verkehr zu nehmen, kann der Fahrer hier die gerade wichtigsten Informationen ablesen. Geschwindigkeit, Navi-Vorschläge, Warnungen von Fahrassistenz- und Sicherheitssystemen. Dass Mazda es in der Kompaktklasse anbietet, ist fast schon ein Alleinstellungsmerkmal. Nun wird niemand nur wegen dieses Extras eine Kaufentscheidung treffen, aber es zeigt eindrucksvoll, wie ernst die Japaner den beinharten Wettbewerb in der Golf-Klasse nehmen.

Sie haben das gesamte Cockpit des modern und sehr sportlich-edel auftretenden Stufenhecks voll auf den Fahrer ausgerichtet. Der zentrale und sehr gut ablesbare Drehzahlmesser steht im Mittelpunkt der Displays, fast wie in einem echten Sportwagen.

Die wichtigsten Fragen

Alltagstauglich?

Ja, mit kleinen Einschränkungen. Der Kofferaumm ist arg niedrig und lang geraten. Um durch die hinteren Türen einzusteigen muss man einen sehr tiefen Diener machen.

Das schönste Detail?

Das Head up-Display. In der Kompaktklasse noch eine Seltenheit. Damit sammelt Mazda Punkte.

Enttäuschend?

Der sechste Gang. Offenbar als reiner Spritspargang ausgelegt macht er Überholvorgänge und Beschleunigungsmanöver zur Qual.

Ist er`s wert?

Ja. Den kleinsten Mazda 3 gibts ab 18.000 Euro Listenpreis, der fast voll ausgestattete Testwagen war rund 10.000 Euro teurer. Dafür hat er aber wirklich unglaublich viele Extras an Bord.

Sound?

Völlig unaufdringlicher Motorsound vom 120 PS-Benziner und gute Geräuschdämmung auch bein hohen Geschwindigkeiten. Sehr satter Klang von der bassstarken Bose-Hifi-Anlage.

Wie grün ist das Auto?

Nicht besonders. Als 120 PS-Benziner erreicht die Skyactiv-Bauweise Effizienzklasse "B". Der Normverbrauch von 5,1 Liter Super entspricht einem Ausstoß von 119 Gr. CO2/km. Der Alltagsverbrauch lag aber deutlich höher. Der getestete Mazda 3 erfüllte noch nicht die kommende Schadstoffklasse Euro 6.

Vorbildlich?

Materialien und Verarbeitung im Innenraum sind top. Ja, hier wird der VW Golf meist als Maß der Dinge herangezogen. Und der Mazda 3 muss sich in diesem Punkt nicht mehr verstecken.

Was sagt der Nachbar?

„Zwei Monitore auf dem Armaturenbrett. Ist das nicht ein bisschen viel?“

Wer guckt?

Hauptsächlich Besitzer älterer Mazda-Modelle. Fragt man aber nach, wie der Wagen gefällt, finden auch Fahrer anderer Marken das Design sehr modern und gelungen.

Wie fährt er sich?

Gutmütig und neutral. Das Fahrwerk meistert alle Alltagssituationen mit Bravour und zeigt keine negativen Auffälligkeiten. Aber gefühlt weniger Dynamik als im Seat Leon oder VW Golf.

Wo gehört er hin?

Früher kauften nur alte Menschen ein viertüriges Stufenheck. Vom Design her passt dieser Wagen aber auch auf den Uni-Parkplatz.

Auch viel schwarzes Leder und rote Ziernähte zählen zu der Ausstattungslinie Sports Line, die aus dem Wagen innen optisch fast einen GTI macht. Keine Frage: Mazda gibt sich richtig viel Mühe, hochwertig aufzutreten. Dazu passt das cremefarbene, perforierte Leder, das den voll elektrisch einstellbaren Fahrersitz edel, aber auch ein bisschen empfindlich wirken lässt.

Schwarze Kunststoff-Einlagen im Sichtcarbon-Look an den Türverkleidungen und im Lenkrad unterstreichen den sportlichen Charakter. Das alles wirkt vor allem wirklich liebevoll im Detail gestaltet.

Das Lenkrad lässt sich extrem weit und gut verstellen, und liegt gut in der Hand. Leider sind zu viele Knöpfe integriert, aber das ist ja mittlerweile sehr in Mode.

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