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19.09.2013

09:16 Uhr

Mazda MX-5

Machen Sie sich bitte schon mal frei

VonAlexander Möthe

Mythos Mazda MX-5: 1989 war er eine Roadster-Reinkarnation, heute ist schnittige Japaner ein lebendes Fossil. Und gerade das macht ihn attraktiv. Wenn die Sonne lacht, ist er für den Alltag fast zu schade.

Sommer, Sonne, Roadster: Diesen Wunsch vieler Auto-Fans bedient Mazda schon seit 1989 erfolgreich mit dem Miata, auch MX-5 genannt. Sebastian Schaal

Sommer, Sonne, Roadster: Diesen Wunsch vieler Auto-Fans bedient Mazda schon seit 1989 erfolgreich mit dem Miata, auch MX-5 genannt.

DüsseldorfAls Mazda 1989 begann, seinen mittlerweile legendären MX-5 auf den Markt zu werfen, war das Segment des klassischen Roadsters praktisch tot. Der Alfa Romeo Spider galt als hoffnungslos veraltet, Anhänger des handlichen Cabrios deckten sich bis weit in die 1990er-Jahre mit Triumph Spitfire oder ähnlichen Oldtimern ein. Offener Zweisitzer, das hieß bestenfalls Targa, also mit abnehmbaren Dach – oder führte direkt in die Preisklasse eines Mercedes 500 SL.

Der Mazda ist in der Tat so etwas wie ein lebendes Fossil. Die Japaner verweigern sich einem Turbo ebenso wie ausladender Innenausstattung. Wo andere Hersteller mit Heimkino-reifen Extras locken, quetscht Mazda zähneknirschend ein Gerät in den Dauerbrenner, was CD, MP3 und Navigation kann – aber nicht so recht möchte.

Wo andere Hersteller das Design grundlegend verändern, bleibt Mazda seit fast 25 Jahren bei seiner Linie. Wo andere Hersteller immer mehr Leistung aus immer kleineren Motoren pressen, hat das Einstiegsmodell jetzt die Leistung des Spitzenmodells von Anno 1989. Das hat durchaus seinen Charme, denn die Japaner vermitteln damit, dass nach Empfinden aller Beteiligten Personen bei der Konstruktion verdammt viel richtig gemacht worden ist. Den MX-5 in seinem Wesen kritisieren zu wollen wäre dann in etwa auch so, als wolle man der Evolution erklären, wie der Hai zur besseren Fressmaschine wird.

Handelsblatt Online hat den MX-5 in der kleinen Motorvariante gefahren, das heißt: 1,8 Liter, 126 PS auf rund 1,2 Tonnen Leergewicht. Heckantrieb, versteht sich. Bis auf die optionalen Ledersitze und die Freisprecheinrichtung ist alles einfache Serie. Das ist sympathisch, denn schließlich muss ein Auto nicht nur bei maximaler Aufrüstung überzeugen. Und auch der Hersteller scheint von seinem Produkt entsprechend angetan.

Der erste Eindruck: schick. Geliefert wurde in „Carminarot“, das irgendwo zwischen Bordeaux und Purpur liegt und über das eine Freundin später sagen wird, was für eine tolle Farbe es sei. Überhaupt entpuppt sich der MX-5 im Testverlauf immer mal wieder als Frauenschwarm. Nicht, dass es eine Aufreißer-Karre wäre. Vielmehr schauen dem geschmeidigen Reittier mehr Frauen als Männer hinterher. Und vergleichsweise oft sitzen auch selbst Damen am Steuer. Andererseits hat es der „Miata“ auch schon in das EA-Rennspiel „Need for Speed“ geschafft – irgendwo muss er also auch etwas mit Adrenalin und Testosteron zu tun haben.

Der Mazda ist ehrlich. Er gaukelt nichts vor. Reinsetzen und den Alltag vergessen, das ist genau sein Ding. Sebastian Schaal

Der Mazda ist ehrlich. Er gaukelt nichts vor. Reinsetzen und den Alltag vergessen, das ist genau sein Ding.

Der Motorsport verläuft klassisch per Zündschlüssel. Wer beim Druck auf das Gaspedal eine ordentliche Portion Testosteron erwartet, wird enttäuscht. Der MX-5 besitzt zwar zwei ansehnliche Auspuffrohre, statt eines tiefkehligen Grollens lässt der Roadster eher eine Emission Typ Magenverstimmung heraus. Als Anwohner ist man dankbar, als Testfahrer allmählich angefressen, weil akustisch keiner mehr anecken möchte.

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