Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.06.2015

08:56 Uhr

Mazda6-Limousine im Handelsblatt-Test

Lass mich nie mehr los!

VonLukas Bay

Der Mazda6 ist ein ungewöhnlicher Gegner für den sachlich-kühlen Passat aus Wolfsburg. Die Japaner haben in der Mittelklasse einen echten Gewinnertypen gebaut. Doch im Alltag hat er offensichtlich Verlustängste.

Obwohl das Design sehr progressiv daherkommt, ist der Mazda ein echter Exot auf deutschen Straßen. Der Wiedererkennungswert ist bei den meisten Passanten gering. Der erst Blick geht unweigerlich auf das Logo an der Front.

Eindrucksvoller Auftritt

Obwohl das Design sehr progressiv daherkommt, ist der Mazda ein echter Exot auf deutschen Straßen. Der Wiedererkennungswert ist bei den meisten Passanten gering. Der erst Blick geht unweigerlich auf das Logo an der Front.

DüsseldorfIn jeder Klasse gibt es Außenseiter. In der gehobenen Mittelklasse musste bisher der Mazda6 diese Rolle bekleiden. Der blasse Japaner war nie eine besondere Schönheit, kein Schnäppchen. Wer es hochwertig wollte, der griff zum VW Passat, einem biederen, aber zuverlässigen Klassiker. Wer es günstiger wollte, der griff bisher meist zum Ford Mondeo oder Opel Insignia. Dazwischen führte der Mazda6 auf dem deutschen Markt ein Schattendasein. Was auch daran liegt, dass Mazda im so wichtigen Flottenmarkt nicht an vorderster Front kämpft.

Der Mazda6 überzeugte seit seinem Marktstart im Frühjahr 2013 rund 320.000 Kunden. 2014 verkaufte man im Segment der Nicht-Premium-Mittelklasse in Deutschland 7.431 Fahrzeuge, was einem Marktanteil von fünf Prozent entspricht. Doch warum ein Facelift beim Flaggschiff schon nach nur zwei Jahren? Es könnte auch am Mazda2 liegen. Der Kleinwagen kam unlängst mit derart vielen technischen Neuerungen auf den Markt, dass man beim "6er" nicht einfach alles beim Alten lassen konnte.

Und der neue Mazda6 ist ein echter Gewinnertyp geworden. Außen rassig, unter der Haube sportlich - und trotzdem sparsam. Das aufpolierte Spitzenmodell macht schon optisch was her: der rubinrote Metalliclack ist ein echter Hingucker und die 750 Euro Aufpreis definitiv wert. Das zahlen übrigens viele: Laut Hersteller trägt jeder dritte neu verkaufte Mazda ein rubinrotes Blechkleid.

Das vielgelobte Kodo-Design sorgt mit seinen geschwungenen Linien für eine äußerst dynamische Außenoptik. Bei der Ausfahrt in der autoverwöhnten Düsseldorfer Innenstadt schauen mehr Menschen dem Mazda6 hinterher als dem kurz zuvor getesteten Audi TT. Ein Vergleich, der vor Jahren noch einen anderen Sieger gekannt hatte.

Eine wichtige technische Neuerung: Erstmals seit 2007 kann man den Wagen wieder mit Allradantrieb bestellen. Während die Kraft seinerzeit bei den Benzinern an alle Viere ging, bleibt dieser Antrieb diesmal den Autos mit Selbstzünder und ausschließlich der Kombi-Variante vorbehalten. Hinter dem Blechkleid wird dann ein enormer Aufwand betrieben: 27 Sensoren überwachen kontinuierlich die Fahrbahnbedingungen und das Verhalten des Fahrers.

Restwertprognosen im Vergleich von Bähr & Fess Forecasts:

MarkeModellPSNeupreisRestwert 2019Wertverlust
MazdaMazda6 Sports-Line
Skyactive D FWD Auto
17538.690 €46,5%/ 17.991 €20.699 €
OpelInsignis Edition
2.0 CDTI 4x4 Autom.
17035.785 €44,5% / 15.924 €19.861 €
FordMondeo Titanium
2.0 TDCI Autom. Allrad
18038.450 €44% / 16.918 €21.532 €

Auch innen ist der Mazda in der Neuauflage aufpoliert worden. Die elektrisch verstellbaren, weißen Ledersitze wirken edel und elegant – kosten allerdings einen Aufpreis von 2.100 Euro und sind auch nur bei der Spitzenausstattungslinie erhältlich. Doch die ist eine Überlegung wert, denn der Innenraum wirkt in der Sports-Line-Ausstattung deutlich gehobener.

Außerdem neu im Vergleich zum Vorgängermodell: Ab der Ausstattung Exclusive-Line sind Voll-LED-Scheinwerfer inklusive LED-Tagfahrlicht und LED-Nebelscheinwerfer Serie. Unabhängig vom gewählten Ausstattungsgrad ist die elektrische Parkbremse an Bord. Die Sitze wurden verbessert, das Cockpit komplett überarbeitet und der Geräuschpegel deutlich gesenkt.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Alltagstauglich?

Weiße Ledersitze sind vielleicht nicht für jeden Alltag geeignet. Doch insgesamt ist der Mazda6 für fast alles gut gerüstet. Allerdings taugt er eher zum Vertreterauto als zur Familienkutsche.

Das schönste Detail?

Der rubinrote Metallic-Lack. Im tristen Einheitsbrei der Autofarben ein echter Blickfang und trotz der 750 Euro Aufpreis das Geld wert.

Enttäuschend?

Der Sound. Man ist schon nach wenigen Tagen schlichtweg genervt vom vielen Fiepen und Piepsen. Das geht auch eleganter.

Ist er`s wert?

Ja, der Preis des Testwagens ist mit rund 42.000 Euro vielleicht etwas zu hoch für einen Mazda. Doch Qualität und Ausstattung rechtfertigen das auch.

Sound?

Der Skyactiv-Diesel ist im Test sehr laufruhig und fällt bei längeren Autobahnfahrten nie unangenehm auf. Genau so sollte es bei einem Modell für die Langstrecke sein.

Wie grün ist das Auto?

Mit 4,5 Litern Diesel ist der Skyactiv in seiner Klasse einer der sparsamsten. Kein Wunder, dass die Branche auf die Motorentechnologie der Japaner schielt.

Vorbildlich?

Zumindest in seiner Klasse ein bisschen einzigartig, was das Design angeht. Wo sonst die Funktionalität regiert, leistet sich der Mazda6 ein wenig Individualismus.

Was sagt der Nachbar?

„Was haben se denn da für ein feuerrotes Spielmobil?“

Wer guckt?

Erstaunlich viele. Der Mazda6 fällt auf, auch wenn nicht alle direkt wissen, von welchem Hersteller er kommt.

Wie fährt er sich?

Entspannt und sicher. Man kann es gemütlich angehen lassen, aber auch ein wenig die Muskeln spielen lassen, wenn es mal schneller gehen muss. Im Zweifel helfen zahlreiche Sicherheitsassistenten.

Wo gehört er hin?

In Vertreterhände. Der Mazda6 ist bequem, ein wenig ausgefallen und vor allem ein absoluter Kilometerfresser.

Die Steuerung der Bedienelemente funktioniert intuitiv und auch die Bose-Anlage mit elf Lautsprechern kann sich hören lassen. Per Sprachsteuerung oder mit verschiedenen Drehreglern findet man sich im Multimediasystem, das Mazda MZD connect, getauft hat, einfach zurecht. Die Navigation selbst ist – typisch asiatisch – etwas zu verspielt, aber zuverlässig. Und darauf kommt es an.

Den wahren Preis für die gelungene Außenoptik zahlt man allerdings, wenn es unübersichtlicher wird. Die Maße des Mazda6 lassen sich kaum abschätzen: Zwei dicke C-Säulen verengen den Blick nach hinten und um zu wissen wo die Motorhaube aufhört, ist man entweder auf die eigene Erfahrung oder die Einparkhilfen angewiesen. Mit einer Länge von 4,87 ist der große Mazda noch einmal zehn Zentimeter länger als ein Passat.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×