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18.11.2013

11:36 Uhr

Mercedes A-Klasse

Vom Wackelkandidaten zum Musterknaben

Quelle:dpa

Die Mercedes A-Klasse war nach ihrer Markteinführung vor allem durch den verpatzten „Elch-Test“ im Gespräch: Der Kompaktklasse-Wagen neigte zum Umkippen. Doch mit der Zeit ist das Modell immer besser geworden.

Die zweite Generation der Mercedes A-Klasse ist für Gebrauchtwagenkäufer interessant – und deutlich robuster als die Erstauflage. dpa

Die zweite Generation der Mercedes A-Klasse ist für Gebrauchtwagenkäufer interessant – und deutlich robuster als die Erstauflage.

BerlinDie erste Modellgeneration der Mercedes A-Klasse war relativ pannenanfällig. Beim Nachfolger wurden viele Patzer ausgemerzt, die A-Klasse ist über die Jahre immer solider geworden. Das schlägt sich auch in den Statistiken von ADAC und TÜV nieder.

Bei der ersten A-Klasse (Typ W168) gibt es laut dem „TÜV Report 2013“ vor allem Probleme mit den Bremsleitungen und Bremsschläuchen. Häufig wurden bei den Kfz-Hauptuntersuchungen (HU) auch kaputte Rückleuchten bemängelt. Die zweite Generation (W169) schlägt sich dagegen viel besser, die Prüfer haben kaum etwas zu beanstanden. Nur wegen verschlissener Bremsscheiben bekamen viele Exemplare im ersten Anlauf keine Plakette.

Einen ähnlichen Eindruck hinterließ die A-Klasse beim ADAC: Während die Erstauflage in der Pannenstatistik durch zahlreiche Defekte auffiel, wurde die Mängelliste beim Nachfolger deutlich kürzer. In der Statistik von 2008 verpasste das Modell nur knapp den ersten Platz. Bei Dieseln bis 2006 machte die Abgasrückführung Probleme. Darüber hinaus kam es zu Störungen des Motormanagements (bis 2005) und Schaltproblemen des Variotronic-Getriebes (bis 2006).

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Die A-Klasse kam 1997 auf den Markt. Sie wurde ein Jahr später wegen der Fahrwerkprobleme überarbeitet. Die zweite Generation stand 2004 bei den Händlern. Abgelöst wurde sie 2012 von der dritten Auflage, die sich optisch stark vom kastenförmigen Vorgänger unterscheidet.

Mercedes hat das Angebot an Motoren über die Jahre stetig erweitert. Die für Gebrauchtwagenkäufer interessante zweite Generation fährt mit Ottomotoren, die 95 PS bis 193 PS leisten, und 82 PS bis 142 PS starken Dieseln. Mit der dritten Generation gab es noch einmal einen Leistungssprung: Deren Benziner decken eine Leistungsspanne von 122 PS bis 360 PS ab, die Selbstzünder kommen auf 109 PS bis 170 PS.

Auf dem Gebrauchtwagenmarkt ist ein Mercedes A 200 Elegance von 2008 mit 136 PS starkem Benziner für etwa 8.500 Euro zu bekommen. Diesen Richtpreis nennt die Schwacke-Liste bei einer Laufleistung von 67.000 Kilometern. Ein jüngerer und stärkerer A 200 Turbo Avantgarde mit 193 PS von 2010 kostet noch um die 12.600 Euro (43.000 Kilometer). Für einen A 180 CDI Elegance DPF Polar Star von 2006 mit 109 PS starkem Diesel werden noch um die 7.050 Euro fällig (127.900 Kilometer).

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