Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.04.2013

09:30 Uhr

Mercedes A200 im Test

Gentleman mit Warnweste

VonMartin Dowideit

Die neue A-Klasse von Mercedes überholt das Vorgängermodell beim Komfort und überrundet es beim Design. Doch wie sich im Handelsblatt Autotest zeigt, neigt der Wagen auch dazu, den Fahrer zu bevormunden.

Tester und Testwagen Mercedes A-Klasse (links).

Tester und Testwagen Mercedes A-Klasse (links).

DüsseldorfVon rechts zieht der Fahrer eines klapprigen Mercedes aus vergangen Tagen plötzlich in meine Spur und ich habe das Gefühl, er wolle die neue A-Klasse rammen. Vielleicht hat der Fahrer ja ein Problem damit, dass Mercedes mit dem kleinsten Modell der Marke einen Design-Sprung gewagt hat: Weg vom biederen Großvater-Image, hin zum modischen Großstadt-Gefährt mit zackigen Kanten in der Seitenpartie. Es sind nur ein paar Zentimeter, die nach einer Vollbremsung noch zwischen den beiden Fahrzeugen mit dem Stern liegen und eine Delle im Testwagen verhindern.

Eine Delle in der Außenhaut, die so viel Aufmerksamkeit auf dieses Mercedes-Modell gelenkt hat – ein Grafiker unserer Redaktion schnalzt sogar mit der Zunge angesichts des Anblicks. Die Seitenpartie erinnert allerdings an den 1er-BMW, gegen den das neue Modell ebenso antritt wie gegen den A3 von Audi oder den VW Golf. Vorbei ist die Zeit, als die A-Klasse ein Mini-Van war, der vor allem mit der hohen Sitzposition bei älteren Herrschaften punktete.

Beim Beinahe-Crash in Düsseldorf wird mir nach einer kurzen Schrecksekunde klar: Die A-Klasse hat mich gar nicht vor einem möglichen Zusammenprall gewarnt. Sie hat vor dem Beinahe-Crash nicht geblinkt, vibriert oder gepiepst. Der einzige Moment während der zwei Wochen mit dem Wagen, in denen ich mich unsicher gefühlt habe – und ausgerechnet jetzt hat sich der neue Mercedes von dem Uralt-Modell fast überrumpeln lassen.

Laut Datenblatt liegt der Verbrauch bei 5,5 Litern auf 100 Kilometern, im Test – bei teils frostigen Temperaturen – waren es 7,8 Liter.

Laut Datenblatt liegt der Verbrauch bei 5,5 Litern auf 100 Kilometern, im Test – bei teils frostigen Temperaturen – waren es 7,8 Liter.

Denn das Gefühl, überrascht zu sein, kam während der Fahrten in dem Wagen sonst nicht auf. Er ist vollgestopft mit Assistenzsystemen, die etwa Tempo-Schilder automatisch lesen und im Display zwischen Tachometer und Drehzahlmesser anzeigen. Ein Spurhalteassistent lässt das Lenkrad vibrieren, wenn auf der Landstraße oder Autobahn der rechte Pfad verlassen wird ohne zu blinken und beim Einparken helfen Kamera und Abstandswarner. Ein Tote-Winkel-Assistent meldet durch in die Außenspiegel integrierte Lichter und auch durch Warnsignale, ob sich Autos gefährlich nähern.

Die entscheidenden Fragen und Antworten

Alltagstauglich?

Der Wagen versüßt einem den Alltag hier und da: So versetzt den wagen ein kräftiger Druck aufs Bremspedal in den „Hold“-Modus, was an der Ampel ein loslassen der Bremse ermöglicht. Das schont den Fahrer.
Doch andere Details rauben die Alltagsfreude. Die Kofferraumöffnung ist eng geschnitten und die Türen sind so breit, dass das Aussteigen etwa in engen Tiefgaragen erheblich erschwert wird.

Das schönste Detail?

Die Beleuchtung des Innenraums schmückt den Wagen – so sind etwa die Griffmulden dezent ausgeleuchtet.

Enttäuschend?

Ein Schulterblick ist in diesem Auto nicht möglich. Wer etwa vom Steuer aus nach hinten links schauen will, glotzt vor eine mächtige Mittelsäule, die den Ausblick versperrt. Der elektronische Helfer, der vor Fahrzeugen im Toten Winkel warnt, ist daher mehr als nur ein nettes Extra.

Ist er`s wert?

Keine Frage, der Wagen ist elegant und bietet hohen Komfort. Eine Klasse für sich ist er aber nicht.

Sound?

Unauffällig. Erst ab Tempo 120 beginnen die Außengeräusche deutlich spürbar zu werden.

Wie grün ist das Auto?

Im Alltagstest hat der Wagen etwas unter acht Liter E10-Super auf 100 Kilometern verbraucht.

Vorbildlich?

Der Innenraum ist perfekt verarbeitet, der Wagen allerdings unübersichtlich. Das können auch die Assistenz-Systeme wie Einparksensoren und Rückfahrkamera nicht wettmachen.

Was sagt der Nachbar?

Ohne den Stern am Kühlergrill würde nicht unbedingt jeder darauf tippen, dass dieser Wagen ein Mercedes ist. Der Design-Sprung zwischen alter und neuer A-Klasse fällt aber jedem Kenner des alten Modells sofort auf – aber nicht in allen Fällen wohlwollend.

Wer guckt?

Sogar der Grafiker aus der Online-Redaktion – des Designs wegen.

Wie fährt er sich?

Wenn man sich daran gewöhnt hat, dass er einen ordentlichen Tritt aufs Gaspedal braucht, um im 1. Gang vom Fleck zu kommen: wunderbar.

Wo gehört er hin?

In die Einfahrt einer Reihenhaussiedlung.

Doch gerade die Tote-Winkel-Hilfe ist gleichzeitig ein Armutszeugnis für den Wagen: Die Übersichtlichkeit des kleinsten Mercedes wurde dem Design geopfert. Ein Schulterblick ist in dem Fahrzeug überflüssig, da der Mittelpfosten so breit geraten ist, dass das Drehen des Kopfes keinen Sinn macht. Den Eindruck der Enge verstärken die hoch gezogenen Türen – und wer hinten sitzt, dem wird der Ausblick durch die Designlinie des Fahrzeugs ebenfalls erschwert.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Autofahrer

11.04.2013, 10:03 Uhr

Die angebliche Anfahrschwäche kann ich nicht bestätigen. Ich kenne den Motor aus dem B200 und habe ihn als Sahnestück in Erinnerung. Im Gegenteil, durch sein hohes Drehmoment von 250Nm, das schon ab 1250 Upm anliegt, zieht er unten sogar besser heraus als ein Diesel (!). Und im Leerlauf an der Ampel muss man schon auf den Drehzahlmesser schauen, um zu sehen, ob er an ist.

Poukay

11.04.2013, 10:40 Uhr

Ich wusste nicht, dass Mercedes nun auch eine A3 Klasse auf den Markt gebracht hat, oder handelt es sich um einen kleinen ausrutscher der Redaktion?

Der_Henker

11.04.2013, 10:57 Uhr

::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

Der Mercedes A kann nur mit viel PS ,aber das ist auch schon alles. Nach mehreren Tests ist dieser A ein Auto mit Einschränkungen . Der Zustieg zum Fond eine Katastrofe , das Dach sehr weit herunter gezogen ,auch der Gepäckraum läßt sich nur durch die Mitte beladen, weil Rückleuchten weit in die Mitte verbaut sind .Also nur ein A für Schmalbrüstige .

Was nützen viel PS , wenn das Platzangebot nicht stimmt.
Hier hat Mercesdes erkannt ,daß der A für Mehrpersonen auf Dauer nicht zugebrauchen ist (Familien ).

Golf , A3 ,Focus haben da sehr viel mehr Platz.

::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×