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03.07.2014

10:12 Uhr

Mercedes C-Klasse im Handelsblatt-Test

Kleine S-Klasse für zwei

VonSebastian Schaal

Hilfe, Mercedes hat die S-Klasse geschrumpft! Die neue C-Klasse bietet den Luxus des Daimler-Flaggschiffs in der Form einer sportlichen Mittelklasse-Limousine – solange man nicht auf der Rückbank Platz nehmen muss.

Mercedes neue C-Klasse übertrifft ihren Vorgänger in allen relevanten Disziplinen, ist komfortabler, sicherer, intelligenter, luxuriöser und um bis zu 20 Prozent sparsamer. Vor allem aber soll sie für Daimler jüngere Kunden von Audi und BMW weglocken. 

Mercedes neue C-Klasse übertrifft ihren Vorgänger in allen relevanten Disziplinen, ist komfortabler, sicherer, intelligenter, luxuriöser und um bis zu 20 Prozent sparsamer. Vor allem aber soll sie für Daimler jüngere Kunden von Audi und BMW weglocken. 

DüsseldorfAls Mercedes im Mai vergangenes Jahres das Tuch von seiner neuen S-Klasse zog, ließen sich die Manager aus Stuttgart-Untertürkheim nicht lumpen. Schließlich ging es ja um das aus ihrer Sicht „beste Auto der Welt“. Und so eilten 750 geladene Gäste in einen Airbus-Hangar in Hamburg-Finkenwerder, um dort zunächst den Hamburger Symphonikern zu lauschen und danach Weltstar Alicia Keys am Flügel. Viel Aufwand, um ein Auto zu präsentieren.

Wozu der ganze Bohei? Schließlich macht die S-Klasse ein paar Firmenchefs und eine Handvoll Manager aus dem eigenen Haus glücklich, doch das große Geld wird schließlich mit anderen Modellen verdient. Nun, es mag daran liegen, dass Daimler damals auf Umwegen zwei Fahrzeuge vorgestellt hat.

Wer mal in die Verlegenheit kommt, von einer S-Klasse in eine gut ausgestattete, neue C-Klasse umzusteigen, der wird auf den ersten Blick nichts vermissen – bis auf die generösen Platzverhältnisse des Luxusliners.

Die Ledersitze sind Sitze und keine Sessel, auch das ist vornehmlich den Platzverhältnissen geschuldet. Aber sie sind durch und durch bequem, lassen sich millimetergenau einstellen und hochwertig verarbeitet. Die Bedien-Einheiten für Klimaanlage und Navi geben keine Rätsel auf, selbst die Burmester-Soundanlage hat es in den ehemaligen Baby-Benz geschafft.

Letztere kostet mit 922,25 Euro eine ganze Stange Geld, ist aber die wohl günstigste Möglichkeit, an ein Soundsystem aus der Berliner Edel-Manufaktur zu kommen. Zugegeben, die C-Klasse-Lautsprecher werden nicht, wie die anderen Burmester-Teile, in Tempelhof von Hand gefertigt, das wäre bei C-Klasse-Stückzahlen nicht möglich.

Wenn man aber alleine die Mitteltöner in den Türen mit ihren gelochten Alu-Abdeckungen betrachtet, kommt dieses Manufaktur-Gefühl deutlich eher auf als bei den Bose-, Harman-Kardon- oder Bang&Olufsen-Anlagen der Konkurrenz. Ach ja, der Klang überzeugt ganz nebenbei mit satten, aber klaren Bässen und einer feinen Stimmwiedergabe.

Die wichtigsten Fragen

Alltagstauglich?

Ja. Schon der Begriff „Mittelklasse“ klärt, dass es sich um kein extremes Gefährt handelt. Vier, zur Not fünf Erwachsene können mitfahren, hinten auf langen Strecken aber unbequem. Der Kofferraum meistert die häufigsten Alltags-Aufgaben, und in engen Parkhäusern findet sich die C-Klasse zurecht.

Das schönste Detail?

Öffnen Sie mal das Handschuhfach, wenn Sie das „Air Balance“-Paket geordert haben. Der Glasflakon der Beduftungsanlage wird edel von hinten ambientebeleuchtet. Das sieht eher nach Rolls-Royce als nach Dienstwagen-Benz aus.

Enttäuschend?

Ein Mercedes ist immer ein bisschen teurer als ein Audi oder ein BMW. Das mag man der C-Klasse nachsehen, dafür bauen die Stuttgarter mehr von dem Auto selbst und kaufen weniger von Zulieferern zu. Warum aber kosten in so einem Premium-Auto die Aschenberchereinsätze, klappbare Kopfstützen hinten oder ein paar Ablagen noch extra?

Ist er`s wert?

Eine C-Klasse mit einem der Vierzylinder-Diesel ist ein ordentliches Auto. Bei einem Grundpreis von 44.030 Euro für den mit 204 PS stärksten Selbstzünder muss man mit mindestens 50.000 - 55.000 Euro rechnen. Auch die 72.000 Euro unseres Testwagens sind auf ihre Art ihr Geld wert – man hat für diesen stolzen Preis ja so eine Art kleine S-Klasse in der Garageneinfahrt stehen.

Sound?

Motor: Naja, vor allem nach dem Kaltstart brummt der Diesel gut hörbar vor sich hin. Danach unauffällig. Die Burmester-Anlage: Top.

Wie grün ist das Auto?

Eine Limousine, die solch einen Komfort und gleichzeitig diese Fahrleistungen bei 5,0 bis 5,8 Litern Verbrauch bietet, kann man auch ohne moderne Hybrid-Systeme getrost als „grün“ bezeichnen.

Vorbildlich?

In nahezu jedem Wagen, der so vollgestopft mit Sicherheitssystemen und elektronischen Helferlein war, hat früher oder später irgendeines dieser Systeme genervt, weil es doch eher durch Fehlalarme auffällt als durch eine hilfreiche Unterstützung. In der C-Klasse funktioniert aber fast alles reibungsfrei. Nur beim mehrspurigen Abbiegen verliert der Totwinkel-Warner seine gute Kinderstube.

Was sagt der Nachbar?

„Das hat mit meinem alten 190er von damals ja gar nichts mehr zu tun!“

Wer guckt?

Die Ähnlichkeit zur neuen S-Klasse an Front und Heck sorgt sicher für etwas mehr Aufmerksamkeit als beim Vorgänger. So gut wie alle Passanten, die der C-Klasse hinterhergeschaut haben, konnten sich ein gewisses Maß an Anerkennung nicht verkneifen.

Wie fährt er sich?

Dank der Luftfederung fast du komfortabel wie eine S-Klasse. Dank der Luftfederung aber auch fast so sportlich wie ein 3er BMW. Nur eben jeweils „fast“.

Wo gehört er hin?

Die C-Klasse gibt wohl selbst im Outback oder am Nordpol noch eine gute Figur ab.

Noch so ein Bauteil, an dem man sich als Auto-Enthusiast stundenlang in Details verlieren könnte, ist die Klimaanlage. Die Klimaanlage? Die soll im Sommer kühlen und im Winter heizen! Doch das ist zu kurz gedacht. Damit meine ich nicht die effizienteren Gebläse, die 0,3 Gramm Co2 pro Kilometer sparen sollen, so eine Entwicklung ist bei einem neuen Modell erwartbar. Auch die drei Modi für den Luftstrom (diffus, medium, fokussiert) hat es schon in anderen Mercedes-Modellen gegeben.

Die neue Klimaanlage aber denkt mit. Stellt das Auto per Schadgassensor mit, dass die Luft außen schlechter ist als innen, schaltet die Klimatisierung von alleine auf Umluftbetrieb um. Genauso per GPS bei Tunneldurchfahrten, der Fahrer muss für solche „Belanglosigkeiten“ keinen Finger mehr rühren. Noch einen drauf setzt das aus der S-Klasse adaptierte „Air-Balance-Paket“. Aus einem im Handschuhfach platzierten Glasflakon strömt eine von vier Beduftungsnoten mit durch die Düsen in den Innenraum.

Der Innenraum der C-Klasse überzeugt. Die Bedienung ist logisch, die Materialien sind hochwertig. Der freistehende Bildschirm des Comand-Systems erinnert zwar an ein Tablet, hat aber keine Touchscreen-Funktion. Mercedes hält die Ablenkung durch den Touchscreen für zu groß und sein eigenes System für besser. Sebastian Schaal

Der Innenraum der C-Klasse überzeugt. Die Bedienung ist logisch, die Materialien sind hochwertig. Der freistehende Bildschirm des Comand-Systems erinnert zwar an ein Tablet, hat aber keine Touchscreen-Funktion. Mercedes hält die Ablenkung durch den Touchscreen für zu groß und sein eigenes System für besser.

Wie stark die Luft parfümiert wird, kann selbstredend festgelegt werden, in drei Stufen. Dabei ist dieser Duftbaum 2.0 gerade auf der niedrigsten Stufe sehr angenehm, kann aber auch nach Lust und Laune abgeschaltet werden – im Gegensatz zu seinem gedanklichen Vorgänger, der am Innenspiegel baumelte.

Kommentare (1)

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Herr Nicht - Dumm

04.07.2014, 11:11 Uhr

Als nächstes kommt dann eine fahrende Telfonzelle für eine Person mit Mercedesstern auf der Glastür.

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