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26.11.2014

11:20 Uhr

Mercedes CLA Shooting Brake

Für die reife Jugend

VonPeter Maahn
Quelle:Spotpress

Ende März erweitert Mercedes seine Kompaktfamilie um die Kombiversion der viertürigen Coupé-Limousine CLA. Der Shooting Brake soll elegante Sportlichkeit mit hohem Nutzwert verbinden. Sitzprobe im Kombi der A-Klasse.

Achtern sucht man vergebens nach einem stummeligen Stufenheck. Der Shooting Brake endet mit einem Hüftschwung zum Kombi-Hinterteil mit großer Klappe Mercedes-Benz

Achtern sucht man vergebens nach einem stummeligen Stufenheck. Der Shooting Brake endet mit einem Hüftschwung zum Kombi-Hinterteil mit großer Klappe

Der Name Shooting Brake macht ein wenig ratlos und eignet sich beim TV-Millionärsspiel durchaus für den Telefonjoker. Man muss weit zurückgehen, bis man in England fündig wird. So hießen früher jenseits des Kanals die geschlossenen Kutschen mit seitlichen Schießscharten, in denen mehrere Jäger dem Wild nachstellten. Geschossen wird aus dem neuesten Mercedes mit eben jenem Namen zum Glück nicht mehr. Obwohl die Kombi-Coupé-Version des erfolgreichen CLA ein durchaus scharfes Geschoß ist.

Die Modellbezeichnung an sich ist schon vom größeren (und viel teureren) CLS Shooting Brake her bekannt, der allerdings auf deutschen Straßen eher eine Seltenheit ist. Zwei Nummern kleiner in der Kompaktfamilie rund um den Stammvater A-Klasse bediente sich Mercedes jetzt der selben Design-Logik. Vorne grüßt der bekannte CLA, die viertürige Coupé-Limousine. Achtern sucht man vergebens nach einem stummeligen Stufenheck. Der Shooting Brake endet mit einem Hüftschwung zum Kombi-Hinterteil mit großer Klappe.

Ein kompakter Luxus-Laster zum Hingucken, ein Auto mit Vorbildern. Das bekannteste ist der Volvo P 180 ES aus dem Jahr 1971, der sogenannte Schneewittchen-Sarg. Auch er wurde von einem Coupé inspiriert, allerdings einem zweitürigen. Auch der Schwede hatte auffallend schmale Seitenfenster und die schräg gehaltene Hecktür.

Streng genommen ist der CLA Shooting Brake also nichts anderes als der Kombi der A-Klasse. Eine Einordnung, der Marketing-Fachleute unterm Stern vehement widersprechen. Sie sehen den CLA mit vergrößertem Gepäckabteil eher als viertüriges Coupé mit hoher Alltagstauglichkeit. Vertriebsvorstand Ola Källenius sieht im Fünftürer „aktive Kunden, die sich jenseits des Mainstreams sowohl einzigartiges Design als auch hohen Nutzwert wünschen“.  Und Daimler-Designchef Gorden Wagener hält den kleineren Shooting Brake für den Begründer einer neuen Fahrzeugklasse“.

So falsch liegt er damit nicht. In der sogenannten Premiumklasse ist kein Rivale in Sicht. Weder vom BMW 1er noch vom Audi A 3 sind Kombi-Versionen im Angebot. Wer ein kompaktes Auto mit mehr Platz braucht, wird wohl einen VW Golf Variant, einen Ford Focus Turnier oder einen der französischen Lademeister von Peugeot oder Renault ordern. Die aber spielen allesamt in einer anderen Preis- und vor allem Prestigeliga. Dabei ist der flache CLA mit Hecktür mit seinen 4,63 Metern nicht wirklich kompakt und auch kein Raumwunder.

Wenn alle Plätze besetzt sind, passen 495 Liter in den Laderaum. Werden die Rücksitzlehnen steil gestellt, sind es 100 Liter mehr. Eine Sitzprobe ergab jedoch schnell, dass Erwachsene so aufrecht sitzend nicht wirklich eine Langstrecke genießen werden. Ist man allerdings zu zweit unterwegs und packt den Neuling bis unters Dach voll, passen 1.354 Liter hinter die Vordersitze. Mehr als ordentlich.

Das Cockpit entspricht dem viertürigen CLA Mercedes-Benz

Das Cockpit entspricht dem viertürigen CLA

Dirk Streichert, der die Entwicklung der kleinen Mercedes-Modelle leitet, betont noch einen anderen Vorteil: „Durch das weiter nach hinten gezogene Dach ist die Kopffreiheit für die Fondinsassen im Vergleich zum Schwestermodell um mehr als vier Zentimeter gewachsen. Auch der hintere Einstieg ist deutlich komfortabler“.  

Der Sitztest bestätigt den Ingenieur. Auch für Hinterbänkler mit Gardemaß von über 1,85 Meter ist jetzt eine gute Handbreit Luft über dem Haupthaar. Das Innenleben ist wie gewohnt hochwertig und je nach Ausstattung auch edel und erlesen. Die Heckklappe kann gegen Aufpreis auch elektrisch betätigt werden. Das Umlegen der Rücksitze geht schnell und problemlos. Ganz flach ist die dann entstehende Ladefläche allerdings nicht.

Motorenangebot und lieferbare Extras entsprechen dem viertürigen CLA. Für den Shooting Brake wird es zunächst zwei 2,1-Liter-Diesel (100 kW/136PS und 130 kW/177 PS) geben. Die Palette der vier „zivilen“ Benziner reicht von 90 kW/122 PS bis 155 kW/211 PS, letzterer ist auch mit Allrad zu haben.

Als Sahnehäubchen gilt der 265 kW/360 PS starke CLA 45 AMG Shooting Brake, ebenfalls mit 4matic. Die Preise behält Mercedes noch für sich, der Aufpreis gegenüber den jeweiligen Viertürer-Pendants wird wohl bei rund 1.500 Euro liegen. Also könnte das Einstiegsmodell (CLA 180 Shooting Brake) bei rund 31.500 Euro beginnen. Die Auslieferung beginnt Ende März nächsten Jahres.

Wenn alle Plätze besetzt sind, passen 495 Liter in den Laderaum Mercedes-Benz

Wenn alle Plätze besetzt sind, passen 495 Liter in den Laderaum

Die Chancen für einen Erfolg des fünften Mitglieds der Kompaktfamilie von Mercedes stehen recht gut. Der bekannte CLA ist weltweit ein Hit, mehr als jeder zweite Käufer fuhr vorher noch keinen Mercedes. Der Shooting Star von Mercedes soll jetzt als Shooting Brake auch die Kombi-vernarrten Europäer anlocken und zudem das durchschnittliche Alter der Frontantriebs-Kunden weiter nach unten drücken. Gegenüber den früheren Modellen der A- und B-Klasse sank es mit der neuen Generation, zu der nun auch das SUV GLA und eben jener CLA gehören, um gut zehn Jahre. Jetzt pendelt es um die Marke von 47 Jahren. So geht Jugendlichkeit heute.

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