Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.01.2015

07:18 Uhr

Mercedes CLS 400 im Handelsblatt-Test

Der Grabscher von Untertürkheim

VonAlexander Möthe

Daimler hat dem CLS 400 einen Facelift verpasst. Der Mercedes ist und bleibt bei Optik und Fahrverhalten ein Sportler für Gentlemen. Doch im Innenraum vergisst das Coupé mitunter ganz schnell seine Manieren.

Sieht aus wie ein Gentleman, wird aber handgreiflich. Frank G. Heide

Sieht aus wie ein Gentleman, wird aber handgreiflich.

Düsseldorf„Der grabscht mich an!“ Die Beschwerde meiner Freundin ist energisch und vor allem – überrascht. Der Grund dafür: Ein Stuttgarter Gentlemen, der sich entgegen seines eleganten Äußeren als Flegel herausstellt. Sein Name: Mercedes CLS 400 Coupé. Seine Missetat: Der feste Griff der  Seitenwangen des Beifahrersitzes an den Hüften. „Fehlt nur noch, dass er mir ‚Hey, Baby‘ ins Ohr raunt“, mockiert sich die Auserwählte.

Tatsächlich haben die Untertürkheimer mit dem CLS ein Coupé geschaffen, was sich irgendwo zwischen Biedermann und Brandstifter, Kavalier und Sittenstrolch einordnet. Im Premiumsegment ist der CLS ein Verkaufsschlager, was nicht nur der Rundgang über die Düsseldorfer Königsallee beweist, sondern vor allem die Zulassungszahlen. Gut 120.000 Exemplare hat Daimler in den vergangenen zehn Jahren verkauft, bei einem Einstiegspreis von über 65.000 Euro. Wie immer bei den Stuttgartern gilt: Durch Zusatzausstattung ist der Preis bis auf S-Klasse-Niveau steigerbar.

Der Verkaufserfolg ist auch der Grund, warum der 2014 erfolgte Facelift sehr dezent ausgefallen ist. Wie beim buchstäblichen Vorbild wurden nur Kleinigkeiten geglättet, am auffälligsten sind die neuen LED Scheinwerfer.

Gegen Aufpreis werden die Sterne in den Augen um das „Multibeam“-System erweitert. Ansonsten sind es die inneren Werte, die neu sind. Und beim CLS 400 bedeutet das einen 333 PS V6 Benziner als neues Einstiegsmodell.

Der Gentleman beeindruckt mit einigen sportlichen Linien (und Kanten), wirkt aber optisch sehr wuchtig. Dabei ist der CLS auch von Abmessungen her ein Coupé. Gut 4,9 Meter lang, aber keine 1,90 Meter breit, dazu ein Gewicht von rund 1,89 Tonnen – das werfen auch andere Sportler in den Ring. Nah an der größeren Mercedes S-Klasse ist das aber dennoch.

Man merkt aber auch, dass trotz vier Türen die Sitz- und Beinfreiheit im Fonds unter den eigenen Erwartungen liegt. Selbst im beschaulichen Bad Neuenahr schnalzen vorbeikommende Rentner mit der Zunge und schauen sich das Gefährt ausführlich an.

Einmal kräftig zupacken: Der fahrdynamische Sitz mit den aufdringlichen Seitenwangen kann man, frei nach Peter Lustig, auch einfach – abschalten. Frank G. Heide

Einmal kräftig zupacken: Der fahrdynamische Sitz mit den aufdringlichen Seitenwangen kann man, frei nach Peter Lustig, auch einfach – abschalten.

Die behäbige Benzigkeit legt der CLS bei den ersten Ausfahrten nicht ab. Mercedes ist merklich darauf bedacht, seine Fahrer nach Möglichkeit nichts Dummes tun zu lassen. Das Testfahrzeug brummt, piept und korrigiert über Assistenten, die Sieben-Gang-Automatik flutscht flüssig, aber gemächlich.

Der V6 brummelt im Eco-Modus zurückhaltend, ja fast schweigsam. Über allem steht eine Prämisse: komfortable Beförderung. Soll sich so etwa ein Sportcoupé anfühlen?

Ja. Zumindest, wenn es den Anspruch hat, nicht als Zweitwagen zwischen Oktober und April unter einer Plane Winterschlaf zu halten, sondern als vollwertige Erstkutsche die ganze Familie zu transportieren. Ach ja, Spaß haben kann man mit dem Schwaben auch.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×