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31.05.2013

11:34 Uhr

Mercedes GL im Autotest

Zu groß für alles

VonSebastian Schaal

Auf zehn Quadratmetern bietet der Mercedes GL mehr Luxus als die meisten Wohnzimmer. Ist die rollende Trutzburg das Auto, das alle Wünsche erfüllt? Der Handelsblatt Autotest klärt diese und andere Fragen.

Deutsches Auto, made in the USA: Der GL wird wie schon sein Vorgänger im US-amerikanischen Werk Tuscaloosa gefertigt und dann nach Deutschland importiert. Sebastian Schaal

Deutsches Auto, made in the USA: Der GL wird wie schon sein Vorgänger im US-amerikanischen Werk Tuscaloosa gefertigt und dann nach Deutschland importiert.

Düsseldorf/DortmundFünf Meter lang, zwei Meter dreißig breit. Mindestens so groß muss ein Stellplatz in Nordrhein-Westfalen sein, festgeschrieben in der „Verordnung über Bau und Betrieb von Sonderbauten“ aus dem Jahr 2009. Für die allermeisten Autos ist das genug Platz. Sicher in die Parklücke rein und der Fahrer bekommt die Türe gerade noch so weit auf, dass er einigermaßen bequem aussteigen kann.

Das gilt aber nicht für die Fahrer eines Mercedes GL. Mit Maßen von 5,12 Metern Länge und einer Breite von 2,14 Metern mit Außenspiegeln reicht eine Standard-Parklücke in den seltensten Fällen aus.

Die entscheidenden Fragen und Antworten zum Mercedes GL

Alltagstauglich?

Gute Übersicht dank hoher Sitzposition, selbst für sieben Personen ausreichend Platz, bis zu 2.300 Liter Stauraum. Praktisch ist er schon, der GL. Nur leider machen die Länge von 5,12 Metern und die Breite von 1,93 Metern den Nutzen zu nichte.

Das schönste Detail?

Nicht unbedingt das schönste Detail, aber mit Abstand das nützlichste: die Surround-Kamera. In vielen Autos ist sie nur eine tolle Deko um die Mitfahrer zu beeindrucken. Im GL ist sie aber bitter nötig – und vor allem effektiv.

Enttäuschend?

Die 1.500 Euro für den Nachtsicht-Assistenten können Sie sich sparen. Das Blickfeld der Wärmebild-Kamera ist viel zu klein. Wenn Sie eine Person auf dem Bildschirm sehen, steht sie schon längst direkt vor dem Auto im Scheinwerferlicht. Dunkle Ecken, etwa beim Abbiegen, erfasst die Kamera nicht. Hier ist das serienmäßige Abbiegelicht deutlich effektiver. Kurzum: Gut gemeint, aber in dieser Form nicht praktikabel und damit das Geld nicht wert.

Ist er's wert?

Mit mindestens 72.471 Euro ist der GL deutlich teurer als ein vergleichbar großer und starker Audi Q7. Mit der Ausstattung unseres Testwagens knackt der Preis die 100.000 Euro-Marke. Viel Geld für ein Auto, dass zu groß für den Alltag ist.

Sound?

Sound of Silence. Der Diesel ist im Innenraum kaum wahrnehmbar, bei 130 km/h gibt es zudem kaum Windgeräusche.

Wie grün ist das Auto?

Nunja, was erwartet man von einem 2,5 Tonnen-Auto? Im Berufsverkehr waren mal 8,7 Liter drin, am Ende der 1.200 Kilometer langen Testfahrt standen im Schnitt gemessene 10,5 Liter auf der Tankuhr. Nicht vorbildlich, aber im Rahmen. Wer sparsam unterwegs sein will, kauft ohnehin keinen GL.

Vorbildlich?

Selten hat man so bequem und luxuriös vier Erwachsene samt Gepäck für ein langes Wochenende untergebracht.

Was sagt der Nachbar?

Er schüttelt nur mit dem Kopf.

Wer guckt?

Fast jeder. Meistens mit einem erstaunten Blick. So etwas wie den GL gibt es in Deutschland nur selten zu sehen.

Wie fährt er sich?

Der GL ist – wie es bei der Größe und dem Leergewicht von 2,5 Tonnen zu erwarten ist – ein gemütlicher und komfortabler Zeitgenosse. Der Sinn der anwählbaren „Sport“-Abstimmung des Luftfahrwerks wollte sich aber auch nach 14 Tagen Testfahrt nicht so recht erschließen. Mit voller Beladung rollt der GL allerdings auch im „Comfort“-Modus härter ab, als man es von so einer Sänfte erwarten würde.

Wo gehört er hin?

Auf's freie Land, wo möglichst viel Platz ist. In der Stadt ist er so unpassend wie ein Elefant im Porzellanladen.

In der Praxis sieht das dann beispielsweise so aus: An einem sonnigen Sonntagmorgen stellen Sie den GL auf dem Parkplatz vor dem Schiffshebewerk Henrichenburg bei Waltrop ab, Familienausflug. Der Wagen steht exakt auf dem Stellplatz, dank der Mithilfe der aufwändigen Surround-Kamera – die 1.654,10 Euro Aufpreis sollten Sie wirklich investieren. Es ist kurz vor halb elf, der Parkplatz ist größtenteils leer. Kein Wunder, schließlich beginnt die erste Führung des Tages durch das Industriemuseum erst in einer halben Stunde.

Ein paar Zeigerumdrehungen später sieht das Bild anders aus. Die Parkfläche ist bis auf den letzten Stellplatz gefüllt, rechts und links des grauen Kingsize-SUV haben Familienväter ihre Mittelklasse-Autos abgestellt. Gerade so können Sie noch auf den Fahrersitz klettern.

Jetzt kommt wieder die Umfeld-Kamera und auch die klassischen Parksensoren ausführlich zum Einsatz. Zentimeterweise vor- und zurücksetzen, insgesamt sieben Mal, dann kann der GL rückwärts von dem Parkplatz rollen. Vorwärts geht es nicht, wenden ist auf dem engen Parkplatz nicht drin. So sah es zumindest bei mir aus.

Kommentare (7)

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MBFan

31.05.2013, 15:25 Uhr

Ich bin den GL gefahren - Außen Groß - innen doch irgendwie nicht - schwammige Lenkung, träges Fahrverhalten, mittelmäßige Motorisierung - also kurz: Derzeit für nen Mercedes ganz gut

Account gelöscht!

01.06.2013, 01:52 Uhr

Warum vergleichen Sie das GL-Modell nicht mal mit der VW Caravelle? Beide sind sauteuer, doch dürften die Parkprobleme mit dem VW deutlich geringer sein.

Weltbuerger

02.06.2013, 09:54 Uhr

Ein tolles Auto. Nicht jedoch für ein Parkhaus in D.
Es gibe genug Länder auf der Erde die genug Platz auf dem Parkplatz haben und bei denen Größe gefragt ist.
Für Australien fehlt noch der Luftschnorchel, für die USA sofort geeognet. Da sind die anderen Mercedes eher Spielzeugautos. Auch in den weiten Regionen im Osten hervorragend gegeignet.

Wir sollten unseren Blick von unserem kleinen D abwenden.

Wenn der GL noch stabil gebaut ist dann kann er mit den Pickups der Welt als Kleiner mithalten.

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