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12.04.2016

09:22 Uhr

Mercedes Roadster SLC

Frauenversteher setzt auf neue Männlichkeit

VonPeter Maahn
Quelle:Spotpress

Zusammen mit einer fälligen optischen Auffrischung hat Mercedes seinen kleinen Roadster umbenannt. Aus dem vor allem bei Frauen beliebten SLK wird der SLC. Aber sonst ist fast alles wohlvertraut.

Der Besuch im Fitness-Studio hat sich für den neuen SLC fraglos gelohnt Daimler

Mercedes Roadster SLC

Der Besuch im Fitness-Studio hat sich fraglos gelohnt.

Es ist gut zwei Jahrzehnte her, dass BMW seinen Roadster Z3 vorstellte, einen Zweisitzer mit klassischem Stoffdach. Der Münchner Sportler wäre sicher zum meistverkauften Roadster Deutschlands geworden, hätte nicht Mercedes seinem Erzrivalen kurz zuvor die Show gestohlen. Mit dem ersten SLK, der sich mit Hilfe eines klappbaren Stahldachs per Knopfdruck zum wetterfesten Coupé verwandelte.

Auf die geniale Konstruktion vertraut natürlich auch das aktualisierte Modell aus Stuttgart. Wobei sich allerdings die Fans des mittlerweile zur Ikone mutierten Roadsters an eine neue Bezeichnung gewöhnen müssen. Am Heck steht jetzt SLC, das „K“ wurde ins Archiv verbannt.

Die Neuordnung des einstigen Daimler-Buchstabensalats hat nun also den Frauenversteher mit Stern erreicht. Das hohe „C“ hat seinen Grund: Der Sportler gehört nun mal in die so bezeichnete Familie, auch wenn er technisch mit der Limousine recht wenig gemein hat. Mit der Mutter aller C-Modelle darf sich der kurze Sportler jetzt aber diverse moderne Systeme teilen. So lässt sich der Charakter des SLC per Knopfdruck beeinflussen, von betont sparsam (Eco), über gelassen komfortabel (Comfort) bis hin zum bissigen Sportmodus.

Auch der Innenraum wurde leicht modifiziert Daimler

Mercedes Roadster SLC

Auch der Innenraum wurde leicht modifiziert

Lust und Laune des Fahrers entscheiden. Gegen Aufpreis kann auch das Verhalten der Dämpfer dem persönlichen Gusto angepasst werden. Das stählerne Klappdach lässt sich jetzt bis 40 km/h öffnen. Neu ist die Einstiegsversion mit 1,6-Liter-Benziner, die ab knapp 35.000 Euro zu haben ist.

Unter blauem Frühlingshimmel an der Cote d´ Azur, durch das Kurvengeschlängel der Passstraße Col de Braus in den Seealpen oder den dichten Stadtverkehr der Nobel-Metropole Nizza muss der SLC zeigen, dass er nach wie vor das Maß aller Dinge in der Riege der kleinen Zweisitzer ist. Beim Rundgang sticht die veränderte Frontpartie mit den neu geformten Scheinwerfern ins Auge, in denen auf Wunsch LEDs leuchten.

Der Kühler mit dem großen Stern im Zentrum steht steiler als bisher, die gepfeilte Motorhaube wirkt dadurch gestreckter. Serienmäßig ist der Grill in Diamantoptik, eine Hommage an den gut doppelt so teuren Bruder SL.

Motoren, Daten, Preise

Technische Daten

Zweitüriger Roadster mit Vario-Dach, Länge: 4,13 Meter, Breite (mit Außenspiegeln): 1,82 Meter, Höhe: 1,30 Meter. Radstand: 2,43 Meter, Gewicht: 1.505 kg, Zuladung: 315 kg, Kofferraumvolumen: 225 - 335 Liter.

Antrieb Testwagen

Vierzylinder-Benzinmotor mit Turbo und Direkteinspritzung, Hubraum: 1.991 ccm, 180 kW/243 PS, maximales Drehmoment: 370 Nm bei 1.300 – 4.000 U/min., Neungang-Automatik, Heckantrieb. Vmax: 250 km/h, Beschleunigung: 0 - 100 km/h in 5,8 Sek., Durchschnittsverbrauch: 5,8 l/100 km, CO2-Ausstoß: 134 g/km, EU 6.

SLC 180

Vierzylinder-Benziner mit Turbo, Hubraum: 1.991 cm3, 135 kW/184 PS, 300 Nm bei 1.200 bis 4.000 U/min. Vmax: 226 km/h. Beschleunigung: 0 - 100 km/h: 7,9 Sek. Verbrauch: 5,6 l/100 km. Co2: 127 Gramm/km. 6-Gang-Schaltgetriebe, Preis: ab 34.926 Euro.

SLC 200

Vierzylinder-Benziner mit Turbo, Hubraum: 1.595 cm3, 115 kW/156 PS, 250 Nm bei 1.200 bis 4.000 U/min. Vmax: 240 km/h. Beschleunigung: 0 - 100 km/h: 7,0 Sek. Verbrauch: 6,1 l/100 km. Co2: 142  Gramm/km. 6-Gang-Schaltgetriebe, Preis: ab 39.805 Euro.

SLC 250d

Vierzylinder-Diesel mit zwei Turboladern, Hubraum: 2.143 cm3, 150 kW/204 PS, 520 Nm bei 1.600 bis 1.800 U/min. Vmax: 245 km/h. Beschleunigung: 0 - 100 km/h: 6,6 Sek. Verbrauch: 4,4 l/100 km. Co2: 114  Gramm/km. Neungang-Automatik, Preis: ab 43.524 Euro.

AMG SLC 43

Sechszylinder-Benziner mit Bi-Turbo, Hubraum: 2.996 cm3, 270 kW/367 PS, 520 Nm bei 2.000 bis 4.200 U/min. Vmax: 250 km/h. Beschleunigung: 0 - 100 km/h: 4,7 Sek. Verbrauch: 7,8 l/100 km. Co2: 178 Gramm/km, Effizienzklasse D, Neungang-Automatik, Preis: ab 59.887 Euro.

Warum?

Weil er ein Jungbrunnen für Singles ist, die den Beifahrersitz gerne für interessierte Mitfahrer bereithalten.

Warum nicht?

Weil die Kinder nörgeln, wenn sie nie mit auf Tour gehen dürfen.

Was sonst?

Der neue Porsche 718, der Mazda MX5 oder der neue Fiat 124 Spider

Retuschen auch am Heck: Schmalere Rückleuchten und verchromte Endrohre im geriffelten Diffusor lassen den SLC optisch wuchtiger auf der Straße liegen. Die Änderungen sind in Summe aber so dezent, dass der jetzigen SLK keineswegs zum Oldtimer wird.

Im Gegensatz zu den beiden ersten Generationen des kleinen Spaßmachers, die zu gut 40 Prozent von weiblichen Kunden geordert wurden, hatte sich der SLK seit fünf Jahren auch äußerlich zu einem recht ansehnlichen Sportgerät entwickelt. Seitdem plündern deutlich mehr Männer ihr Bankkonto.

Die neue Männlichkeit setzt sich beim SLC fort und wird spätestens beim Anlassen des Vierzylinder-Turbos im stärksten Benziner erlebbar. Trotz der Typenbezeichnung SLC 300 hat der über 46.000 Euro teure Roadster lediglich zwei Liter Hubraum, klingt aber nach mehr.

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