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03.06.2012

09:47 Uhr

Mercedes SL als Gebrauchter

Traditionsreich, treu und teuer

Quelle:dpa

Der SL von Mercedes gehört zu den Klassikern. Vor 60 Jahren begann die Geschichte des Roadsters mit Rennerfolgen. In der ADAC-Pannenstatistik taucht er vergleichsweise selten auf, doch ganz ohne Einträge ist er nicht.

Mercedes SL: Das Bild zeigt die zwischen 2001 und Anfang 2012 angebotene fünfte Baureihe R 230. PR

Mercedes SL: Das Bild zeigt die zwischen 2001 und Anfang 2012 angebotene fünfte Baureihe R 230.

BerlinDer SL von Mercedes gehört zu den Klassikern. Vor 60 Jahren begann die Geschichte des Roadsters mit ersten Rennerfolgen. Mittlerweile ist die sechste Generation des Serienfahrzeugs auf den Straßen. Der Einstiegspreis des Autos liegt derzeit bei 93.534 Euro. «Wie in dieser Preisklasse zu erwarten, macht der SL seinen Besitzern wenig Ärger», urteilt der ADAC über die Zuverlässigkeit des Sportwagens.

In der Pannenstatistik des Automobilclubs kommt der SL vergleichsweise selten vor, doch ganz ohne Einträge ist auch er nicht. Auffällig waren ab 2001 entladene Batterien, und auch defekte Kurbelwellensensoren bei Exemplaren des Baujahres 2006 schränken die Zuverlässigkeit des SL ein. Hinzu kommen gelegentliche Probleme mit der vollautomatischen Verdeckmechanik. Rückrufe gab es 1995 wegen Fehlfunktionen der Feststellbremse, 1997 wegen des Bremsassistenten, 1998 wegen der Sensormatte des Beifahrersitzes und zuletzt 2001 wegen des Airbag-Zündgeräts.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Die Geschichte des SL beginnt mit den Siegen des 300 SL Rennsportwagens bei Rennen im Jahr 1952. Der erste 300 SL (W 198 I) mit Straßenzulassung kommt zwei Jahre später auf den Markt. Im Frühjahr 1963 debütiert der Baureihe W 113, ein Roadster, der wegen der charakteristischen, nach innen gewölbten Form seines Hardtops bald Pagode genannt wird. Von 1971 bis 1989 wird die nicht minder bekannte Baureihe 107 hergestellt. Die Baureihe R 230, der erste SL-Roadster mit Stahlklappdach, erscheint im Sommer 2001, 2006 führt Mercedes eine Modellpflege durch. Seit Ende März steht mit der Baureihe R 231 der neue SL bei den Händlern.

Die Motoren gebrauchter Exemplare der ab 2001 gebauten fünften Generation decken eine große Leistungsspanne ab. Sie reicht von den 170 kW/231 PS des kleinsten V6-Benziners bis zu 450 kW/612 PS in der Zwölfzylinder-Variante vom Werkstuner AMG. Das Mittelfeld markiert ein Achtzylinder mit 285 kW/387 PS.

Die Preise für einen gebrauchten SL der Baureihe R 230 beginnen bei rund 23 400 Euro. Dafür findet man in der Preissammlung von Schwacke den SL 500 von 2001 mit 225 kW/306 PS starkem V8-Motor. Ein solches Fahrzeug hat im Schnitt rund 105 750 Kilometer auf dem Tacho. Etwa 45 250 Euro werden für einen jüngerer SL 350 7G-Tronic mit 232 kW/315 PS starkem Sechszylinder fällig, der rund 42 750 Kilometer hinter sich hat.

Tipps für ein langes Auto-Leben

Öl regelmäßig wechseln

Autobauer geben vor, wie oft das Öl des eigenen Fahrzeugs gewechselt werden muss. Auch welche Sorte und Viskosität die richtige ist, findet man in den Hersteller-Informationen. An diese Vorgaben sollten sich Fahrzeugbesitzer dringend halten, denn Motoröl schmiert nicht nur - auch Metallpartikel und Verbrennungsrückstände lagern sich mit der Zeit darin ab.

Inspektionen nach Wartungsplan

Bei Inspektionen sollten die Wartungspläne des Herstellers genau eingehalten werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle möglichen Schwachstellen überprüft und gegebenenfalls auch gefunden werden können. Außerdem wichtig: Der Zahnriemen des Autos sollte regelmäßig ausgetauscht werden.

Langsam "Warmfahren"

Auf den ersten Kilometern sollten Autofahrer den Motor mit relativ niedriger Drehzahl warmfahren. Der Grund: Der Motor besteht aus verschiedenen Materialien, die sich nach dem Kaltstart unterschiedlich schnell erwärmen und demzufolge auch ausdehnen. Zu schnelles Aufs-Gas-Drücken könnte also dazu führen, dass der Kolben nicht mehr in den Zylinder passt und klemmt. Hinzu kommt, dass auch das Öl nach dem Start noch kalt und zähflüssig ist - es braucht also eine gewisse Zeit, um zu den Schmierstellen gepumpt zu werden.

Motor abkühlen lassen

Turbomotoren können sich sehr stark erhitzen. Damit das Öl nicht an der Achse des Turbinenrades verkohlt und die Ölkanäle verstopft, sind Fahrer gut beraten, wenn sie den Motor ein paar Minuten im Leerlauf abkühlen lassen.

Kurzstrecken und Kaltstarts vermeiden

Beim Kaltstart eines Verbrennungsmotors wird das Kühlwasser und Öl nicht vorgewärmt. Auch im Schmierölkreislauf kann vorher kein Druck aufgebaut werden. Die hohen Temperaturunterschiede belasten den Motor. Unnötige Kaltstarts und Kurzstrecken sollten aus diesen Gründen vermieden werden.

Drehzahlen im Auge behalten

Wird ein kaltes Triebwerk zu hoch gedreht, führt das zu Verschleißerscheinungen. Wer permanent mit voller Leistung fährt, wird auch trotz behutsamen "Warmfahrens" und regelmäßigem Ölwechsel mit mehr Abnutzungserscheinungen rechnen müssen. Aus diesem Grund sind Drehzahlen im mittleren Bereich zu empfehlen.

Durchlüftung

Auch wenn das Merkmal "Garagenwagen" bei Gebrauchtwagenkäufern gern gesehen ist, trocknen nasse Fahrzeuge aufgrund der mangelnden Belüftung in Garagen meist langsamer - vor allem in den Zwischenräumen. Besser aufgehoben sind Autos in einem Carport.

Reinigung

Die Schmutz- und Rostnester eines Autos liegen meist im Verborgenem. Deswegen sollte bei einer Reinigung wirklich gründlich vorgegangen werden. Dabei sollten vor allem die Tür- und Haubenkanten, die Radläufe und der Unterboden nicht vergessen werden.

Hohlraumkonservierung

Wer seinem Fahrzeug ein langes Leben bescheren möchte, sollte Hohlräume und den Unterboden vor Rost schützen. Am besten geht das mit Wachs oder Fett.

"Reifenschonend" fahren

Wer ständig über Bordsteine und durch Schlaglöcher brettert, setzt nicht nur den Reifen seines Autos ordentlich zu, sondern auch eine Achse wird das auf Dauer kaum unbeschadet aushalten können. Deswegen ist bei solchen Hindernissen Vorsicht gefragt.

Für den V12-Leistungsprimus SL 65 AMG Speedshift von 2010 müssen noch etwa 139 600 Euro bezahlt werden - bei einer von Schwacke ermittelten Durchschnittslaufleistung von 24 100 Kilometern. Zum Vergleich: Der ab September verfügbare neue SL 65 AMG mit 463 kW/630 PS wird als Neuwagen mindestens 236 334 Euro kosten.

Fahrtest-Video

Verjüngungskur mit Stern - Mercedes SL

Fahrtest-Video: Verjüngungskur mit Stern - Mercedes SL

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Kommentare (2)

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ADAC-ist-hier-nicht-relevant

03.06.2012, 12:42 Uhr

Die ADAC-Pannenstatistik ist für Mercedes generell nicht aussagefähig! Denn die Firma hat eine selbst organisierte "Mobilitätsgarantie". Bleibt ein Fahrzeug liegen, so schickt Mercedes Hilfe bis hin zum Abschleppen. Der ADAC erfährt davon nichts und glaubt, die Fahrzeuge seien unanfällig.

Als Fahrer eines SL 500 kann ich sagen, dass regelmässig Tausende von Euro bei den Inspektionen in das Auto gesteckt werden müssen. Dafür fährt es bis zur nächsen Inspektion störungsfrei.

Account gelöscht!

03.06.2012, 13:02 Uhr

Mobilitätsgarantien sind aber kein rein Mercedes-typisches Phänomen. (Fast) alle Hersteller bemühen sich, auf diese Art und Weise ihre Modelle aus der Auflistung der Mängelriesen herauszuhalten. Umso interessanter wird es dann bei den Statistiken von TÜV, Dekra. GTÜ usw. wenn angebliche Pannenzwerge auf einmal bei der HU besonders auffällig werden.

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