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06.09.2012

10:15 Uhr

Mercedes SLK 250 CDI im Handelsblatt-Test

Warmluftschal mit Diesel-Power

VonSebastian Schaal

Roadster stehen für sportliche, offene Zweisitzer, die Spaß machen sollen. Der Mercedes SLK 250 CDI hält mit einem sparsamen Diesel und allerhand Technik-Schnickschnack dagegen. Ob das gut geht, zeigt unser Test.

Ein Hauch SL: Bei der Optik lehnt sich der SLK ganz bewusst beim großen Bruder an. Sebastian Schaal

Ein Hauch SL: Bei der Optik lehnt sich der SLK ganz bewusst beim großen Bruder an.

DüsseldorfEr ist in Deutschland eigentlich kein ungewöhnliches Auto, aber auf seine Art und Weise trotzdem ein Exot: der Mercedes SLK. Denn er hat einen Dieselmotor. Und das ist etwas Außergewöhnliches, zumindest in der Klasse der Roadster und Cabriolets.

Für diesen Schritt hat Mercedes lange gebraucht. Seit 1996 haben die Schwaben den kompakten Roadster im Programm, doch erst seit Beginn dieses Jahres gibt es ihn auch mit einem Diesel unter der Haube. Ein Diesel-SLK brachte es 2005 immerhin zu einem kurzen Messeauftritt, danach verschwand das Einzelstück dann aber wieder in der Versenkung. Bei Audi war man etwas schneller, hier hat es nur zehn Jahre nach der Markteinführung gedauert, bis die Ingolstädter 2008 einen TT mit TDI-Motor auf den Markt brachten. BMW ziert sich bis heute und verwehrt dem Z4 die Selbstzünder-Motorisierung, obwohl sich die Münchner selbst als Hersteller sparsamer Autos verstehen. 

Die Gründe für diese Abneigung der Autobauer gegen den Diesel im Roadster liegen auf der Hand: Sport und Diesel passen in den Köpfen vieler Kunden einfach noch nicht zusammen. Zwar dominiert Audi in Le Mans traditionell mit Diesel-Boliden, doch das ist eben Rennsport. Fürs breite Publikum war offenbar schon der Einsatz der Selbstzünder in viersitzigen Cabriolets ein großer Schritt, den sportlichen Zweisitzern blieben sie noch etwas länger vorenthalten. Nun ist aber ein moderner Diesel in Sachen Laufkultur und dem charakteristischen Lärm nicht mehr mit den nagelnden und tuckernden Wanderdünen von vor 30 Jahren zu vergleichen.

So stellt sich heute die Frage, ob sich Diesel und Roadster immer noch ausschließen. Deswegen ab in die Tiefgarage, denn dort wartet ein solches Exemplar auf seinen Einsatz. 

Die entscheidenden Fragen und Antworten zum SLK

Alltagstauglich?

Wer nicht viel transportieren will, wird mit dem SLK glücklich. Kompakte Abmessungen, ein sparsamer, aber dennoch kräftiger Motor, sehr angenehme Sitze. Aber halt eben maximal 335 Liter Kofferraum, bei geöffnetem Dach noch 225 Liter.

Das schönste Detail?

Es ist sehr schwierig, an einem so ausgereiften und vor allem ausgewogenen Auto ein besonderes Detail herauszupicken. Wenn man dazu gezwungen wird, dann sollte man den Luftschal um den Nacken wählen.

Enttäuschend?

Der Diesel-Sound beim ersten Anlassen. Aber das verfliegt nach wenigen hundert Metern.

Ist er`s wert?

Für einen Premium-Preis darf der Kunde natürlich auch ein Premium-Fahrzeug erwarten. Und das bekommt er mit ein paar kleinen Abstrichen im Detail auch. Mit diesem Motor zielt der SLK nicht auf das typische Roadster-Publikum. Aber er hat auch seine Zielgruppe.

Sound?

Es ist und bleibt ein Diesel. Aber während der Fahrt hört man vom Motor kaum etwas. Die einen finden es angenehm, den anderen fehlt der kernige Sound in einem Roadster.

Wie grün ist das Auto?

Versuchen Sie, einen 200 PS-Roadster mit einem Verbrauch von fünf Litern zu fahren. Das geht nicht mit sehr vielen Fahrzeugen.

Vorbildlich?

Der SLK kann mit seiner Auslegung (und Zielgruppe) nicht unbedingt als Benchmark für das gesamte Roadster-Genre hergezogen werden. Er ist nicht der kompromisslose, harte Sportler. Er ist ein sehr ausgereiftes, elegantes Cabrio für zwei Personen. Und das kann er richtig gut.

Was sagt der Nachbar?

Ist früher einen SLK Baujahr 2000 gefahren – und von den Neuerungen begeistert. Auch war er bei dem Wort "Diesel" erst skeptisch, aber eine Runde um den Block konnte ihn schon überzeugen.

Wer guckt?

Nach 16 Jahren auf dem Markt ist der SLK im deutschen Straßenbild etabliert. Auch die neueste Generation gibt es inzwischen seit 2010. Optisch fällt er wenig auf, dementsprechend wenige Blicke der Passanten gibt es.

Wie fährt er sich?

Komfortabler als es ein sportlicher Roadster vermuten lässt. Die Stärke des SLK ist eher das gemächliche Gleiten als die Kurvenhatz. Eben ganz ein kompakter SL. Dennoch federt er nicht alle Unebenheiten des Asphalts vollständig weg.

Wo gehört er hin?

Der SLK fühlt sich überall wohl. Egal ob die Langstrecke auf der Autobahn, die gemütliche Ausfahrt über Land oder im Alltag im Stadtverkehr. Er ist ein vielseitiges Alltagsauto – und für einen Roadster voll wintertauglich.

Beim ersten Kaltstart können sich Skeptiker der Diesel-Roadster-Kombination bestätigt fühlen. Der Selbstzünder nagelt wie erwartet deutlich hörbar vor sich hin. Und das klingt in diesem ersten enttäuschenden Moment nach vernünftigem Kompaktwagen, nicht nach sportlichem Zweisitzer. 

Doch das ändert sich schon nach wenigen hundert Metern. Sobald der Diesel etwas warm wird, übertönt bei geöffnetem Dach der Wind die Geräusche aus dem Motorraum - selbst bei Stadt-Tempo. Jenseits der 80 Stundenkilometer ist der Diesel auch bei geschlossenem Dach akustisch abgemeldet. 

Das Klappdach öffnet und schließt in 20 Sekunden – aber leider nur im Stand. Sebastian Schaal

Das Klappdach öffnet und schließt in 20 Sekunden – aber leider nur im Stand.

Die Geräusche, die bei warmem Motor noch in den Innenraum dringen, können auch Roadster-Fans zufrieden stellen. Im SLK darf der intern OM651 genannte Diesel deutlich kerniger klingen als beispielsweise in der S-Klasse. Spätestens jetzt muss jeder Skeptiker seine Vorurteile fallen lassen. 

Zum Klangbild trägt die Siebenstufenautomatik einen wichtigen Teil bei. Im Eco-Modus wechselt sie früh in den nächsthöheren Gang, hält so die Drehzahl sehr niedrig. Das schlägt sich natürlich auch im Verbrauch nieder. Beim gemütlichen Cruisen, der Stärke des SLK, steht locker eine fünf vor dem Komma. In unserem Testschnitt waren es mit 6,5 Litern auch nicht bedeutend mehr. 

Kommentare (4)

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Schwarzmaler

06.09.2012, 13:45 Uhr

Der SLK war mal ein schönes Auto. Seit dem letzten Modellwechsel wende ich mich mit Grausen.

MS6363

11.09.2012, 16:18 Uhr

Neider muss man sich erkämpfen! Obwohl es MERCEDES nicht nötig hat. Der SLK ist nicht nur optisch eine Wucht. Und die nähe zum SL wird ihn zum Klassiker machen.Da bin ich mir sicher....

Krause

14.09.2012, 23:14 Uhr

Ich kann in Bezug auf den SLK 250 CDI mitreden, denn seit gut drei Monaten fahre ich einen mit 7-G-Tronic: Beim Anfahren klefft die Maschine wie ein Straßenköter - das finde ich ernüchternd. Der 220 D/8 meiner Eltern war nicht lauter, klang aber sanfter. Doch das Blatt wendet sich, sobald Tempo 50 erreicht ist. Das Motorgeräusch geht in eine mechanisch-sonore, angenehm gedämpfte Tonlage über. Beim Gleiten mit niedrigsten Kurbelwellendrehzahlen (knapp 1500 1/min bei einer Tachometeranzeige von 100 km/h) tuckert die Maschine wie ein Schiffsdiesel, nur kaum hörbar. Wer das Hammer-Drehmoment auskosten möchte - und das ist meine Empfehlung -, muss seinen Gasfuß etwas üben, damit die Getriebeautomatik nicht völlig unnötig herunterschaltet. Erfolg dieser Mühe: Der Wagen beschleunigt aus niedrigsten Kurbelwellendrehzahlen heftig, und das nahezu geräuschlos! Die berichteten Testverbräuche von mindestens 6,5 L/ 100 km habe ich noch nicht erreicht. Nicht angezeigte, sondern errechnete 5,5 L/ 100 km auf agil gefahrenen Strecken sind problemlos möglich, wenn die Bewegungsenergie nicht immer wieder von der Bremsanlage in Wärme umgewandelt wird. Auf meinen täglichen Fahrten zur Arbeit (75 km, 64 km/h im Schnitt) sind Treibstoffverbräuche von echten 4,2 L/ 100 km mit ruhigem Gasfuß beim Beschleunigen ohne Weiteres möglich, Warmlaufphase inbegriffen. Der Treibstofftank fasst statt der angegebeben 60 L knapp 80 L, so dass die Reichweite je Tankfüllung 1500 km übersteigt. Wer das Fahrpedal des SLK 250 CDI so feinfühlig wie ein Instrument bedient, wird an der Kombination aus Offenfahren und grandiosen Zwischenspurts seine helle Freude haben.

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