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06.01.2007

16:18 Uhr

Mit Motorrad-Seitenwagen fing alles an

Der Stolz der britischen Rennfahrer

VonDieter Hintermeier

Es ist das Hohelied auf einen Traumwagen. „Beleihe dein Haus, verkaufe deine Frau, schicke deine Kinder arbeiten und leiste dir einen.“ Was ein britischer Journalist im Überschwang der Emotionen in Autoprosa gegossen haben soll, war ein Kniefall vor dem Jaguar E-Type. Lange Zeit galt dieser Wagen als Sinnbild britischer Autobau-Kunst.

Ein Jaguar XK 120 von 1950. Foto: dpa

Ein Jaguar XK 120 von 1950. Foto: dpa

HB DÜSSELDORF. In den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ließ er Männerherzen höher schlagen. Und dabei spielte sein Preis eine wichtige Rolle. Während Aston Martin und Ferrari schon damals den Ruf einer Millionärsdroge hatten, gab es den E-Type zum Dumping-Preis. Knapp 2100 Pfund kostete er im Vorstellungsjahr 1961. Für einen vergleichbaren Aston Martin oder einen Ferrari musste das Doppelte auf den Tisch des Hauses gelegt werden.

Auch deutsche Fabrikate wie der Porsche 911 und Mercedes 230 L konnten dem E-Type preislich nicht das Wasser reichen: Sie waren 50 Prozent teurer. Die Konkurrenz hatte es schwer mit ihm, denn der E-Type war nicht nur unverantwortlich schön, sondern dazu noch unvorstellbar preiswert.

Vorbei die schönen Zeiten. Heute muss sich der britische Autobauer, der seit langem zu Ford gehört, in einem schwierigen Umfeld behaupten.

Da hatten es die Jaguar-Pioniere einfacher. Als William Lyons und William Walmsey 1922 in Blackpool die Swallow-Sidecar-Company gründeten, hatten sie mit schnellen Sportwagen noch wenig im Sinn. Sie bauten ausschließlich Seitenwagen für Motorräder.

Erst 1927 wagten die beiden den Sprung in die Automobilbranche. Sie entwarfen die Karosse für einen Austin Seven. Vier Jahre später folgte der Sprung zum veritablen Autobauer: Lyons und Walmsey gründeten die SS Cars Ltd. und präsentieren mit SS I ihr erstes Auto. Das beförderte aus 2,1 Liter Hubraum gerade mal 45 PS. 1935 erblickte dann der erste Jaguar, den Namen hatte sich übrigens die Werbeabteilung ausgesucht, das Licht der Welt. Im Gegensatz zum SS I wartete der SS Jaguar 2.5 bereits mit 102 PS auf. Mit der Geburt der automobilen Raubkatze hatte Walmsey allerdings nichts mehr zu tun. Er war vorzeitig aus dem Unternehmen ausgeschieden. Von nun an führte der später geadelte Lyons alleine Regie. Das blieb nicht die einzige Neuerung in der Unternehmensgeschichte. Bereits 1948 gelang Lyons mit der Präsentation des XK 120 ein großer Wurf. In den 50er- und 60er-Jahren durfte sich Jaguar über zahlreiche Erfolge auf der Motorsportbühne freuen.

Doch Lyons beschränkte sich nicht nur auf sportliche Fahrzeuge. Jaguar bot seinen Kunden auch hochwertige Limousinen an. Die XJ- Reihe, vor allem in der Daimler-Ausführung, steht für luxuriös ausgestattete Fahrzeuge.

Firmengründer Lyons starb 1985. Da hatte schon längst der Autokonzern British Leyland bei Jaguar das Sagen, bis 1989 schließlich Ford die traditionsreiche Automarke kaufte. Die Amerikaner versenkten Unsummen bei den Engländern. Und kämpfen jetzt wieder, um die Marke profitabel zu machen.

Deshalb will der Jaguar jetzt noch einmal kräftig zubeißen. Mit den neuen XK-Coupé und dem -Cabrio sollen wieder wundervolle Zeiten anbrechen.

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