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05.02.2015

08:45 Uhr

Mitsubishi Outlander PHEV

100.000 Kilometer mit einer Tankfüllung

VonLukas Bay

Der Mitsubishi Outlander PHEV wird von seinem Hersteller als Spritwunder verkauft. Zeit, den japanischen Plug-in-Pionier mal genauer unter die Lupe zu nehmen – und ein bisschen ungerecht zu sein.

Der Outlander PHEV ist trotz seiner enormen Größe ein sparsamer Koloss.

Tanken, nein danke.

Der Outlander PHEV ist trotz seiner enormen Größe ein sparsamer Koloss.

DüsseldorfNicht so futuristisch wie der BMW i3 mit Range Extender, nicht so sportlich wie der Porsche Panamera E-Hybrid – und doch ist der Mitsubishi Outlander PHEV der meistverkaufte Plug-in-Hybrid in Europa. 14.000 Mal fand er allein bis September einen neuen Besitzer. In Ländern wie Norwegen und den Niederlanden erreicht er Spitzenplätze in der Zulassungsstatistik.

In seiner Klasse ist der Outlander als Plug-in-Hybrid nahezu konkurrenzlos. Sein halbelektrischer Antrieb macht den Outlander zum Verbrauchswunder. Offiziell wirbt der Hersteller mit einem Verbrauch von 1,9 Litern Super auf 100 Kilometer – da können selbst Kleinwagen nicht mit dem bulligen SUV mithalten.

In der Werbung geht man noch einen Schritt weiter: 2.943 Kilometer sei ein Leser einer bekannten Autozeitschrift mit einer Tankfüllung gefahren, jubelte der Hersteller jüngst. Die Crux: Elektrisch durfte der Testfahrer theoretisch so oft nachtanken wie er wollte. Unter diesen Versuchsbedingungen käme man auch 100.000 Kilometer weit – vorausgesetzt man fährt von nur von Ladestation zu Ladestation und die Batterie gibt nicht vorher den Geist auf.

Die Prahlerei ist Anlass genug, das Verbrauchswunder ein wenig kritischer unter die Lupe zu nehmen. Tatsächlich ist das elektrische Fahren mit einem Dickschiff wie dem Outlander zunächst ungewohnt. Um den Wagen in Bewegung zu setzen, arbeiten unter der Haube gleich zwei Elektromotoren mit jeweils 82 PS. Der Benzinmotor mit zusätzlichen 121 PS fungiert im normalen Hybrid-Betrieb nur als Generator für die Batterien und hat nicht einmal Kontakt zur Achse. Erst bei höheren Geschwindigkeiten schaltet er sich zu.

Die wichtigsten Fragen zum Outlander PHEV

Alltagstauglich?

Absolut. Wer den elektrischen Antrieb einfach in den Alltag integrieren sollte, für den ist der Outlander bestens geeignet. Es sei denn, man muss in einem Parkhaus parken.

Das schönste Detail?

Der programmierbare Zeitplaner für's Laden und Heizen.

Enttäuschend?

Die Beschleunigung. So langsam wie der japanische SUV beschleunigt sonst kaum ein Fahrzeug mit Elektroantrieb.

Ist er`s wert?

Kommt auf die Perspektive an. Für einen Plug-in-Hybrid ist der Outlander mit knapp 40.000 Euro Einstiegspreis ein Schnäppchen. Verglichen mit dem Basismodell ist der Aufpreis für den Antrieb schon happig.

Sound?

Elektrisch: Kein Sound. Auf Benzin: Angestrengtes Röhren. Nichts für Genießer.

Wie grün ist das Auto?

Der Blick auf die Verbrauchswerte sagt: sehr grün. Wie umweltfreundlich das Auto tatsächlich ist, hängt allerdings sehr von der Fahrweise ab.

Vorbildlich?

Na klar. Der Outlander PHEV ist ein Pionier. Ein Auto, wie es einige deutsche Hersteller gerne schon im Programm hätten.

Was sagt der Nachbar?

"Läuft er schon?"

Wer guckt?

Wenige. Dafür ist der Outlander PHEV einfach zu unscheinbar. Anders sieht es an der Ampel aus, wenn man einfach mal lautlos anzieht.

Wie fährt er sich?

Bei geladener Batterie absolut entspannt. Wenn einem der Saft ausgeht, wird es etwas laut.

Wo gehört er hin?

In die Garage von SUV-Fahrern, die ein schlechtes Gewissen überkommt, wenn sie mit ihrem Zwei-Tonnen-Trumm durch die Straßen fahren.

Was zunächst nach einem komplizierten Zusammenspiel der Motoren klingt, erweist sich in der Stadt als sehr ausgereift. Und obwohl der Outlander äußerlich wenig auffällig ist, wird er durch das lautlose Anfahren zum Hingucker an der Ampel. Auch die Abstufung der Rekuperation, also der Energierückgewinnung, über das Lenkrad ist praktisch. Wer geübt ist, muss praktisch nicht mehr bremsen und lädt die Batterien, indem er sich ausrollen lässt. So kennt man es von anderen Elektromobilen.

Der Spaß hört auf, ist die Batterie einmal leer. Insbesondere bei Autobahnfahrten ist das relativ schnell der Fall. Dann pendelt sich der Verbrauch bei acht Litern ein und der Motor des Outlander dröhnt gewaltig, das Beschleunigungsverhalten wird träge. Kurz: Alles, was dieses Auto so besonders macht, geht verloren.

Kommentare (2)

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Herr J. Gossel

06.02.2015, 16:08 Uhr

Wenn Sie schreiben, dass der Outlander in Holland und Norwegen ein Verkaufsschlager ist, müssen Sie auch schreiben warum: Ich habe einen holländischen Geschäftsfreund, der sich den Outlander nur deswegen gekauft hat, weil er ihn als Firmenwagen fahren kann, ohne, dass die 1% Regelung (wie in Deutschland) zum Tragen kommt!

Herr J. Gossel

06.02.2015, 16:11 Uhr

Wenn Sie schreiben, dass der Outlander in Holland und Norwegen ein Verkaufsschlager ist, müssen Sie auch schreiben warum: Ich habe einen holländischen Geschäftsfreund, der sich den Outlander nur deswegen gekauft hat, weil er ihn als Firmenwagen fahren kann, ohne, dass die 1% Regelung (wie in Deutschland) zum Tragen kommt! Die holländische Regierung bezuschusst also diese PKW erheblich. Sollte es in Deutschland so eine Regelung geben würden quasi nahezu alle Nutzer von Firmenwagen sofort auf solche Modelle umsteigen, denn man spart dadurch jeden Monat einige hundert Euro monatlich netto!!

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