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15.01.2007

12:05 Uhr

Neue Navis immer erst ausbrobieren

Moderne Navigation hat ihre Tücken

„Bitte in 200 Metern rechts abbiegen!“, tönt die Stimme aus dem Navigationssystem. „Dann sofort links halten!“ In einer fremden Stadt sind Autofahrer für solche Hinweise dankbar. Doch mitunter schaffen sie Verwirrung.

Navigationsgerät dpa

Navigationsgeräte können für Verwirrung sorgen. (Bild: Schierenbeck/dpa/gms)

dpa/gms CHEMNITZ/MÜNCHEN. Wie weit sind „200 Meter“? In welche Straße will einen das System lotsen? Obwohl die Anbieter die Nutzerfreundlichkeit ihrer Geräte verbessern, stoßen diese immer wieder an Grenzen.

Einer aktuellen Umfrage des ADAC in München unter mehreren Tausend Autofahrern zufolge sind 70 Prozent der Nutzer nicht mit ihrem Navigationssystem zufrieden. Bemängelt wird vor allem, dass der Lotse in die Irre führt oder Software und Kartenmaterial veraltet sind. Dass sich Autofahrer immer wieder über ihr „Navi“ ärgern, hängt aber auch mit ihrem Orientierungsverhalten zusammen.

„Autofahrer haben ein bestimmtes Suchmuster im Kopf“, erklärt Prof. Josef Krems, der am Institut für Psychologie der Technischen Universität Chemnitz im Bereich Verkehrspsychologie und Wahrnehmung forscht. Kennen sie die Adresse ihres Ziels, hätten sie eine ungefähre räumliche Orientierung. Mit Hilfe von Bezugspunkten, so genannten Landmarks, etwa einer Tankstelle oder einem hohen Turm, arbeiteten sie sich dann vor. Die meisten Navigationsgeräte zeigen jedoch nur das stilisierte Straßensystem an.

Nicht immer werden Autofahrer jedoch aus diesen Routeninformationen schlau. „Schon die Straßenkarte ist für viele ein Buch mit sieben Siegeln“, sagt Franz Schibalski, Verkehrspsychologe beim ADAC in München.

Ähnliche Probleme können sich bei der Sprachausgabe ergeben: Ist die Ansage zu abstrakt oder ungenau formuliert, ergibt sich Josef Krems zufolge eine „Konfliktsituation“: „Der Fahrer ist verwirrt und muss sich vergewissern, ob er noch auf dem richtigen Weg ist.“ Weil ihn das unterwegs vom Verkehr ablenkt, erhöht sich das Unfallrisiko.



Ein umfangreiches redaktionelles Special zum Thema Auto- und mobile Navigation finden Sie » hier.



Diese Zusammenhänge kennen auch die Systemanbieter. Die Firma Navigon aus Hamburg etwa versucht mit Tests herauszufinden, wie die Routeninformationen bei den Nutzern ankommen. Eine große Schwierigkeit sei, zu entscheiden, was Anwendern an Informationen mitgegeben werden soll, sagt Produktmanager Jochen Katzer. Oft müssten Kompromisse eingegangen werden: So ermöglicht eine Karte mit farblich abgesetzter Route zwar eine gute Ablesbarkeit. Sie erschwert aber die Orientierung. Eine sehr detaillierte Karte ist dagegen in diesem Punkt besser, beim Ablesen jedoch unübersichtlich.

Ähnlich schwierig ist die Konzeption der Sprachausgabe. Hinweise wie „demnächst abbiegen“ seien aus der aktuellen Software entfernt worden, da sich viele Nutzer darunter nichts vorstellen konnten, erzählt Katzer. Abstrakt erscheinende Entfernungsangaben wie „in 200 Metern“ hält er dagegen für kein Problem: „Der User gewöhnt sich eigentlich recht schnell daran, was 200 Meter sind.“ Eine gewisse Standardisierung der Kommandos sei unverzichtbar. Trotzdem könnten die Befehle präziser werden und auch Landmarks berücksichtigen.

Schibalski rät, ein neues „Navi“ immer erst auszuprobieren - und zwar am besten dort, wo sich Fahrer ohnehin gut auskennen. Auf diese Weise erhielten sie Erfahrungswerte, wie ihr Gerät reagiert. Prof. Krems empfiehlt darüber hinaus, den Atlas ins Auto zu legen - falls das „Navi“ einmal ausfällt oder völlig daneben liegt.

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