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27.02.2014

09:14 Uhr

Nissan 370Z Nismo im Test

Godzillas kleiner Bruder greift an

VonSebastian Schaal

Der Nissan 370Z Nismo sieht aus wie das Ergebnis eines Tuning-Laien-Wettbewerbs. Doch der „kleine Bruder“ des GT-R ist kein Blender – sondern ein ehrlicher Sportwagen, der auch einen Porsche überraschen kann.

Nismo steht für Nissan Motorsport. Und das sieht man dem 370Z Nismo mit seinen Spoilern rundum und weit ausgestellten Radkästen auch an. Sebastian Schaal

Nismo steht für Nissan Motorsport. Und das sieht man dem 370Z Nismo mit seinen Spoilern rundum und weit ausgestellten Radkästen auch an.

Wer in Deutschland einen „M“-, „RS“- oder „AMG“-Schriftzug auf seinem Kofferraumdeckel spazieren fährt, bekommt von den meisten Sportwagenfans Respekt und ein anerkennendes Kopfnicken. Kein Wunder, schließlich zählen die flotten Wagen à la BMW M3, Audi TT RS oder Mercedes C63 AMG zu zugleich gefürchteten wie bewunderten Rennern auf Landstraße und Nordschleife.

Und was ist, wenn in silber-roten Lettern „Nismo“ auf dem Heck prangt? Nun, in Japan würden Sie bei Passanten damit wohl ähnliche Reaktionen hervorrufen wie in Deutschland mit einem Porsche Cayman S. Hierzulande erhalten Sie aber eher ein müdes Lächeln als Respekt.

Der ein oder andere Kollege konnte sich einen herzhaften Lacher nicht verkneifen, als ich zu dem Nissan 370Z Nismo in der Tiefgarage führte. Zugegeben, die Ansicht von hinten mit dem wohl größten Heckflügel, den ein Testwagen bei uns je hatte, zwei fetten Auspuff-Endrohren mit je 12 Zentimetern Durchmesser und den überbreiten Radkästen erinnert eher an das Ergebnis eines schlechten Tuning-Wettbewerbs von Hinterhof-Schraubern als an einen Sportwagen von der Stange.

Wer die prollige Optik des 370Z Nismo nur auf eine Bewerbung für den nächsten Bodybuilding-Wettbewerb reduziert, tut dem Wagen Unrecht. Alles, was die Designer geändert haben, folgt auch einem technischen Zweck. Alleine die aggressiver gezeichnete Front mit tief heruntergezogener Schürze samt anthrazit-farbenem Splitter verbessert in der Theorie die turbulenzfreie Umströmung der Karosserie.

Wegen des neuen Stoßfängers vorne wächst der Nismo gegenüber dem Standard-Z übrigens um fast zwei Zentimeter in die Länge. All das interessiert den Kollegen schon gar nicht mehr, er hat schon längst etwas mitleidig „Viel Spaß“ gewünscht und sich in seinem Golf Richtung Feierabend aufgemacht.

Die entscheidenden Fragen und Antworten zum Nissan 370Z Nismo

Alltagstauglich?

Man muss schon ein sehr großer Sportwagen-Enthusiast sein, um jeden Tag in den 370Z Nismo zu steigen. Die Kupplung ist untauglich in der Stadt, die tiefergelegte Karosserie sehr unübersichtlich, der Kofferraum klein.

Das schönste Detail?

Die Plakette im Innenraum mit der Seriennummer. Wir fuhren Wagen 0003.

Enttäuschend?

In einem Sportwagen muss die Ergonomie für den Fahrer stimmen. So ist es sehr enttäuschend, dass im 370Z das Lenkrad nicht längs verstellbar ist. So fällt es schwer, die perfekte Kombination aus Sitz- und Lenkradposition zu finden.

Ist er`s wert?

44.900 Euro inklusive Vollausstattung sind deutlich weniger als ein ähnlich starker Sportwagen aus deutscher Produktion. Doch es sind auch 12.000 Euro mehr als ein Standard 370Z, der nicht viel langsamer, aber alltagstauglicher ist. Muss jeder Interessent selbst entscheiden.

Sound?

Bei niedrigen Drehzahlen sehr zurückhaltend, da lassen die fetten Endrohre mehr erwarten. Bei Vollgas mit viel Bass, ab 6.000 Umdrehungen auch entsprechend laut.

Wie grün ist das Auto?

Den Normverbrauch von 10,6 Litern können Sie vergessen, 13 bis 15 Liter sind realistischer. Ach ja, Super Plus übrigens. An die einstelligen Alltags-Verbräuche eines Porsche Cayman kommt der Nissan nicht heran.

Vorbildlich?

Kaum etwas verfälscht das Erlebnis, einen 370Z Nismo zu fahren. Keine Komfort-Taste, kein Doppelkupplungsgetriebe, keine einstellbaren Fahr-Modi. Einfach ein bretthartes Sportfahrwerk, Motor vorne, Antrieb hinten und ein Handschaltgetriebe dazwischen. So muss ein puristischer Sportwagen aussehen. Schön, dass es so etwas noch gibt.

Was sagt der Nachbar?

Fragt ernsthaft, in welcher Werkstatt ich den Spoiler habe anschrauben lassen. Dass das alles ab Werk ist, will er nicht so recht glauben.

Wer guckt?

Ein paar Jungs schauen dem Nismo freudig hinterher, sie kennen ihn wohl aus ihrem Konsolenspiel. Angesichts der prolligen Optik wird auch der ein oder andere unbescholtene Passant hinterherschauen – mit hochgezogener Augenbraue.

Wie fährt er sich?

Wie er aussieht. Bretthart, sportlich, kompromisslos.

Wo gehört er hin?

Mindestens auf verlassene, kurvenreiche Landstraßen. Besser auf die Rennstrecke. In der Stadt oder auf der Autobahn hat der 370Z Nismo aber nichts verloren.

„Den Spaß werde ich schon haben“, denke ich mir und steige ein. „Ich werde sogar sehr viel Spaß haben.“ Kaum habe ich Platz genommen, stellt sich sofort das typische Sportwagen-Feeling ein. Aber nicht das eines Porsche, wo in einem rundum lederbezogenen Innenraum gleichzeitig auch noch eine Wohlfühl-Atmosphäre herrscht.

Im Nismo ist alles ein wenig enger und dunkler, das Alcantara-Sportlenkrad mit roter 12-Uhr-Markierung, der mittige Drehzahlmesser mit einer Skala bis 9.000 Umdrehungen und die Zusatz-Instrumente auf der Mittelkonsole erinnern eher an einen waschechten Rennwagen als an ein weichgespültes Straßenauto.

Auch der leicht heisere Motorensound aus den fetten Endrohren verspricht vor allem eines: Vortrieb. Doch von den 344 PS des 3,7 Liter großen V6 brauche ich zunächst nur einen Bruchteil. Es herrscht Stau auf der Autobahn nach Hause. Statt mich an den knackig-kurzen Schaltwegen der Sechsgang-Handschaltung – eine Automatik oder Doppelkupplung gibt es im Nismo nicht – erfreuen zu können, kämpfe ich im Berufsverkehr mit der knochenharten Kupplung. Der sehr klar definierte Schleifpunkt ist super, um beim Beschleunigen möglichst flott die Gänge zu wechseln. Beim ständigen Anfahren im Stop&Go-Verkehr oder beim zentimetergenauen Rangieren hilft das allerdings wenig.

Über die beiden je zwölf Zentimeter großen Endrohre bläst der 344 PS starke Saugmotor seine Abgase in die Umwelt. Das macht er größtenteils leiser, als es die fetten Rohre vermuten lassen, erst ab 6.000 Umdrehungen wird er laut. Sebastian Schaal

Über die beiden je zwölf Zentimeter großen Endrohre bläst der 344 PS starke Saugmotor seine Abgase in die Umwelt. Das macht er größtenteils leiser, als es die fetten Rohre vermuten lassen, erst ab 6.000 Umdrehungen wird er laut.

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