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18.10.2012

10:11 Uhr

Nissan GT-R im Handelsblatt-Autotest

Der Billigflieger

VonSebastian Schaal

Beschleunigungswerte nahe Vettels Formel-1-Renner, Geschwindigkeiten jenseits der 300. Das können nur sündhaft teure Supersportwagen. Der Nissan GT-R tritt den Gegenbeweis an: Er wirft 550 PS für 92.000 Euro ins Rennen.

DüsseldorfEr ist der Traum vieler „Need for Speed“-Spieler oder von Freunden der „Gran Turismo“-Reihe: der Nissan GT-R. Mit auffälligen Lackierungen und noch auffälligeren Tuning-Teilen bestückt zieht der GT-R in den Konsolenspielen der Konkurrenz von Porsche, Ferrari, Lamborghini und Co davon, egal ob im Beschleunigungs-Duell, beim Drift-Wettbewerb oder auf der Rundstrecke. Der GT-R ist DAS Fahrzeug der Gamer.

Nur hat die Sache für die Konsolen-Freunde einen Haken: In der Realität bekommen sie ihren Traumwagen kaum zu Gesicht. Porsche ist in Deutschland geradezu Massenware, auch die italienischen PS-Träume können regelmäßig in den Innenstädten bewundert werden. Doch den GT-R sieht man nie.

Das hat auch einen einfachen Grund, denn bis 2009 gab es die Fahrmaschine aus Japan (dort hat er den Spitznamen „Godzilla“) in Deutschland nicht zu kaufen. Davor haben es nur Eigenimporte aus dem Fernen Osten in die Bundesrepublik verschlagen. Als Rechtslenker versteht sich, also sehr schwere Kost für wahre Fans.

Auch seit dem hat er es in Europa nicht zu nennenswerten Stückzahlen gebracht. Dabei kann er als wahres Schnäppchen gelten: 550 PS gibt es für 92.400 Euro. Feinste Sport-Ausstattung inklusive. Bei der Konkurrenz aus Europa wird ungefähr das Doppelte fällig - mit mehr Flair und Design.

Die entscheidenden Fragen und Antworten zum Nissan GT-R

Wer guckt?

Auf den Boulevards dieser Welt zieht der prollige GT-R kaum einen Blick auf sich. Jungs, die den Wagen aber von dem Konsolenspiel her kennen, schauen dem Nissan begeistert hinterher.

Wie fährt er sich?

Unbeschreiblich.

Sound?

Sportlich kernig bis sehr laut. Aber ganz anders als der Klang eines V8 oder V10, den man in einem Sportwagen dieses Kalibers erwarten würde.

Eine ganz andere Welt ist der Sound von außen. Schießt der GT-R mit Vollgas heran, ist das Rauschen der Luft, die von den beiden Turbos verschlungen wird, fast lauter als der Motor selbst. 

Wo gehört er hin?

Für die Stadt absolut ungeeignet, für die Landstraße um Welten zu schnell, gaaanz vielleicht auf eine freie Autobahn. Kurzum: Der GT-R braucht eine abgesperrte Straße mit genügend Auslaufzonen, um sein Potenzial auch nur ansatzweise zur Geltung zu bringen.

Alltagstauglich?

Nein. Daran ändert auch der verhältnismäßig große Kofferraum nichts. Er ist und bleibt ein Rennwagen mit Straßenzulassung.

Ist er‘s wert?

Für weniger Geld gibt es Sportwagen mit einem sehr guten Fahrwerk. Für weniger Geld gibt es Autos mit bärenstarkem Motor, die nur schnell geradeaus fahren können. Für 92.400 Euro gibt es nur eine Möglichkeit, die beiden Extreme zu kombinieren. Und die heißt Nissan GT-R.

Wie grün ist das Auto?

Kein Kommentar.

Was sagt der Nachbar?

Er hat ja auch Spaß an tollen Autos. Der GT-R ist für ihn aber zu viel. Armdicke Endrohre, ein Sound, der die halbe Nachbarschaft frühmorgens weckt und die aggressive Front gefallen ihm nicht. Als er mich sieht, wie ich in dem GT-R kaum über die Speed-Bumper im Wohngebiet komme ohne aufzusetzen, sieht er sich endgültig in seiner Meinung bestätigt: Der Wagen ist nix für den Alltag. Wo er recht hat...

Das schönste Detail?

Der Gesichtsausdruck der Beifahrer, wenn sie das erste Mal erleben, was Vollgas in einem Nissan GT-R bedeutet.
Um wie an dieser Stelle üblich ein Ausstattungsdetail des Autos zu nennen: der rote Startknopf. Allein seine Optik macht klar, das etwas Gefährliches passieren wird, wenn man ihn drückt.

Enttäuschend?

Mein Kontostand: Ich habe keine 92.400 Euro übrig.

Vorbildlich?

Wie hoch der Grenzbereich liegt. Wenn der GT-R innerhalb dessen bewegt wird, was die StVO ihm erlaubt, hat er wahnsinnig große Sicherheitsreserven. Von diesem Zusammenspiel aus Fahrwerk und den elektronischen Helferlein können andere Sportwagen noch einiges lernen.

Genau das fehlt dem GT-R etwas, vor allem im Innenraum. Alles wirkt etwas lieblos, kein klares Design, viele schwarze Kunststoffe. Wer aber auf dem Fahrersitz Platz genommen hat, der merkt, worum es bei dem GT-R geht: Der Weg ist das Ziel. Der riesige Drehzahlmesser, das Display mit einer Übermacht an Informationen, die großen Schaltpaddels. Alles dient nur dem möglichst schnellen Vorankommen.

Die bullige und aggressive Optik des Nissan GT-R gefällt nicht jedem. Aber sie passt zum Rest des Autos. Sebastian Schaal

Die bullige und aggressive Optik des Nissan GT-R gefällt nicht jedem. Aber sie passt zum Rest des Autos.

Also auf zur ersten Ausfahrt. Doch bevor die vollen 550 PS über die Dunlop-Reifen herfallen (selbstverständlich eine Spezial-Entwicklung für den GT-R), wollen Motor und Getriebe behutsam auf Temperatur gebracht werden. Erst wenn deren Öl (in beiden Fällen wieder eine Sonderentwicklung) wärmer als 75 Grad ist, darf der Motor mehr als 4.500 Touren drehen. So wünscht es sich Nissan, damit das von Hand zusammengesetzte Kunstwerk im Motorraum auch möglichst lange seinen Dienst tut.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

18.10.2012, 11:21 Uhr

100 Oktan gibt es ja auch an jeder Ecke zum Schnäppchenpreis ;o

Account gelöscht!

18.10.2012, 13:17 Uhr

Ein absolut fantastisches Auto! Jeden Euro wert! Gut, dass es den Fahrer ängstigt und fordert, und sehr gut, dass das mal wieder jemand schreibt. Porsche fahren mit Komfort-Taste kann ja heute jeder Großvater.

Account gelöscht!

27.10.2012, 17:19 Uhr

Mit den meisten Ihrer Feststellungen bin ich einverstanden! Ich fahre das aktuelle Mod. seit 6 Monaten, der M 3 zuvor war dagegen Kindergeburtstag.Die Fahrleistugen auf der Autobahn sind atemberaubend, jeder Porsche räumt freiwillig die linke Spur wenn der GTR im Anmarsch ist. was mir nicht gefällt: der Motorensound, hier muss wohl bald eine andere Auspuffanlge her. Der erbrauch ist wie sovieles relativ. Ich fahre bei üblichem Autobahntempo im SAVE-Modus den GTR problemlos zwischen 10,5-12,5 l ohne für irgendjemanden ein Hindernis darzustellen. Übrigens kann man problemlos 98 Oktan tanken, der Motor regelt ein wenig herunter, möglicherweise fehlen dann 20 PS, so what ? Der GTR ist nicht ungeeignet für die Stadt im Vergeich zu anderen Sportwagen (z.B. Corvette), der Automatikmodus schaltet bereits knapp unter 50km/h in den 6. Gang, eine serienmüässige Rückfahrkamera erleichtert das Einparken ungemein, das Navi mit touchscreen ist Extraklasse (TMC pro) . Selbstverständlich kann Luftdruck an jeder Tankstelle geprüft und nachgefüllt werden, dass werksseitig Stickstoff aufgefüllt wurdeändert daran nichts.
Porsches sieht man an jeder Ecke, GTR sind eher noch seltener als Lamborghinis, von daher wird man oft angesprochen und erntet bewundernde Blicke, besonders die Kids strecken beim Vorbeifahren den Daumen hoch !
Obwohl der Unterhalt auf dem Niveau eines Supersportwagens liegt, gibt es derzeit kein anderes Auto welches Preis-/ Leistungsverhältnis, überragenden Fahrspass bietet wie der GTR. weshalb schgaffen dies die deutschen Premiumhersteller nicht ?

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