Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.10.2013

14:32 Uhr

Nissan Leaf im Handelsblatt-Test

Gemütlicher Schnurrer für vermögende Pendler

VonFrank G. Heide

Der Nissan Leaf kann für Berufspendler ein ideales Elektro-Alltagsauto sein, vorausgesetzt man hat eine kurze Strecke und einen eigenen Stromanschluss. Aber der Wertverlust treibt einem die Tränen in die Augen.

Ganz schön teuer, so ein grünes Gewissen: In der Anschaffung ist der ökolokisch korrekte Nissan OK, aber das böse Erwachen kommt nach vier Jahren. Dann ist vom Kaufpreis des Leaf nur noch rund ein Drittel an Restwert übrig. PR

Ganz schön teuer, so ein grünes Gewissen: In der Anschaffung ist der ökolokisch korrekte Nissan OK, aber das böse Erwachen kommt nach vier Jahren. Dann ist vom Kaufpreis des Leaf nur noch rund ein Drittel an Restwert übrig.

DüsseldorfDen Durchbruch für das Elektroauto in Deutschland könne er bringen, der neue Elektro-Golf, glaubt die Fachpresse. Doch das anlässlich der IAA präsentierte Auto der Wolfsburger wird erst 2014 auf die Straßen kommen, und längst sind Mitbewerber unterwegs, die dem Golf weit enteilt sind.

Einen davon habe ich eine Woche lang als typischer Berufspendler genutzt, bin jeden Tag etwas mehr als 60 Kilometer damit zur Arbeit und zurück nach Hause gefahren. Nach einigen zusätzlichen Kurzausflügen bin ich nicht nur von seiner Alltagstauglichkeit absolut überzeugt. Ich glaube sogar, dass der Elektro-Golf keine Chance haben wird, den Nissan Leaf der zweiten Generation zu schlagen. Die wichtigsten Argumente im Überblick:

Bedienung: Ein Knopf zum Ein- und Ausschalten, ein leuchtender Knubbel in der Mittelkonsole mit nur drei Symbolen: Vorwärts, rückwärts, parken, dazu eine Fuß- und eine Feststellbremse sowie eine Eingang-Automatik. Wie einfach kann Autofahren noch werden? Was Nissan im Leaf bietet, kann ein Golf VII auch als Elektrofahrzeug allenfalls anstreben, optimieren kann man diese entspannende Simplizität wohl kaum.

Fahrtenbuch

Erster Eintrag

Von außen ist das Design hinten und seitlich sehr gefällig, an der Schnauze stören mich die herausragenden Scheinwerfer-Augen. Beim Einstieg überrascht die hochwertige und umfangreiche Ausstattung.

Zweiter Eintrag

Batterie nachladen? Überhaupt kein Problem dank beiliegenden Ladekabeln und leicht zugänglicher Verbindung vorn an der Motorhaube. Die Bedienung ist narrensicher und sogar die Hände bleiben sauber.

Dritter Eintrag

Wer einmal Elektroauto gefahren ist, möchte es immer wieder tun. Erstaunlich, dass der lautlose Antrieb und das sofortige Einsetzen des kompletten Drehmoments nichts an Faszination einbüßen. Sehr gut gelöst: Wenn ich bis 30 km/h fahre, warnt ein leises Summen des Wagens unaufmerksame Passanten. Der Nissan klingt wie eine Straßenbahn.

Vierter Eintrag

Sorgen um die Reichweite habe ich mir nur einen Tag lang gemacht. Ab Tag zwei ist der Wagen Entspannung pur. Angesichts von 144 km/h Spitze rast man sowieso nicht, und das Powermeter in der linken Hälfte des Fahrerdisplays animiert sehr schön zum sparsamen gleiten.

Preis: Nissan hat reduziert, um 3.000 auf nun 29.690 Euro. VW sagt zwar offiziell noch nichts zum E-Golf-Preis, gemunkelt werden ca. 35.000 Euro. Die Wolfsburger verlangen aber schon für den auf der IAA im September präsentierten E-Up so viel wie Nissan für die preiswerteste Leaf-Variante – und letzterer liegt eine ganze Fahrzeugklasse über dem Up. Zudem lockt Nissan mit einem besonderen Angebot: Mietet der Kunde die Batterie zu einer monatlichen Pauschale, kostet der Leaf nur noch 23.790 Euro. Die genauen Kosten hierfür variieren allerdings nach der vereinbarten Laufleistung. Da hier jeder Kunde das Angebot nach seinen individuellen Bedürfnissen durchrechnen muss, haben wir diesen Punkt nicht weiter berücksichtigt. Wer zudem die übliche Aufpreispolitik des Wolfsburger Konzerns kennt und sich die Extras im serienmäßigen Leaf betrachtet, wird sagen: Vorteil Japan.

Design: Ein Golf ist ein Golf und bleibt ein Golf. Somit ist seine größte Stärke auch seine Design-Schwäche. Er ist das Jedermann-Auto, die goldene Mitte, der vom Mainstream glattgespülte Kiesel. Was aber viele Käufer auch gut finden. Der Nissan bietet mir persönlich aber mehr, weil er unverwechselbarer ist. Klar, nicht jeder wird seine hervorquellenden Scheinwerfer-Augen und das asiatische Neo-Barock-Design mögen. Aber der Punkt für den mutigeren, selbstbewussten Auftritt geht nach Japan.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Kritiker

03.10.2013, 15:39 Uhr

Verehrte Redaktion: Von Michael Haller gibt es das Basis-Buch für Journalisten "Recherchieren". Wenn Sie dies gelesen hätten, wären Sie auf den brandneuen Renaut ZOE gestoßen, das aktuellste Elektroauto aus dem Hause Renault-Nissan. Er wartet mit einer Vielzahl von Innovationen auf, die die Reichweite erhöhen. Beispielsweise mit einer stromsparenden Miniwärmepumpe für Heizung und Kühlung.
Zum Restwert: Sie sollten einmal eine Vollkostenrechnung über 10 Jahre anstellen und zugrunde legen, dass die Batterie gemietet wird und nach Ablauf der Mietdauer ausgetauscht wird. Wenn Sie dann noch berücksichtigen, dass praktisch keine Wartungs- und Reparaturkosten anfallen, relativiert sich der Restwert, den die sog. Experten ermittelt haben. Bitte auflisten: Nie wieder Ölwechsel, keine Öl- und Wasserpumpe, kein Auspuff, kein Katalysator oder Dieselfilter, keine Motoreinstellarbeiten, kein Abgastest.
Noch Fragen????

sebastian

03.10.2013, 16:23 Uhr

Ja, noch Fragen:
- Warum sollten bei einem E-Auto innerhalb von 10Jahre keine Wartungs- und Reparaturkosten anfallen?
Hat ein E-Auto keine Reifen, die gewechselt werden müssen? Kann an Elekronik nichts kaputt gehen?
Wenn ich Probleme mit Autos hatte, war oftmals die Elektronik im Spiel...interessant, dass das bei E-Autos anders sein sollte.

- Der Renault Zoe kostet (neben dem im Vergleich zum Clio hohen Kaufpreis) alleine schon 75 Euro Akkumiete im Monat bis grade mal 12.500 km.
Dannach kommt pro km weitere 5 Cent dazu.

Über diese 10 Jahre würden selbst Wenigfahrer, die unter 12.500km bleiben 9000 Euro nur an Akkumiete zahlen.
Alleine was man dort an Akkumiete zahlt, kann man ja schon einen Kleinwagen kaufen.

Es ist nichts als ein Spielzeug für Leute, die es sich leisten können. Aber rechnen kann es sich nicht.

sebastian

03.10.2013, 16:30 Uhr

Elekroautos rechnen sich schlichtweg nicht.
Grundsätzlich ist der Gedanke ja gut, dass man mit Strom fährt und dabei über die Jahre den höheren Kaufpreis wieder reinholt, nur kann das bei Elektroautos nicht klappen....alleine schon, dass vor der Amortisation der Akku teuer getauscht werden muss oder Alternativ monatlich eine teure Akkumiete zu zahlen ist.

Mit einem ERDGAS-Auto fährt man in Sachen Kraftstoff sogar etwas billier, als mit Strom...selbst bei jetzigen Strompreisen (nächstes Jahr wirds wieder teuerer).

Ausserdem hat ein Erdgas-Auto auch noch vernüftige Reichweiten und (um mal ein Beispiel zu nennen) kostet der Erdgas-Up nicht mal die Hälfte von dem Eletro-Up!

Daher, wer sparen will und vorallem wer Vielfahrer ist, sollte mit Erdgas fahren.
Wer von Eletroautos begeistert ist und zu viel Geld hat, kann sich ja ein Elektro-Auto holen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×