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17.12.2013

13:08 Uhr

Nissan Micra im Gebrauchtwagen-Check

Frauenheld mit kleinen Fehlern

Quelle:Spotpress

Kulleraugen, freches Kühlergrillgrinsen und knackige Abmessungen: Der Nissan Micra der dritten Generation war bei Frauen besonders beliebt. Auch als Gebrauchter hat er noch Charme - jedoch auch einige Schwachstellen.

Die Kulleraugen wirken niedlich Nissan

Nissan Micra: Nicht nur die Kulleraugen wirken niedlich

Der zwischen 2002 und 2010 angebotene Nissan Micra (Typ K12) gefällt mit seiner barocken Karosserie und dem Kindchenschema-Gesicht nicht jedem. Wer das Design mag, verliebt sich aber oft auf den ersten Blick. Rund eine Viertelmillion Einheiten sind allein in den ersten anderthalb Jahren nach Markteinführung gebaut worden. Beim Gebrauchtwagenkauf sollte Liebe aber nicht blind machen, denn der Stadtflitzer hat auch einige Schwächen.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Karosserie und Innenraum: Ob die Karosserie nun gefällt oder nicht – praktisch ist der rundliche und relativ hohe Cityfloh auf jeden Fall. Die optionalen Fondtüren und die verschiebbare Rückbank machen den Raum hinter dem Fahrer wahlweise für Passagiere oder Gepäck gut nutzbar. Der Kofferraum fasst bei voll zurückgefahrener Sitzbank immer noch ordentliche 251 Liter, werden die Lehnen umgeklappt, vervierfacht sich der nutzbare Raum nahezu – seinerzeit durchaus ordentliche Werte in der Kleinwagenklasse.

Und das, obwohl der Micra mit 3,72 Metern Länge kürzer und damit handlicher ist als die meisten Konkurrenten. Der Innenraum ist nicht nur gemessen am expressiven Karosseriedesign relativ nüchtern, bietet nur wenige Ablagen und offenbart einige Schwächen bei der Bedienbarkeit. Etwa die zu tief angebrachte Heizungseinstellung.

Neben der drei- oder fünftürigen Limousine gab es zwischen 2005 und 2009 auch ein 2+2-sitziges Cabrio mit Stahldach, das allerdings nicht zuletzt aufgrund seiner kuriosen Form nur wenige Käufer fand.

Die Rücksitzbank ist beim Cabrio eine bessere Hutablage Nissan

Die Rücksitzbank ist beim Cabrio eine bessere Hutablage

Motoren: Als typisches Stadtauto konzentriert sich das Antriebsprogramm des Micra auf die Benziner. Der Basismotor mit 1,2 Litern Hubraum und 48 kW/65 PS ist für den vergleichsweise schweren Nissan eigentlich nur in der City eine angemessene Wahl, über Land leistet der 1,4-Liter-Benziner mit 65 kW/80 PS bessere Dienste.

Wirklich flott ist man nur mit dem kurzzeitig angebotenen Top-Benziner mit 81 kW/110 PS aus 1,6 Litern Hubraum unterwegs. Wirklich sparsam ist keiner der Motoren, da man sie sehr hoch drehen muss, damit sie Temperament entwickeln.

Real-Verbrauchswerte zwischen sechs und knapp acht Litern gehen aber unterm Strich in Ordnung. Wer viel fährt, kann jedoch durchaus über den alternativ angebotenen 1,5-Liter-Diesel mit bis zu 65 kW/88 PS nachdenken.

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