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06.11.2014

13:35 Uhr

Nissan Qashqai als Gebrauchter

Der Hochsitz wackelt

Quelle:Spotpress

Der Nissan Qashqai schlug 2007 ein wie eine Bombe: Viel Platz und faire Preise machten ihn nicht nur für klassische SUV-Käufer interessant. Ganz perfekt ist der Bestseller als Gebrauchtwagen aber nicht.

Das 2007er-Modell wirkt mittlerweile ein wenig betagt Nissan

Das 2007er-Modell wirkt mittlerweile ein wenig betagt

Den Nomadenstamm der Qashqai kennen in Deutschland wohl nur eine Handvoll Ethnologen, das gleichnamige Kompakt-SUV mindestens 150.000 Autofahrer. So viele Kunden nämlich haben sich seit 2007 für den Alltags-Crossover entschieden. Entsprechend groß ist das Angebot an Gebrauchtwagen. Der geneigte Käufer kann also sorgfältig auswählen. Und das sollte er, denn ganz fehlerlos ist der Japaner nicht.

Karosserie und Innenraum: Auch wenn er größer wirkt – der Qashqai ist mit 4,33 Metern nur wenig länger als ein VW Golf, bietet aber einen deutlich größeren Laderaum.

Im Stadtverkehr ist der Kompakte somit noch einigermaßen handlich, auf Langstrecken überzeugen Raumgefühl und Staumöglichkeiten. Großgewachsene sollten aber vor dem Kauf die Beladung des Kofferraums simulieren – denn die Heckklappe öffnet nicht besonders weit. Auch auf den Fondsitzen fehlt es Großgewachsenen etwas an Kopffreiheit.

Wer richtig viel Platz benötigt, wählt daher die um 20 Zentimeter gestreckte Langversion Qashqai +2, die über eine versenkbare dritte Sitzreihe mit zwei Plätzen verfügt. Im Innenraum überzeugen gute Verarbeitung und ordentliche Materialauswahl, die beim Facelift 2010 noch einmal verbessert wurde. Bei der Bedienung gibt es leichte Schwächen wie etwa die unübersichtlichen Armaturen oder das umständliche schlüssellose Startsystem.

Hinter der Klappe ist viel Platz Nissan

Hinter der Klappe ist viel Platz

Antrieb: Auf dem Gebrauchtwagenmarkt dominiert der Diesel. Der kleinere mit 1,5 Litern Hubraum und 78 kW/106 PS (später auch mit 76 kW/103 PS und 81 kW/110 PS) reicht im Normalfall aus, wurde aber anfangs nur gegen Aufpreis mit einem Rußpartikelfilter ausgeliefert. Der alternativ über die gesamte Laufzeit angebotene 2,0-Liter-Diesel mit 110 kW/150 PS ist zwar spürbar durchzugsstärker, verbraucht aber fast anderthalb Liter mehr. Den besten Kompromiss aus Leistung und Kosten bietet der, allerdings nur zwischen 2011 und 2013 angebotene 1,6-Liter-Diesel mit 96 kW/130 PS.

Bei den Benzinern besteht die Wahl zwischen einem 1,6-Liter-Triebwerk mit 84 kW/114 PS (später 86 kW/117 PS) und einem 2,0-Liter-Motor mit 104 kW/141 PS; beide sind im Vergleich zu den Dieseln allerdings sehr durstig und daher nur für Wenigfahrer zu empfehlen. Verzichtbar ist für die meisten Käufer auch der Allradantrieb, der sowieso nur für den jeweils stärksten Benziner und Diesel zu haben war.

Wer nicht gerade in schneereichen Gegenden wohnt, kann auf die Traktionshilfe getrost verzichten. Ein Geländewagen ist der Nissan sowieso nicht. Übrigens auch keine klassische Zugmaschine: maximal 1.400 Kilogramm dürfen an den Haken.

Die Verarbeitung ist gut, das Design mäßig Nissan

Die Verarbeitung ist gut, das Design mäßig

Ausstattung und Sicherheit: Bereits in der Basisvariante „Visia“ hat der kompakte Nissan das wichtigste an Bord. Serie waren von Anfang an CD-Radio, Klimaanlage, geteilt umlegbare Rücksitze und Bordcomputer. Der Qashqai+2 verfügt zusätzlich über ein Panoramaglasdach (das sich allerdings nicht öffnen lässt) und eine längs verschiebbare Rückbank.

Aufgrund einer fairen Aufpreispolitik sind auch zahlreiche Fahrzeuge der besser ausgestatteten Variante „Acenta“ auf dem Markt, die zusätzlich mit Klimaautomatik, 17-Zoll-Felgen und Lederlenkrad aufwartet. Eher selten zu finden sind Modelle mit Automatik; für den großen Benziner gibt es ein hierzulande generell wenig gefragtes stufenloses Getriebe, der große Diesel kann mit einer Sechsgangautomatik kombiniert werden.

Die Sicherheitsausstattung ist mit sechs Airbags und ESP klassentypisch. Im EuroNCAP-Crashtest gab es die Höchstwertung von fünf Sternen.

Nissan Qashqai im Handelsblatt Autotest: Die ewig grasende Cash Cow

Nissan Qashqai im Handelsblatt Autotest

Die ewig grasende Cash Cow

Nissan hat seinen Topseller Qashqai neu aufgelegt. Die Japaner bleiben dabei den alten Tugenden ihrer Cash Cow treu: Die Stärken überall, nur nicht im Gelände. Und das macht den Qashqai auf seine Art kompromisslos.

Qualität: In Sachen Qualität bemängelte der TÜV in den ersten Jahren überdurchschnittlich häufig Mängel an den Achsen, führt das aber zunächst auf Verarbeitungsprobleme zurück, die durch eine Rückrufaktion kurz nach Markteinführung behoben wurden. Doch auch bei den jüngeren Modellen zählen Federn, Dämpfer und Antriebswellen weiterhin zu den wunden Punkten.

Bei der Testfahrt sollte daher ganz genau auf ungewöhnliche Fahrwerksgeräusche geachtet werden. Besonders bei Fahrzeugen mit Allradantrieb, die auch abseits befestigter Straßen bewegt wurden.

Darüber hinaus liegt der Verschleiß an den Bremsscheiben leicht über dem Durchschnitt, vor dem Kauf lohnt also eine Kontrolle, besonders bei viel gefahrenen Autos. Weitgehend problemlos zeigt sich hingegen laut HU-Statistik die Lenkung. Und auch Rost ist kein Thema.

Die +2-Version bietet Platz für sieben Nissan

Die +2-Version bietet Platz für sieben

Fazit: Der Qashqai ist nicht zufällig Nissans Bestseller in Deutschland, bedient er sich doch aus den beiden beliebtesten Fahrzeugsegmenten. Aus der Offroad-Ecke stammen die die bullige Optik, das gute Platzangebot und die hohe Sitzposition, bei Verbrauch und Kosten hingegen ist er einem normalen Kompaktklässler deutlich näher.

Da zudem die Neuwagenpreise eher moderat waren, ist auch ein Gebrauchter zu einem ordentlichen Kurs zu haben – vor allem seit der Einführung des Nachfolgemodells im Februar 2014. Gut 8.000 Euro sollten aber trotzdem angelegt werden.

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