Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.09.2014

09:22 Uhr

Nissan Qashqai im Handelsblatt Autotest

Die ewig grasende Cash Cow

VonAlexander Möthe

Nissan hat seinen Topseller Qashqai neu aufgelegt. Die Japaner bleiben dabei den alten Tugenden ihrer Cash Cow treu: Die Stärken überall, nur nicht im Gelände. Und das macht den Qashqai auf seine Art kompromisslos.

Vorne länger, als man glaubt: Dem Qashqai täten auch in der Basisversion ein paar Parksensoren vorne gut. Frank G. Heide

Vorne länger, als man glaubt: Dem Qashqai täten auch in der Basisversion ein paar Parksensoren vorne gut.

DüsseldorfQashqai bedeutet für mich Urlaub. Oder zumindest Freizeit. Die ersten Gehversuche mit einem der beliebtesten SUV der Deutschen – in den aktuellen Statistiken der Neuzulassungen seiner Klasse auf Rang zwei – erfolgten vor einigen Jahren beim ausgedehnten Ferienaufenthalt auf dem beschaulichen Balearen-Archipel Menorca. Der Mietwagenverleih hatte seinerzeit die Qashqai-Wochen ausgerufen, praktisch jedes gebuchte Vehikel konnte ohne Aufpreis gegen den Nissan getauscht werden. Natürlich war das Angebot zu verlockend, um zu widerstehen.

Diese PR-Maßnahme des japanischen Herstellers, man kann sie als gelungen bezeichnen, führte zu zweierlei: Halb Menorca war mit fabrikneuen Qashqai zugepflastert. Und ich musste den Urlaub über selbst fahren, da meiner Freundin der SUV auf den engen Straßen der kleinen Insel schlichtweg zu dick war.

Heute weiß ich, dass der Qashqai für einen SUV eher zierlich ist. Wenn ihnen ein Reisebus auf einer fünf Meter breiten Schotterpiste entgegenkommt, links Busch, rechts Mauer, käme ihnen aber auch ein Smart breit vor. Seither bin ich im Nissan meist Beifahrer, wenn ich mich von einem alten Kollegen in seinem „+2“, also der in der Vorgängerbaureihe verlängerten Variante mit mehr optionalen Sitzplätzen, zu den Heimspielen von Fortuna Düsseldorf kutschieren lasse.

Die Erwartungshaltung ist entsprechend groß. Die Ernüchterung auch: Der Qashqai ist Alltag pur. Ist auch klar, es fehlt ja der passende Urlaub. Das erste, was auffällt – der Dicke wirkt kleiner. Das wiederum liegt an der mittlerweile vorhanden SUV-Erfahrung. Denn faktisch hat sich in der aktuellen Version des Japaners an den Dimensionen nichts dramatisch geändert. Ein paar Zentimeter länger, ein paar Zentimeter breiter, ein paar Zentimeter niedriger, das war's. Allerdings gibt es den verlängerten plus zwei nicht mehr.

Das Testwagen-Fahrtenbuch

Erster Eintrag

Nimm Du, ich hab ihn sicher: Am ersten Abend entführt ein Kollege den Wagen für den Ritt nach Hause. Wollte einen SUV, der nicht zu groß ist. Den hat er bekommen. Kommt am nächsten Morgen zufrieden wieder in der Redaktion an. Ich bin gespannt.

Zweiter Eintrag

Der Qashqai steht nackt in der Garage, so wie Nissan ihn schuf. Keine Extras, keine Sonderausstattung, dafür zum unschlagbaren Preis von 19.900 Euro. Das ist sehr löblich, da so nicht vom Auto abgelenkt wird. Dumm nur, wenn man davor zwei Wochen einen Wagen gefahren ist, der bis zur Dachkante mit Extras zugekleistert war. Aber das ist unfair. Ich drehe eine Runde. Und noch eine. Dann stört mich der komische Geruch auch nicht mehr. Wird schon.

Dritter Eintrag

Die Oma ist begeistert! Ideale Einstiegshöhe, genug Platz für die Beine – und hinten für den Rollator. Der Qashqai fährt sich vollkommen unaufgeregt, macht nichts Unerwartetes. Man macht sich keine Sorgen, ob das Interieur dreckig werden könnte. Ist ja alles abwaschbar. Der nächste Kollege ist hellauf begeistert und will die Gattin damit direkt zum Reiterhof schicken.

Vierter Eintrag

So ganz rund läuft er ja nicht, Nissans Topseller. Die Sitze geizen, bei günstigen Varianten üblich, mit Seitenhalt und dauerhaftem Komfort. Die Start-Stopp-Automatik zeigt an, wie viel CO2 eingespart wurde – niedlich. Ändert aber nichts, dass der Motor für seine Größe zu viel verbraucht. Und das, wo die 116 PS für ungewöhnlich wenig Vortrieb sorgen. Die Gänge gehen etwas zu weich. Aber irgendwas ist ja immer.

Fünfter Eintrag

Auf zum Festival! Am Niederrhein spielt der Qashqai seine Trümpfe nacheinander aus: Es passen drei Leute plus Campingausrüstung und Gepäck hinein. Er tuckert gemächlich, aber sicher die Autobahn entlang. Er rumpelt geduldig über die Wiesen und Feldwege. Und ist hoch genug, um eine Palette Bier über Nacht darunter zu kühlen. Funktioniert am Abreisetaxi auch als Shuttle und lässt sich vollgepackt gut einparken. Läuft.

Äußerlich wurde der Qashqai gestrafft. Die Front wirkt jetzt sportlicher, Heck und Linienführung blieben bei mehr Dynamik klar wiedererkennbar. Der böse Blick steht dem SUV gut. Gut auch, dass Nissan dem Tester in diesem Fall nicht versucht, die Sinne zu vernebeln.

Ausnahme hiervon ist vielleicht der penetrant fischige Geruch im Fahrgastraum, der wahrscheinlich von der kunststoff-geprägten Innenausstattung des Qashqai rührt. Aber damit kann man ja auch mal Pech haben. Die Japaner stellen als Testfahrzeug die Basisversion Visia. Keine Extras, keine Sonderbehandlung, keine bessere Motorisierung, dafür ein in dieser Klasse schwer zu schlagender Grundpreis für 19.990 Euro.

Doch zurück zum Alltag.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×