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15.08.2011

09:41 Uhr

Oldtimer-Geschichte

Als das Amphicar baden ging

Quelle:ampnet

Nur 3.878 Exemplare des Amphicar wurden seit 1961 gebaut, geplant waren 25.000. Damit ging der skurrile Schwimmwagen im doppelten Wortsinn baden und ist heute ein gesuchtes Stück für Oldtimersammler.

Woher sonst: Der Motor für die ersten Amphicars kam - natürlich - aus dem Opel Kapitän. Später aus dem Triumph Herald. ampnet

Woher sonst: Der Motor für die ersten Amphicars kam - natürlich - aus dem Opel Kapitän. Später aus dem Triumph Herald.

Sinsheim/DüsseldorfNein, ein Verkaufserfolg war der schnuckelige Wagen ganz sicher nicht. Gerade einmal 3.878 Exemplare des Amphicar wurden zwischen 1961 und 1963 (andere Quellen sprechen von 1965) bei der Deutschen Waggon- und Maschinenfabrik in Berlin gebaut – geplant gewesen war eine Stückzahl von 25.000. Damit ging der skurrile Schwimmwagen im doppelten Sinne des Wortes baden und ist heute ein ausgesprochen gesuchtes Stück für Oldtimersammler.

Die letzten gut erhaltenen Amphicars genießen bei sammlern heute absoluten Kult-Status. ampnet

Die letzten gut erhaltenen Amphicars genießen bei sammlern heute absoluten Kult-Status.

Erfinder, Entwickler und geistiger Vater des Amphicar ist der bei Darmstadt geborene Hanns Trippel (1908 - 2001). Der war von der Idee, Amphibienfahrzeuge zu bauen, regelrecht beseelt. Er entwarf schon vor und auch während des Zweiten Weltkriegs solche Fahrzeuge, die eine Art Zwitter zwischen Auto und Boot darstellen. Bereits 1934 baute Trippel seinen ersten Schwimmwagen und bekam von der Wehrmacht einen Auftrag. Mit seinem Schwimmgeländewagen SG6 fuhr er 1938 von Deutschland nach Neapel, setzte dann nach Capri über und schipperte durch die Blaue Grotte.

Unter seiner Regie entstanden im elsässischen Bugatti-Werk zwischen 1940 und 1944 rund tausend Trippel SG 6, die an die deutsche Wehrmacht geliefert wurden, rund 2.500 der Fahrzeuge, die ab 1941 über Allradantrieb verfügten, sollen insgesamt gebaut worden sein. Ein aus dem Opel Kapitän stammender 2,5-Liter-Sechszylinder (55 PS) sorgte für den Antrieb.

Nach Kriegsende, in den Wirtschaftswunder-Jahren der Bundesrepublik, wurde der Industrielle Harald Quandt (1921 - 1967) Trippels Partner. Die beiden Männer sahen in den USA, wo sie den Amphicar vertreiben wollten, einen echten Markt für das Fahrzeug. Einen ersten Prototypen konnte man im März 1959 auf dem Automobil-Salon in Genf bewundern. Dort trat der Wagen mit seiner hohen Front und den Haifischflossen am Heck erstmals unter dem martialischen Namen „Alligator“ auf. Im Jahr 1961 starten Trippel und Quandt dann die Produktion des Amphicar.

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Gebaut wurde die wannenförmige Karosserie im Lübecker Werk der Industriewerke Karlsruhe. In Berlin, bei der Deutschen Waggon- und Maschinenfabrik (DWM), wurde das Fahrzeug komplettiert. DWM produzierte seinerzeit nicht nur die legendären Berliner Doppeldecker-Busse, sondern außerdem auch U-Bahn-Waggons. Und ging ähnlich gründlich bei der Produktion des Amphicar vor. Ausgesprochen aufwändig war die Fertigung, denn jede Karosserie wurde im Tauchbecken einer Dichtigkeitsprüfung unterzogen.

Mit Lenzpumpe in den Tegeler See

Schließlich folgte dann eine Probefahrt im Tegeler See, wo sich oft herausstellte, dass die serienmäßige Lenzpumpe an Bord nicht völlig überflüssig war. Gerade einmal vier Monate nach Beginn der Fertigung begann der Export in die USA - dorthin dürfte rund die Hälfte aller produzierten Amphicars mit dem dreieckige Markenzeichen, einem ockerfarbenen Vehikel auf einer blauen Welle, verkauft worden sein.

Vom Salzwasser-Einsatz riet der Hersteller stets ab, doch auch im Süßwasser musste die Technik gut gefettet und geschmiert werden. ampnet

Vom Salzwasser-Einsatz riet der Hersteller stets ab, doch auch im Süßwasser musste die Technik gut gefettet und geschmiert werden.

Möglicherweise war der 4,33 Meter lange Amphicar den Amerikanern zu klein, zu unkomfortabel und zu schwach motorisiert. Der Reihen-Vierzylinder mit 1.147 Kubikzentimetern Hubraum unter der Haube stammt vom Triumph Herald und lässt gerade einmal 38 Pferdchen auf die Hinterräder des Schwimmwagens los. Da war man in Texas oder Kalifornien doch andere Leistungswerte gewohnt. Am Leistungsdefizit konnten auch Heckflossen nach Art der US-Straßenkreuzer und reichlich Chromzierrat nichts ändern.

Ein teures Vergnügen

Weniger störend als in Deutschland dürfte in den USA der Preis gewesen sein. Für deutsche Verhältnisse lag der mit anfangs 10.500 DM, später 11.200 DM relativ hoch, im April 1963 wurde er auf 8.385 DM gesenkt. Gegen Ende der Fertigung sollen die Fahrzeuge gar für weniger als 5.000 DM zu ihrem neuen Besitzer gerollt sein, bis 1968 wurden angeblich noch fabrikneue Amphicar verkauft, die in Amerika nicht mehr abgesetzt werden konnten. Dort wurden rund 3.400 Dollar für das Schwimmauto aufgerufen.

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