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19.07.2012

09:13 Uhr

Opel Ampera im Handelsblatt-Test

Was taugt ein Elektro-Auto im Urlaub?

VonSebastian Schaal

Viel wurde über ihn geschrieben, das erste alltagstaugliche Elektroauto mit einer vernünftigen Reichweite soll er sein. Der Opel Ampera war eine Woche bei uns zum Praxis-Test, - und auf Urlaubsreise. Ein Tagebuch.

Sebastian Schaal hat den Opel Ampera für Handelsblatt Online eine Woche lang intensiv getestet. Auf Anschluss beim Laden musste er nie lange warten.

Sebastian Schaal hat den Opel Ampera für Handelsblatt Online eine Woche lang intensiv getestet. Auf Anschluss beim Laden musste er nie lange warten.

Düsseldorf1. Tag, Dienstag
Wir hatten bereits faszinierende Sportwagen wie den Porsche 911 oder den Audi RS5 bei uns in der Handelsblatt Online-Redaktion. Oder Familienautos wie den Opel Zafira oder den Kombi der Mercedes C-Klasse, die für die Väter und Mütter unter unseren Redakteuren einen Blick wert gewesen wären. Doch kein Auto hat so ein Interesse hervorgerufen wie der Opel Ampera.
Seit etwa 14 Uhr steht der Wagen in der Handelsblatt-Tiefgarage. Doch was heißt stehen? Im Moment besteht mein Arbeitstag aus dem Pendeln zwischen Tiefgarage und Schreibtisch. Denn die Kollegen stehen Schlange. Alle wollen sie einen Blick auf den Ampera werfen. Also wieder ab in die Tiefgarage, ein oder zwei Runden drehen, die ganzen Anzeigen und Displays erklären. Egal ob Technologie-, Politik- oder Chefredakteur, alle sind fasziniert.
Das geht sogar so weit, dass der Chefredakteur danach freundlich fragt, ob er den Wagen auch für einen Abend fahren könnte. Das hat es nicht einmal beim Porsche gegeben.

Tag 2, Mittwoch
Direkt am Morgen das erste Problem: Obwohl das Ladekabel bei uns in der Tiefgarage richtig angeschlossen ist, bricht der Ladevorgang nach wenigen Minuten ab. Das Rätselraten ist groß, hat doch ein Kollege der WirtschaftsWoche an genau dieser Steckdose bereits einen Nissan Leaf problemlos geladen.
Wie sich später herausstellt, ist die Kabeltrommel das Problem. Die Steckdose ist zwar ausreichend abgesichert, nicht aber die Trommel. Dazu gibt es zwei Lösungsmöglichkeiten: Entweder ein normales Verlängerungskabel verwenden, oder aber den Ladestrom verringern. Das geht ganz einfach an dem Gerät, das in das Ladekabel integriert ist. Allerdings dauert es dann auch länger, bis der Akku voll geladen ist.

Ein Blick ins Handbuch hilft weiter: Ein Verlängerungskabel sollte beim Laden eines Elektrofahrzeugs nicht benutzt werden, da dieses Verlängerungskabel in den meisten Fällen nicht für hohe Ströme ausgelegt ist (zu geringer Querschnitt). Durch die hohen Ströme kann sich das Kabel erwärmen und dazu führen, dass das Kabel schmilzt. Gleiches gilt für die Benutzung der Kabeltrommel, insbesondere wenn diese nicht komplettabgerollt wird.

"Außerdem können sehr hohe Spannungsabfälle und Verluste durch die Benutzung der Verlängerungskabel und/oder der Kabeltrommel auftreten, die zum einen die Effizienz des Ladevorgangs reduzieren aber auch in manchen Fällen das Laden erst gar nicht ermöglichen", sagt Opel-Sprecher Christof Birringer. "Ein weiterer Aspekt, der bei der Benutzung von Verlängerungen betrachtet werden muss, ist, dass diese Verlängerung im Allgemeinen ungeschützt ist. Beim Laden eines Elektrofahrzeugs sollte das ungeschützte Kabel so kurz wie möglich (ca. 30 Zentimeter), was auch in den Normen fest geschrieben ist, um mögliche Fehler so schnell wie möglich zu erkennen und im Fehlerfall abzuschalten."

Das Laden in der Handelsblatt-Tiefgarage hakte am Anfang, ging dann aber tadellos. Sebastian Schaal

Das Laden in der Handelsblatt-Tiefgarage hakte am Anfang, ging dann aber tadellos.

Bei sechs Ampere dauert es nach Angaben von Opel bis zu 11 Stunden, bis der Akku wieder voll geladen ist. Da der Akku bei Ankunft in der Redaktion in der Regel nicht ganz leer ist, reicht auch ein Acht-Stunden-Arbeitstag, um mit voll geladener Batterie nach Hause zu fahren.
Doch heute werde ich den Wagen noch stehen lassen. Morgen früh brauche ich voll geladene Batterien. Vor meiner Wohnung kann ich den Ampera nicht laden: Vom ersten Stock aus durch das Fenster geht nicht - und in einer Fußgängerzone schon zweimal nicht.

Die entscheidenden Fragen und Antworten zum Opel Ampera

Alltagstauglich?

Ja. Er bietet Platz für vier, auch der Wocheneinkauf passt in den Kofferraum. Nur für den Familienurlaub ist das Ladeabteil zu klein. Dafür ist das große Elektro-Problem, die Reichweite, dank Range-Extender beim Ampera kein Thema.

Das schönste Detail?

Die Fußgängerhupe. Sie ist nicht so laut wie die normale Hupe, und klingt auch nicht so aggressiv. Eher wie ein SMS-Ton. Die Fußgänger werden es ihnen danken, wenn sie nicht von hinten mit dem regulären Horn angehupt werden.

Enttäuschend?

Der Innenraum. Verarbeitung, Materialien und das Bedienkonzept des Infotainment-Systems sind nicht seiner Preisklasse angemessen. Das können die meisten Kompaktwagen besser - für deutlich weniger Geld.

Ist er`s wert?

Ein Toyota Prius kostet weniger als 30.000 Euro, fährt aber nur zwei Kilometer elektrisch. Der Nissan Leaf (36.990 Euro) fährt bis zu theoretisch bis zu 160 Kilometer weit - aber danach keinen Zentimeter mehr. Der Volvo V60 Plug-In Hybrid kostet mindestens 57.000 Euro, leistet aber auch mehr. Wer eine nennenswerte Distanz elektrisch fahren, aber auch ab und zu auf die Langstrecke gehen will, ist mit dem Ampera für 43.900 Euro oder seinem Schwestermodell Chevrolet Volt für 42.950 Euro gut bedient.

Sound?

Wie Sie hören, hören Sie (fast) nichts. Bei Vollgas surrt der Elektromotor leise vor sich hin. Schaltet sich auf Landstraße oder Autobahn der Benziner dazu, sind die Wind- und Abrollgeräusche fast lauter als der Motor.

Wie grün ist das Auto?

Kommt darauf an, was Sie daraus machen. Wird der Ampera rein elektrisch im Alltag eingesetzt, kommt es nur auf Ihren Stromtarif an. Mit Ökostrom wird es dann sehr grün. Im reinen Verbrenner-Betrieb auf der Langstrecke gibt es allerdings sparsamere Alternativen.

Vorbildlich?

Ja. Mit reinem Elektro-Antrieb sind langstreckentaugliche Reichweiten auf absehbare Zeit nicht möglich. Also werden wir nicht so schnell, wie sich das einige vorstellen, von fossilen Brennstoffen unabhängig sein. Da bietet der Plug-In-Hybrid - was der Ampera de facto ist - mittelfristig eine gute Alternative.

Was sagt der Nachbar?

Blickt zuerst skeptisch, als er mich mit dem Ladekabel hantieren sieht. Wird noch etwas skeptischer, als er in den Innenraum blickt. Ist aber nach einer Runde um den Block alles verflogen. Das elektrische Fahrgefühl ist seiner Meinung nach eine Erfahrung wert.

Wer guckt?

Fast jeder. Die wartenden Menschen an der Fußgänger-Ampel, wenn der Ampera lautlos vorbei rollt. Andere Autofahrer schauen rüber, die Nachbarschaft sowieso. Das mag allerdings auch an dem nicht gerade dezenten Schriftzug auf den Türen unseres Testwagens liegen, der auch jeden daran erinnert, welches Auto er gerade vor sich hat.

Wie fährt er sich?

Wer davor noch nie in einem Auto mit Elektro-Antrieb gefahren ist, ist vor allem von der Beschleunigung fasziniert. Ansatzlos zieht er nach vorne, wird auch nicht von Gangwechseln unterbrochen. Mit einem Leergewicht von über 1,7 Tonnen wegen der zusätzlichen Antriebstechnik ist der Ampera natürlich kein Kurvenkünstler - will er aber auch nicht sein.

Wo gehört er hin?

Letztendlich überall hin, egal ob Stadt oder Land. Wer den Ampera größtenteils elektrisch bewegt, wird mit ihm glücklich. Vielfahrer greifen nach wie vor besser zum Diesel.


Tag 3, Donnerstag
Heute geht es über ein langes Wochenende in die Niederlande ans Ijsselmeer. Von Düsseldorf aus sind das gute 300 Kilometer. Doch der erste Test naht bereits, bevor überhaupt ein Meter gefahren ist: Passt das Gepäck von drei Erwachsenen rein? Ja, es geht gerade so. Mit einem Koffer und zwei Reisetaschen ist es dann aber auch getan. Für einen zweiwöchigen Urlaub zu viert reicht der Kofferraum nicht.
Aber es geht ja vor allem um die Fahrerfahrungen mit dem Ampera, also ab auf die Straße. Die Batterie ist voll geladen, auch in den 35-Liter-Benzintank passt nichts mehr hinein. Somit könnten wir laut Anzeige 507 Kilometer fahren. Doch so weit kommt es ja gar nicht.

Allein die Anzahl an leuchtenden Knöpfen zeigt, dass die Bedienung nicht ganz durchdacht ist. Das Lenkrad ist Standard-Ware aus dem GM-Konzern.  Sebastian Schaal

Allein die Anzahl an leuchtenden Knöpfen zeigt, dass die Bedienung nicht ganz durchdacht ist. Das Lenkrad ist Standard-Ware aus dem GM-Konzern. 

Kommentare (57)

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MikeM

19.07.2012, 10:14 Uhr

5,4 Liter Verbrauch im gemischten Elektro+Benzinmodus. Fazit: Ein Diesel (z.B. BMW 318d) ist viel sparsamer und obendrein auch noch billiger.

scharfschuetze

19.07.2012, 10:25 Uhr

Und er fährt viel schneller und spritziger. Und hat mehr Platz für Gepäck. Und muß nicht ein teures (ca.10.000 Euro) Akkupack entsorgen.Und, und, und......

Moika

19.07.2012, 10:39 Uhr

86 PS und 1,7 Liter Super, da lache ich aber. Mein Audi A3 mit seinem 2 Liter Turbo-Diesel braucht 6 Liter, auch wenn ich auf der Bahn schon mal 200 KM/H schnell bin.

Nach jeder Kurzfahrt wieder an die Steckdose, damit die Batterie nicht ganz leer gefahren wird? 25 Meter langes Kabel immer griffbereit, um die nächste Steckdose zu erreichen? Wenn das der Fahrspaß der Zukunft sein soll - nein danke!

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