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31.05.2012

10:14 Uhr

Opel Zafira Tourer im Handelsblatt-Test

Der tragische Held mit dem Blitz

VonFlorian Brückner

Jedes neue Automodell ist für Opel fast wie ein Endspiel. Beim Zafira Tourer waren die Erwartungen besonders hoch. Aber auch der Kompakt-Van konnte das Werk in Bochum nicht retten. Eine Ausfahrt.

Im Test bei Handelsblatt Online: Der Opel Zafira Tourer bietet viel Platz für die ganze Familie. Leider aber auch einige Mängel im Detail. Sebastian Schaal

Im Test bei Handelsblatt Online: Der Opel Zafira Tourer bietet viel Platz für die ganze Familie. Leider aber auch einige Mängel im Detail.

DüsseldorfDer Opel Zafira ist wohl einer der großen tragischen Helden der Automobilgeschichte. Ein Held, weil der Zafira gemeinsam mit dem Renault Scenic das Segment der mittelgroßen Vans begründete - praktische Autos mit viel Platz für die ganze Otto-Normal-Familie bei knappen Abmessungen. Diese Rechnung ging für Opel voll auf. Die erste Generation des Zafira war mit seinem bis heute fragwürdigen Platzangebot für sieben Passagiere (wer braucht die eigentlich wirklich?) ein echter Topseller.

Doch diese Erfolgsgeschichte hat halt auch eine Schattenseite. Genauso wie mit den Aufkommen von kleinen SUVs die Liebe der Autofahrer - vor allem der männlichen - zu den praktischen Familien-Vans merklich abkühlte, so musste Opel hilflos mit ansehen, wie im Laufe der Jahre ausgerechnet der Erzrivale aus Wolfsburg das Rennen machte.

Egal ob Geländewagen, Minis oder Vans: Wie so oft in der jüngeren Autogeschichte kam VW mit dem Kompaktvan Touran spät auf dem Markt, nur um dann das Feld von hinten aufzurollen - und zwar gründlich. Im April wurden 4.661 Touran-Modelle in Deutschland zugelassen, Opel musste sich mit dem Zafira und 3.091 Einheiten mit dem zweiten Platz begnügen.

Tragisch, aber im Prinzip nicht weiter wild: Ein guter zweiter Platz ist eigentlich ja immer noch ein schöner Verkaufserfolg. Nur könnte Opel heute mehr denn je zuvor einen echten Kassenschlager brauchen, so einen wie den ersten Zafira, der rasch zu einem Markterfolg avancierte und dadurch auch noch das Opel Werk in Bochum rettete.

Die entscheidenden Fragen

Wer guckt?

Vans werden von Familien gerne gefahren. Echte Hingucker sind sie allerdings kaum. Beim Opel Zafira Tourer würde sich ein zweiter Blick hingegen lohnen. Die Scheinwerfer in Säbelzahnoptik und vor allem das Heck sind wirklich gut gelungen.

Wie fährt er sich?

Der Name Tourer ist Programm. Der Zafira fährt sauber ohne Überraschungen. Nicht zu hart, nicht zu weich, für einen Kompaktvan eigentlich genau richtig. Der Lenkung fehlt es etwas an Rückmeldung, das Getriebe ist in Ordnung, hat aber relativ lange Schaltwege

Sound?

Weniger wäre mehr. Der Diesel tuckert nicht nur nach dem Anlassen vernehmlich.

Wo gehört er hin?

In den Familienalltag - oder in eine Taxi-Flotte. Der Zafira bietet selbst bei großen Fahrern hinten noch mehr als genug Platz.

Alltagstauglich?

Absolut - und das gilt nicht nur für die guten Platzverhältnisse, die schön großen Türausschnitte und die 27 Ablagen, auch wenn Kinder die bei Vans fast schon obligatorischen Klapptische an den Vordersitzen vermissen dürften. Mag der Zafira auch nach vorne etwas unübersichtlich sein, dank der gut gelösten A-Säule lässt es sich mit diesem Opel prima durch die Stadt manövrieren. Anders als bei anderen Vans ist das dortige kleine Fensterchen mehr als ein Alibi, sondern eine echte Hilfe beim Rangieren.

Ist er’s wert?

Ein Schnäppchen ist dieser Zafira nicht. Vor allem die Assistenzsysteme und zusätzlichen Gimmicks bringen diesen Opel schnell nahe an die 30.000-Euro-Grenze. Für deutsche Mittelstandsfamilien eine schöne Stange Geld. Gemessen an Design und Haptik geht das in Ordnung, das ein oder andere Ausstattungsdetail kann man sich getrost schenken.

Was sagt der Nachbar?

Guckt sich den Zafira gerne näher an. Leidenschaften weckt ein Kompaktvan nicht. Dafür verblüfft der Zafira mehr als einen Neugierigen mit seiner guten Verarbeitungsqualität.

Und wie grün ist das Auto?

Nicht so grün wie gedacht. Der Opel kam im Test auf einen Durchschnittsverbrauch von 8,3 Liter Diesel - 2,3 Liter mehr als angegeben. Dass eine C-Klasse mit einem Sechszylinder-Diesel und 265 PS nur 0,1 Liter mehr verbraucht, macht nachdenklich.

Das schönste Detail?

Die Panorama-Windschutzscheibe. Fast schon allein ein echter Kaufgrund. Zusammen mit dem Glasdach kommt da auf allen Sitzen wahre Begeisterung auf.

Vorbildlich?

Die A-Säule sollte sich manch anderer Hersteller zum Vorbild nehmen.

Enttäuschend?

Die elektronischen Assistenzsysteme halten nicht ganz, was sie versprechen. Und der Sport-Modus sorgt zwar für zornig rote Instrumente, aber sonst...

Wie sich die Zeiten gleichen. Wieder steckt Opel in der Klemme - und das gilt erst recht für das Werk in Bochum. Die Heimat des Zafira zittert. Denn angesichts rasant schwindender Marktanteile und rückläufiger Absätze könnte die Produktion ins gleichfalls notleidende Stammwerk in Rüsselsheim abwandern. Für Bochum wäre dies wohl das Aus. Jetzt kommt alles auf den Zafira an. Aber hat der das Zeug zum Helden?

Kommentare (12)

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sffkn

31.05.2012, 14:37 Uhr

Das größte Problem für OPEL sind Firmenname und Logo an sich. Die Fahrzeuge sind gut, die Belegschaft hoch motiviert und die Qualität weit besser als von den meisten Importmarken. Dennoch: Ein Name der einfach nach Opa POpel klingt, der peinliche PornoBlitz - der fast jährlich von Designern nachgearbeitet wird - verkörpern wie kaum ein anderer Markenname erotiklose kleinbürgerliche Zweckemäßigket und Biedermannatmosphäre.
Ein Dilemma, dass zu lösen einfach schon vor rund 60 Jahren verpaßt wurde. (Das selbe Problem hatte GM schon mit Daewo. Heißt jetzt alles Chevrolet; seither kaufens die Leut)

tipon

31.05.2012, 15:01 Uhr

Richtig, der Name spielt eine gewwichtige Rolle,(Beispiel PORSCHE,da rollt schon der Name selbst. Genauso sollte sich "OPEL" vone den 08/15 einheitlichen allerwelts-Design loesen und elegantere Formen entwerfen.Unter 90kmh spielt der CW Wert eine untergeordnete Rolle,somit muss man sich fragen,warum so langweiliges Design angeboten wird.(Tauscht man den Kuehlergrill und das Logo aus,und und das Auto sieht ziemlich gleich aus wie die Konkurenz). Frage: Sind die Designer ausgestorben???

Daniel

31.05.2012, 15:47 Uhr

Guten Tag,

wer die "Kaffe-Bar" nicht mag, kann ja auch die Kombination aus Dunkelgrau und Schwarz wählen. :)

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