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28.12.2012

09:51 Uhr

Peugeot 307

Kleines Preisschild, lange Negativliste

Quelle:dpa

In der hart umkämpften Kompaktklasse müssen Automodelle besonders überzeugende Kaufanreize mitbringen. Das gilt auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Der Peugeot 307 tut sich da etwas schwer.

Der Peugeot 307 schleppt einige Mängel mit sich herum. Dafür gibt es den Kompakten auf dem Gebrauchtmarkt schon ab rund 2.000 Euro. PR

Der Peugeot 307 schleppt einige Mängel mit sich herum. Dafür gibt es den Kompakten auf dem Gebrauchtmarkt schon ab rund 2.000 Euro.

BerlinDer Peugeot 307 glänzt nicht gerade mit Zuverlässigkeit. Bei der Kfz-Hauptuntersuchung werden dem Franzosen häufig Verschleißerscheinungen und Mängel bescheinigt. Rost muss immerhin selbst bei elfjährigen Fahrzeugen laut dem «TÜV Report 2013» fast nie beanstandet werden. Doch die Negativliste ist lang: Sieben Rückrufaktionen gab es für den Peugeot 307, zum Beispiel wegen Brandgefahr in der Verkabelung der elektrischen Servolenkung.

Oft treten dem TÜV zufolge Getriebe- und Turboladerschäden auf, Achs- und Lenkgelenke verschleißen stark. Der ADAC zählt den 307 zu den «weniger pannensicheren Autos». Diesel bis zum Baujahr 2004 fielen dem Club oft mit abgerutschten Turboschläuchen auf. Allgemein seien gebrochene Auspuffrohre keine Seltenheit. Den Bremsscheibenverschleiß stufen ADAC und TÜV als sehr hoch ein.

Im Jahr 2001 kam der Peugeot 307 auf den Markt. Er löste den 306 ab. Angeboten wurden zunächst Schrägheckversionen mit drei und fünf Türen. Später folgten ein Coupé-Cabrio (CC) sowie die Kombiversionen Break und SW. Im 307 SW können bis zu sieben Personen mitfahren.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

2005 gönnte Peugeot dem Kompakten eine Modellpflege, bei der vor allem Front- und Heckpartie überarbeitet wurden. Als 308 kam 2007 der Nachfolger des 307 auf den Markt, der noch rund ein Jahr parallel weiter gebaut wurde. Die CC-Version gab es zuletzt 2009 neu zu kaufen.

Unter der Motorhaube arbeiten ausschließlich Reihenvierzylinder. Die im Lauf der Bauzeit eingesetzten Benziner leisten zwischen 55 kW/75 PS und 130 kW/177 PS, wobei die Kombis mit dem Top-Aggregat nicht angeboten wurden. Die Diesel kommen je nach Baujahr auf 50 kW/68 PS bis 100 kW/136 PS.

Gebrauchtwagenkäufer bekommen den Peugeot 307 nach Angaben des Branchendienstes Schwacke ab rund 2.000 Euro. Für diesen Betrag sollte ein 307 75 Presence mit 55 kW/75 PS von 2002 aufzutreiben sein (durchschnittliche Laufleistung: 128.000 Kilometer).

Wer einen 103 kW/140 PS starken 307 140 Sport von 2007 sucht, muss dafür noch gut 7.800 Euro einplanen (68.000 Kilometer). Ein 307 HDi SW 110 Tendance mit 80 kW/109 PS von 2008 wird mit 8.100 Euro geführt (88.400 Kilometer). Das Cabrio 307 CC 180 Platinum mit 130 kW/177 PS aus dem Baujahr 2007 kostet noch etwa 11.600 Euro (68.000 Kilometer).

Kommentare (5)

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Klare_Kante

30.12.2012, 11:18 Uhr

Wir fahren einen 307 HDi BJ 01/2002. Zugegebermaßen hat der Wagen durchaus den einen oder anderen Verarbeitungsmangel (z.B. Undichtigkeit des Schiebedaches), aber die von Ihnen genannte Pannenanfälligkeit kann ich nicht bestätigen. Wir sind inzwischen fast 190.000 KM mit dem Fahrzeug gefahren. Kein Auspuffbruch, keine Achs-/Lenkgestängeschäden, normaler Bremsenverschleiß und liegengeblieben sind wir mit dem Auto auch noch nie. Die TüV-Prüfung haben wir immer im ersten Anlauf geschafft. Wir lassen das Auto allerdings auch entsprechend der Herstellervorgabe in unserer Markenwerkstatt warten.
Wir sind mit dem Wagen sehr zufrieden. Und wenn ich im Bekanntenkreis so rumschaue (VW-Fahrer, Audi-Fahrer, Honda-Fahrer, Opel-Fahrer), dann sehe ich da nicht wirklich bessere Autos. Auch die haben alle mal irgendeine Macke an ihrem Auto.

Peter_Glotz

30.12.2012, 13:38 Uhr

Dann haben Sie einfach nur Glück gehabt.

Sie müssen aber dennoch akzeptieren, dass französische Autos allgemein keinen guten Ruf haben.

Nicht umsonst hat sich der Begriff 'Franzosenkiste' eingebürgert. Das kommt nicht von ungefähr.

Und wenn ich mir die französischen 'Designwunder' der letzten Jahre mal anschaue, kann ich auch verstehen, warum die beim Kunden durchfielen.

Account gelöscht!

30.12.2012, 18:24 Uhr

egal was man fährt; letztendlich sind das alles nur Blechkisten auf Gummibereifung.
Ich bin kein Fan französischer neuer Autos und bewundere jedesmal den "Nationalstolz" in Paris; aber wenn ich mir den letzten Getriebezirkus von VW und den Premiumzirkus a ´la " ausgeleierten Gurt und undichte Lampeneinheiten " bei BMW anschaue; kann man sich eigentlich auch alle 5 Jahre ´n neuen Franzosen kaufen.

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