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27.03.2014

07:46 Uhr

Peugeot 308 im Handelsblatt-Test

Es muss nicht immer ein Golf sein

VonSebastian Schaal

Der Peugeot 308 ist das „Auto des Jahres 2014“ – zur Verwunderung vieler. Doch unser Test zeigt, dass der Franzose ein wirklich gutes Auto ist. Auch weil er sich vermeintlich deutscher Tugenden bedient.

Der Peugeot 308 ist soetwas wie ein deutscher Franzose. Sebastian Schaal

Der Peugeot 308 ist soetwas wie ein deutscher Franzose.

DüsseldorfDie Verwunderung auf dem Genfer Autosalon war groß: Alljährlich verleiht dort ein Gremium aus europäischen Motorjournalisten die prestigeträchtige Auszeichnung „Car of the Year“. Doch anstatt einem innovativen BMW i3 mit Elektroantrieb und Kohlefaser-Karosserie oder einer Mercedes C-Klasse mit allerhand Luxus-Assistenzsystemen wählten die Kollegen den Peugeot 308 zu ihrem Favoriten. Ein Auto aus Stahl mit einem altmodischem Verbrenner unter der Haube, bei dem es noch nicht einmal für jede Motorisierung ein Start-Stopp-System gibt. Welch Frevel!

Was hat den Ausschlag zugunsten des 308 gegeben? Weil er im Vergleich zu seinem Vorgänger nicht gewachsen, sondern drei Zentimeter kürzer geworden ist? Weil er 140 Kilo abgespeckt hat? Oder weil der 1,6-Liter-Diesel bereits heute das CO2-Ziel von 95 Gramm pro Kilometer schafft?

Die Antwort ist recht simpel: Weil der Peugeot 308 insgesamt ein sehr gutes Auto ist.

Der erste Schritt zu einem massentauglichen Kompaktwagen: die Optik. Die Designer haben sich von dem übergroßen Haifischmaul und den weit nach hinten gezogenen Scheinwerfern verabschiedet und wieder zu einer schnörkellosen, aber keineswegs langweiligen Linie gefunden – zum Glück. Mit der übertrieben aggressiven Front des 307 konnte man den ein oder anderen Individualisten überzeugen, mehr aber auch nicht.

Da hat der Neue mit seinen serienmäßigen LED-Tagfahrlichtern und dem dezenten Kühlergrill schon eher Chancen auf den großen Durchbruch, denn in der Zulassungsstatistik liegen andere in der Golf-Klasse vorne.

Die entscheidenden Fragen und Antworten zum Peugeot 308

Alltagstauglich?

Vorne geht es in dem aufgeräumten Innenraum luftig zu, auf der Rückbank herrschen klassenübliche Verhältnisse. Der Kofferraum fasst 420 Liter, das reicht auch vollkommen aus. Nach vorne ist der 308 mit seiner kurzen Haube erstaunlich übersichtlich, hinten versperrt die kleine Heckscheibe die Sicht. Aber als Alltagauto gibt der 308 eine gute Figur ab.

Das schönste Detail?

Es erstaunt mich selbst, dass ich das einmal schreibe: Die elektronische Feststellbremse ist ein kleines Highlight. Sie zieht beim Abschalten des Motors unmerklich von alleine an, und löst erst wieder punktgenau beim Anfahren. Gerade letzteres geht so unmerksam vonstatten, dass es eine echte Erleichterung ist. Da steckt einiges an Feinarbeit drin.

Enttäuschend?

Eine richtig herbe Enttäuschung? Fehlanzeige. Selten erlebt.

Ist er's wert?

Die Basisausstattung zum Kampfpreis von 16.750 Euro ist wenig empfehlenswert, die Ausstattung ist doch sehr karg. Ob es dann die mittlere oder die Top-Ausstattung unseres Testwagens sein muss, bleibt Ihnen überlassen. Aber selbst die Top-Variante ist mit 155 PS für 24.850 Euro ein faires Angebot.

Sound?

Kaum vorhanden. Selbst beim Gasgeben läuft der Motor sehr leise.

Wie grün ist das Auto?

Normverbrauch 5,8 Liter, 138 Gramm CO2. Geht in Ordnung, wer aber auf etwas Leistung verzichten kann, ist mit dem 1,6-Liter-Diesel deutlisch sparsamer unterwegs. Der knackt schon den ab 2021 geltenden Wert von 95 Gramm.

Vorbildlich?

Der Versuch, im Innenraum einen vollkommen eigenen Weg zu gehen. An vielen Stellen ist das gelungen, an anderen Punkten sind die Techniker und Designer über das Ziel hinaus geschossen.

Was sagt der Nachbar?

„Sieht nett aus, ihr Fiat Punto!“

Wer guckt?

Als wir den Wagen im Düsseldorfer Hafen fotografiert haben, hat der 308 die Blicke einiger Lkw-Fahrer auf sich gezogen. Auch sonst hat hier und da mal jemand auf den Peugeot geschaut. Vielleicht, weil er einfach gefällt, denn wirklich auffällig geht anders.

Wie fährt er sich?

Sehr komfortabel. Wegen der weichen Federung nannte ihn der ein oder andere auch liebevoll „Schaukelpferdchen“: Beim Beschleunigen, Schalten und Bremsen nickt der 308 ordentlich vor uns zurück. Wegen der weichen und sehr bequemen Sitzen, die eher den Namen „Fauteuil“ verdient, will man auch nach längeren Strecken nicht aussteigen.

Wo gehört er hin?

Fragen Sie bei all den Golf-, Astra-, Focus-, Ceed-, i30-, Megane- oder Sonstnochwas-Fahrer nach.

Ähnlich schnörkellos und schlicht präsentiert sich der Innenraum des 308. Fast etwas zu schlicht, möchte man erschrocken rufen: Neben dem Lautstärkeregler gibt es gerade einmal noch fünf Tasten in der Mittelkonsole, und keine hat etwas mit der Klimaanlage oder dem Radio zu tun. Stattdessen prägen viele glatte Oberflächen den Innenraum, was aber trotz des vielen Schwarz in unserem Testwagen sehr luftig wirkt. Gerade weil nicht jeder Quadratzentimeter Kunststoff mit einem Knopf oder Drehregler zugepflastert ist.

Auf dieses „i-Cockpit“, wie es im Markenjargon heißt, sind die Franzosen besonders stolz. Ein ganz bewusst gesetzter Kontrapunkt. Soll heißen: Fast alles, was es zu bedienen gibt, muss über den großen Touchscreen in der Mittelkonsole erledigt werden. Wer es auch nur ein halbes Grad wärmer oder kühler haben will, muss das über den Bildschirm tun.

Nein, das Lenkrad ist nicht zu tief eingestellt, dass muss beim 308 so sein: Der Fahrer soll über das Lenkrad hinweg auf die Instrumente schauen, nicht durch den Lenkradkranz hindurch. Klappt in der Praxis aber nicht bei jedem: Je nach Sitzeinstellung kann das Lenkrad den unteren Bereich der Instrumente verdecken. Sebastian Schaal

Nein, das Lenkrad ist nicht zu tief eingestellt, dass muss beim 308 so sein: Der Fahrer soll über das Lenkrad hinweg auf die Instrumente schauen, nicht durch den Lenkradkranz hindurch. Klappt in der Praxis aber nicht bei jedem: Je nach Sitzeinstellung kann das Lenkrad den unteren Bereich der Instrumente verdecken.

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