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27.11.2014

07:35 Uhr

Peugeot 308 SW im Handelsblatt-Test

Ein eigenwilliger Monsieur

VonJörg Hackhausen, Frank G. Heide

Wer den VW Golf herausfordert, muss sich einiges einfallen lassen. Das hat Peugeot getan. Der neue 308 SW bietet viele Überraschungen – einige davon haben uns gut gefallen, manche eher verwundert.

Vorne ein kleiner Motor, hinten ein riesiger Kofferraum: Der neue Peugeot 308 SW trifft im Segment der kompakten Kombis auf eine riesige Zahl an Konkurrenten. Er kann aber mit eigenen Stärken punkten. Frank G. Heide

Vorne ein kleiner Motor, hinten ein riesiger Kofferraum: Der neue Peugeot 308 SW trifft im Segment der kompakten Kombis auf eine riesige Zahl an Konkurrenten. Er kann aber mit eigenen Stärken punkten.

DüsseldorfDeutsche Autofahrer mögen es langweilig, oder netter ausgedrückt: beständig. Seit Mitte der 1970er-Jahre führt hierzulande genau ein Modell die Zulassungsstatistiken an, jedes Jahr fast ohne Unterbrechung. Dass eine ganze Fahrzeugklasse nach ihm benannt ist, sagt schon alles. Der VW Golf ist bestimmt kein schlechtes Auto. Aber ist er wirklich alternativlos?

Wir haben einen neuen Herausforderer getestet: den Peugeot 308, genauer gesagt die Kombivariante 308 SW mit Ausstattungspaket „Allure“ (zu Deutsch: „Verführung“).

Vom Vorgängermodell ist nur der Name geblieben, ansonsten handelt es sich um eine komplette Neuentwicklung. Die wahrscheinlich wichtigste Neuerung: Peugeot hat den Wagen mit einem Dreizylinder-Benziner mit Turboaufladung ausgestattet, ein kleiner Motor mit vergleichsweise viel PS. Auch an anderen Stellen setzen die Franzosen auf eigene Akzente – einiges davon hat uns gut gefallen, manches verwundert.

Schon bei der ersten Annäherung müssen wir zweimal hinschauen: Ganz in weiß steht der Peugeot da, macht einen schlichten und zugleich eleganten Eindruck, einen Akzent setzt der wuchtige Kühlergrill. Die Scheiben sind dunkel getönt, umrandet von glänzenden Chromleisten. Das Highlight aber ist das übergroße gläserne Panoramadach, das sich fast über die gesamte Länge zieht. Ist das wirklich Mittelklasse?

Auch im Inneren macht das Auto macht das Auto was her: die schwarzen Ledersitze fühlen sich gleich bequem an, bieten aber auch guten Seitenhalt. Auf Knopfdruck verwöhnt der 308 SW seinen Fahrer und Beifahrer sogar mit einer leichten Massage Der verchromte Schaltknauf liegt gut in der Hand, durch das Panoramadach kommt viel Licht ins Auto (nur öffnen lässt es sich leider nicht). .

Sofort fällt auf, wie aufgeräumt der Innenraum wirkt, um nicht zu sagen: wie leergefegt. Man sagt französischen Autos ja oft nach, sie seien verschnörkelt und verspielt. Peugeot tritt den Beweis des Gegenteils eindrucksvoll ab.

Die wichtigsten Fragen

Alltagstauglich?

Unbedingt. Das Kofferraum des 308 SW ist einer der größten seiner Klasse. Trotzdem wirkt der Wagen nicht wuchtig oder unhandlich. Er lässt sich gut manövrieren. An der Übersicht gibt es nichts auszusetzen.

Das schönste Detail?

Das Panoramadach, das sich fast über die gesamte Länge des Daches zieht. Lässt viel Licht ins Auto.

Enttäuschend?

Von einem kleinen Dreizylinder-Motor darf man erwarten, dass dieser mit geringem Verbrauch punktet. Knapp sieben Liter im Test im kombinierten Verkehr sind allerdings nicht überragend. Das geht besser.

Ist er's wert?

In der Grundausstattung kostet der Wagen 19.450 Euro. Damit ist er sogar etwas teurer als der einfachste Gold Variant. Für um die 25.000 Euro bekommt man einen sehr gut ausgestatteten Peugeot mit vielen Extras, die sich VW wiederum teurer bezahlen lässt. Die Antwort lautet also: ja.

Sound?

Der Motor klingt größer als er ist, was daran liegt, dass es sich um einen Dreizylinder handelt. Die klingen nicht ganz so rund wie ihre Kollegen mit gerader Zylinderanzahl. Wohlwollend könnte man dem Motor das Attribut "kernig" zuschreiben.
Beim Thema Sound sollte auch das sehr gute Soundsystem von Denon erwähnt werden.

Vorbildlich?

Elegantes, schnörkelloses Design. Der Innenraum wirkt sehr aufgeräumt. Damit setzt Peugeot Maßstäbe. Die Sitze sind angenehm komfortabel.

Was sagt der Nachbar?

"Die getönten Scheiben sind aber etwas prollig, oder?" - "Ach was, das nennt man heute Privacy-Verglasung."

Wie grün ist das Auto?

Wenn man sich den offiziellen Normverbrauch von fünf Litern anschaut, dann ist das ein sehr guter Wert für ein Auto der Größe. Nur sind wir in der Praxis nicht mal in die Nähe dieses Wertes gekommen. Aber bei welchem Hersteller sind die Angaben überhaupt realistisch?

Wer guckt?

Hm, der Kombi ist nicht unbedingt ein Auto, das die Blicke auf sich zieht. Er überzeugt eher durch zurückhaltende Eleganz.

Wie fährt er sich?

Im unteren Drehzahlbereich tut er sich mit der Gasannahme ein wenig schwer. Hat man erst mal das Loch bei um die 1000 Umdrehungen hinter sich gelassen, wird es besser. Am wohlsten fühlt sich der Motor zwischen 1.500 und 3.500 Umdrehungen. Das Fahrwerk ist es angenehm straff.

Wo gehört er hin?

Überall da, wo ein praktisches Familienauto gut aufgehoben ist, vielleicht am besten im Carport einer Vorstadt-Siedlung.

Das auf der Mittelkonsole sonst übliche Mäusekino aus Knöpfen und Schaltern ist verschwunden. Die Bedienung von Navi, Klimaanlage oder Denon-Soundsystem (hervorragender Klang) erfolgt allein über einen Touchscreen, der mit 9,7 Zoll so groß wie ein Tablet geraten ist. Die Generation Smartphone wird es freuen.

Aus dem Stand geht die Bedienung erstaunlich gut von der Hand, bei voller Fahrt haben wir allerdings ein Problem: Beim Versuch, die Symbole genau mit der Fingerspitze zu treffen, wandert der Blick weg vom Verkehr. Ein simpler Drehregler ließe sich leichter ertasten. Design ist gut, Sicherheit ist besser.

Ein anderer Fall von gut gedacht, aber nicht unbedingt gut gemacht: Peugeot hat die Instrumente wie Tacho und Drehzahlmesser so angeordnet, dass sie oberhalb des Lenkrades sichtbar sein sollen. Das Lenkrad ist klein geraten, es würde auch in einen Sportwagen passen.

So weit so gut. Nur leider verdeckt das Lenkrad teilweise die Sicht auf die dahinterliegenden Instrumente - jedenfalls ging es uns so. Je nach Sitzposition oder Größe des Fahrers mag das anders sein. Man sollte bei der Probefahrt darauf achten.

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